Duell ums Ehrenamt: Wer folgt Michelle Obama? | Welt | DW | 19.10.2016
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US-Wahlkampf

Duell ums Ehrenamt: Wer folgt Michelle Obama?

Melania Trump und Bill Clinton könnten kaum unterschiedlicher sein. Beide wollen mit ihren Ehepartnern, die für das Präsidentenamt kandidieren, ins Weiße Haus. Von da aus haben schon einige First Ladies mitgewirkt.

USA Wahlkampf TV Duell Bill Clinton und Melania Trump

Wenig Gemeinsamkeiten: Melania Trump und Bill Clinton vor dem TV-Duell ihrer Ehepartner

Was für ein Kontrast! Hier das Ex-Model Melania Trump, gebürtige Slowenin, politisch unbedarft. Da der Ex-Präsident, mit allen Wassern gewaschen, ein Polit-Profi durch und durch. Nun verbindet sie etwas: Beide haben in gewisser Weise mit einem Sex-Skandal zu kämpfen. In Bill Clintons Fall muss es 'hatte' heißen. Vor bald 20 Jahren musste er sich öffentlich für Oval-Office-Schäferstündchen mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky rechtfertigen und setzte Ehe wie Präsidentschaft aufs Spiel.

Duell Ex-Model gegen Ex-Präsident

Melania Trump wiederum kämpft mit den Vorwürfen gegen ihren Mann. Überraschend für viele warf sie ihre bisher zurückhaltende Rolle im Wahlkampf über Bord und äußerte sich im Fernsehsender CNN ausführlich zu den Sexismus-Vorwürfen gegen ihren Mann Donald Trump, der US-Präsident werden möchte. "Ich war überrascht, denn der Mann, der da spricht, ist nicht der, den ich kenne", sagte sie.

Ihre Interview-Offensive zwei Tage vor dem letzten TV-Duell ihres Mannes gegen Hillary Clinton ist die Reaktion auf die Frau, an deren Stelle Melania Trump gerne treten will: First Lady Michelle Obama hatte zuvor die Sex-Prahlereien von Donald Trump als "schockierend und untragbar" gegeißelt. 

Melania Trump vs. Michelle Obama

Mit ihrem Statement tritt Melania Trump aus dem Schatten. Bislang waren ihre wenigen öffentlichen Einlassungen wie ihre unter Plagiats-Verdacht stehende Parteitagsrede oft auf Häme gestoßen.

Das "Amt", für das sich Melania Trump und Bill Clinton "bewerben", ist übrigens unbezahlt und nicht in der US-Verfassung geregelt. "Aber schon der erste Präsident George Washington hatte Platz für 'Lady Washington' freigelassen und damit die Institution von 'First Lady'/'First Man' etabliert", erläutert Crister S. Garrett, Professor für Amerikanische Studien an der Universität Leipzig im DW-Interview.

"Eine Aura des Überparteilichen"

Ehefrauen oder Gatten des mächtigsten Mannes oder der mächtigsten Frau der Welt sind näher am Staatsoberhaupt als jeder andere. "Im Wahlkampf sind sie Sympathieträger", sagt Thomas Jäger, Außenpolitik-Experte von der Universität Köln im Interview mit der Deutschen Welle: "Sie haben eine Aura des Überparteilichen, sind eher eine Identifikationsfigur für alle."

Nach einem Wahlsieg kann sich das ändern, das hat auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton erfahren. In ihrer Zeit als First Lady hat sie zwar "eine klare, profilierte Rolle" übernommen, sagt Crister S. Garrett, scheiterte letztendlich aber mit ihren Plänen für eine Gesundheitsreform. 

Politisch ambitioniert, Stil-Ikone oder "Dragon Lady"?

Ausgerechnet Hillary Clintons großes Vorbild gilt nach wie vor als die "Mutter aller First Ladies": Eleanor Roosevelt blieb auch in der Amtszeit ihres Mannes Franklin D. Roosevelt (1933-1945) die starke Kämpferin für Frauenrechte, die sie schon vorher war. "Sie hat eine maßgebliche Rolle bei der Gründung der Vereinten Nationen gespielt", sagt Crister S. Garrett. Eleanor Roosevelt war auch als Präsidentschaftskandidatin im Gespräch.

