Drohende Angriffe in früherer IS-Hochburg Al-Rakka | Aktuell Nahost | DW | 24.06.2018
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Syrien-Krieg

Drohende Angriffe in früherer IS-Hochburg Al-Rakka

In der einstigen IS-Hochburg Al-Rakka herrscht Ausgangssperre. Vertriebene IS-Kämpfer sollen wieder Anschläge planen. Im Südwesten des Landes geht das Bombardement auf letzte Rebellenstellungen weiter.

Die Luftaufnahme zeigt das völlig zerstörte Rakka in Syrien. Von den Hochhäusern sind nur noch Trümmer übrig. (Foto: picture-alliance/G.Chaim)

Rakka ist nach jahrenlangen Kämpfen völlig zerstört

Die nordsyrische Stadt Al-Rakka wurde im Oktober 2017 von der Herrschaft der Extremisten Miliz "Islamischer Staat" befreit. Nun haben die von den USA unterstützten Milizen eine dreitägige Ausgangssperre verhängt. Als Begründung nannten die kurdischen und syrischen Milizen, IS-Kämpfer seien in die Stadt am Euphrat eingesickert und bereiteten eine Anschlagsserie vor. Die Miliz "Syrische Demokratische Streitkräfte" (SDF) sprach von einer vorbeugenden Maßnahme. Al-Rakka wurde von den IS-Terroristen 2014 eingenommen und als Hauptstadt ihres angestrebten Kalifats ausgerufen. Die SDF werden von Kurden dominiert. In jüngster Zeit gab es Reibereien zwischen ihnen und den überwiegend arabischen Bewohnern der in Trümmern liegenden Stadt. 

Angriffe in Deeskalationszone

Unterdessen bombardierte Russlands Luftwaffe nach Angaben von Aktivisten erstmals seit rund einem Jahr die Provinz Daraa. Der Süden Syriens gehört zu den letzten Rebellengebieten des Bürgerkriegslands. In der Region wurde im vergangenen Jahr eine sogenannte Deeskalationszone eingerichtet. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, hätten russische Flugzeuge allerdings seit Samstagabend fast 70 Angriffe gegen von Rebellen kontrollierte Orte geflogen, um den Angriff der Regierung auf Rebellen zu unterstützen.

Präsident Baschar al-Assad hatte angekündigt, seine Einheiten würden das ganze Land zurückerobern, sollte es keine Verhandlungslösung geben. Nach Angaben der Aktivisten hat Syriens Luftwaffe am Wochenende in der umkämpften Region fast 20 Fassbomben abgeworfen - eine international geächtete Waffe. 

Reaktionen der USA

Die USA hatten den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen russische Verbündete gewarnt, dass eine Verletzung der Deeskalationszone im Südwesten Syriens ernsthafte Konsequenzen haben würde. Zudem drohten die USA mit "entschlossenen und angemessenen Maßnahmen". Dies hatte bei den Rebellen offenbar die Hoffnung geweckt, dass die USA bei einer Ausweitung des seit Tagen anhaltenden Beschusses durch die Regierungstruppen eingreifen könnten. In ihrer Botschaft an die Rebellen machen die USA aber klar, die Führung der Freien Syrischen Armee (FSA) müsse alleine entscheiden, wie sie auf die Offensive der Regierungstruppen reagieren sollten.

Zudem haben die USA den syrischen Rebellen im Südwesten des Landes signalisiert, dass diese nicht länger mit militärischer Unterstützung durch Amerika rechnen könnten. "Sie sollten ihre Entscheidungen nicht auf Grundlage der Erwartung einer militärischen Intervention durch uns treffen", heißt es in einer Botschaft der US-Regierung an die FSA, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Die USA haben die FSA mit Waffenlieferungen im Wert von mehreren Millionen Dollar unterstützt und den Sold für Tausende Rebellen gezahlt. Die Hilfe lief über den Geheimdienst CIA. Präsident Donald Trump entschied im vergangenen Jahr, das Programm einzustellen.

Raketen zwischen Syrien und Israel

Die Provinz Deraa an der Grenze zu Jordanien ist eine der letzten Regionen, die nach sieben Jahren Bürgerkrieg noch von Aufständischen kontrolliert werden. Das Gebiet grenzt auch an die von Israel annektierten Golanhöhen und ist damit für Israel von strategischer Bedeutung. Der mit Syrien verfeindete Nachbar Israel befürchtet, iranische Truppen könnten bis an seine Grenze vorrücken, sollte die Regierung den Süden erobern. Der schiitische Iran unterstützt Assad. Israel hält seit 1967 einen Großteil der syrische Golanhöhen besetzt.

Die israelische Armee feuerte unterdessen nach eigenen Angaben eine Abwehrrakete des Typs Patriot auf eine Drohne ab. Das unbemannte Fluggerät habe sich von Syrien aus der Grenze genähert, teilte ein Armeesprecher in Tel Aviv mit. Als Ergebnis des israelischen Angriffs habe sich die Drohne wieder von der Grenze entfernt. Im Februar hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben eine aus Syrien kommende iranische Drohne in israelischem Luftraum abgeschossen. Die Luftwaffe hat außerdem in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele im benachbarten Syrien bombardiert. Die meisten Angriffe galten nach Einschätzung von Beobachtern iranischen Kämpfern und der libanesischen Hisbollah. Israel will verhindern, dass Teheran verbündete Truppen in Syrien weiter aufrüsten.

sam/kle (afp, dpa, rtr)

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