Eleanor Roosevelt

Mutter aller First Ladies - Eleanor Roosevelt spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung der Vereinten Nationen

Eleganz und Glamour zogen 1961 mit John F. Kennedy und seiner Frau Jackie ins Weiße Haus ein. Ihre Zeit als Präsidentengattin währte nur zwei Jahre, doch ihr modisch-eleganter Stil prägte eine ganze Generation. Bis heute gilt Jackie Kennedy als die amerikanische "Königin der Herzen".

Bildergalerie amerikanische Präsidenten

Stilikone für eine ganze Generation - Jackie Kennedy gilt bis heute als Königin der Herzen

Der Kölner USA-Experte Thomas Jäger hält Nancy Reagan für die wohl am meisten unterschätzte First Lady: "Sie war stärker an Entscheidungen ihres Mannes Ronald beteiligt, als damals bekannt war." Ihre Spitznamen waren übrigens "Dragon Lady" und "Queen Nancy".

Michelle Obama: "Yes, she can!"

Die aktuelle "Amtsinhaberin" Michelle Obama hat das Bild der First Lady verändert. Sie ist keine Hausfrau mit Charity-Aufgaben, aber auch keine Co-Regentin. Sie steht für die moderne emanzipierte Frau. Und ist dabei so populär, dass es der Nachrichtenagentur dpa eine Meldung wert ist, wenn die 52-Jährige zum letzten Mal gemeinsam mit Schülern im Garten des Weißen Hauses Gemüse pflückt.

Und schon wünschen sich Obama-Fans Michelle als Präsidentin. Thomas Jäger von der Uni Köln sieht in ihr "eine begnadete Wahlkämpferin und PR-Frau". Mit der Öffentlichkeit flirten? Yes, she can! Michelle Obama ist Netz-affin, nutzt Instagram und Snapchat.

Selbst wenn sie mit TV-Talker James Corden bei einer Spazierfahrt im Park des Weißen Hauses Songs von Stevie Wonder und Beyoncé intoniert, nimmt ihr das niemand übel. Im Gegenteil: Das "Carpool Karaoke"-Video ist mittlerweile Kult.

Bauchnabelschau oder hinter der Kulisse?

Crister S. Garrett von der Uni Leipzig lobt Michelle Obama: "Durch ihre Intelligenz, Gefasstheit, Souveränität, Leidenschaft für bestimmte Themen wie Frauenrechte und natürlich Spaß am Populärkultur hat sie Wähler aller Generationen und Schichten der Gesellschaft sehr wirksam angesprochen und ganz klar die Präsidentenschaft von Barack Obama gestärkt."

Wenn am 08. November der 45. Präsident der USA gewählt wird, entscheidet sich auch, wer Michelle Obamas Rolle einnimmt. Was, wenn es Melania Trump wird? Dazu hört der USA-Kenner Thomas Jäger sehr unterschiedliche Dinge: "Einige sagen, sie wäre die hübscheste Frau im Weißen Haus seit Jackie Kennedy. Es wäre ein gutes Signal für Offenheit, dass eine gebürtige Slowenin diese Rolle übernimmt. Andere stoßen sich an ihrer Model-Vergangenheit." Immerhin war Melania Trump so gering bekleidet zu sehen, dass man nun ihren Bauchnabel kennt.

Donald Trump, mutmaßt Crister S. Garrett, "würde wohl darauf bestehen, die meiste Aufmerksamkeit auf sich selber zu ziehen, kurzum, Melania eine bescheidene "behind-the-scenes" Rolle zuzuweisen."


 

Rache für Monicagate?

Interessant ist aber auch, wie sich die Clintons im Falle eines Wahlsiegs aufstellen. Hillary wäre die klare Nummer eins. Aber was würde aus Bill, immerhin Ex-Präsident? Der Kölner Außenpolitik-Experte Thomas Jäger hört zwei Gerüchte: "Einige unken, er werde von allen Informationsströmen abgeschnitten - vielleicht aus Rache für 'Monicagate'? Andere glauben, er werde Hillarys neuer Wirtschaftsberater mit eigenem Büro, der sich um die Re-Industrialisierung kümmern werde und neue Jobs schaffen soll."

Genauso unklar ist noch, wie denn genau der erste Mann im Rang einer First Lady genannt würde: First Husband, First Gentleman oder First Gent? Oder wie es Bill Clinton schon 2007 selbst ins Spiel brachte: "First Laddie", der "erste Bursche".

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