DJV ruft AfD zur Ordnung | Aktuell Deutschland | DW | 17.03.2016
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Aktuell Deutschland

DJV ruft AfD zur Ordnung

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die ZDF-Moderatorin Dunya Hayali vor Angriffen der AfD in Schutz genommen – und der Parteivorsitzenden Petry vorgeworfen, von eigenem Versagen ablenken zu wollen.

Dunya Hayali gehört zu den bekanntesten Köpfen des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF (Foto: dpa)

Dunya Hayali gehört zu den bekanntesten Köpfen des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF

"Dunya Hayali ist eine renommierte Journalistin, die zwischen ihrem persönlichen Engagement als Staatsbürgerin und ihrer journalistischen Tätigkeit zu differenzieren weiß", erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall. Die Vorsitzende der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" (AfD) Frauke Petry wolle nur von einem vergessenen Interviewtermin ablenken. "Ein Interview zu vergessen ist kein Verbrechen", sagte er. "Dazu sollte man stehen und nicht mit fadenscheinigen Ausreden den Medien widersprüchliche Versionen auftischen." Von der Vorsitzenden einer Partei, die mit zweistelligen Prozentzahlen Wahlen für sich entscheide, erwarte er einen fairen Umgang mit Journalisten.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry (Foto: Zumapress)

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry

Die AfD-Chefin hatte die Moderatorin des ZDF-"Morgenmagazins" scharf angegriffen. Sie warf Hayali auf Facebook vor, diese könne ihre journalistische Arbeit nicht von ihrer politischen Einstellung trennen und erscheine "zunehmend mehr als politische Aktivistin denn als professionell arbeitende Journalistin". Hintergrund des Streits sind zwei geplante Interviews mit Petry im "Morgenmagazin", die nicht zustande kamen.

Vergessen? Hackerangriff?

Ursprünglich sollte Petry am Montag im "Morgenmagazin" interviewt werden, erschien aber nicht. Sie erklärte danach, sie habe den Termin vergessen. Später erklärte die AfD, wegen eines Hackerangriffs habe die Geschäftsstelle nicht auf E-Mails zugreifen können, darum sei der Termin am Montag nicht an Petry weitergeleitet worden. Das ZDF erklärte dagegen, die Kommunikation sei ausschließlich über SMS und Telefon geführt worden. Auch am Dienstag klappte es nicht mit einem Gespräch. Dazu teilte das ZDF via Twitter mit, "terminliche Gründe" seien schuld.

Petry bezeichnete es als höchst ungewöhnlich, dass die Kommunikation zwischen der Redaktion und der AfD-Pressestelle veröffentlicht worden sei. Sie frage sich, warum Hayali und ihr Team über Online-Medien eine Skandalisierung anstrebten: "Liegt es daran, dass die Unterstützerin der Vereine 'Gesicht zeigen' und 'Respekt! Kein Platz für Rassismus' Schwierigkeiten damit hat, ihre journalistische Arbeit in einem aus Steuergeldern finanzierten Sender von ihrer politischen Einstellung zu trennen?" Petry erklärte weiter, sie überlege es sich als Mutter sehr genau, welche TV-Termine wichtiger als die familiären Verpflichtungen am Morgen seien. "Danke, dass Sie mir mit Ihrem Verhalten der letzten Tage diese Entscheidung nun so leicht machen." Im "Morgenmagazin" werde offenbar dringend frischer Wind gebraucht.

Zuvor hatte Hayali, die unter anderem von 1998 bis 2007 Sportreporterin bei der DW war, in sozialen Medien eine Erklärung zu Petrys Fernbleiben veröffentlicht.

Der Redaktionsleiter des "Morgenmagazins", Thomas Fuhrmann, erklärte, Petry versuche von eigenen Versäumnissen abzulenken. Fakt sei, dass die AfD-Vorsitzende nicht zu dem zugesagten Live-Interview am Montagmorgen erschienen sei. Hayali als politische Aktivistin zu bezeichnen, sei abwegig. Das "Morgenmagazin" werde Petry aber auch in Zukunft einladen, wann immer es einen journalistischen Anlass gebe.

Die 41-jährige Hayali war Anfang Februar mit dem Fernsehpreis "Goldene Kamera" für ihre Berichterstattung über die Flüchtlingskrise geehrt worden. Ihre mit Tränen in den Augen gehaltene Dankesrede sorgte für lange stehende Ovationen. Das Video von ihrem Auftritt verbreitete sich rasant im Internet, auch Justizminister Heiko Maas (SPD) gratulierte ihr via Twitter. "Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass?", fragte Hayali mit Blick auf "Lügenpresse"-Vorwürfe aus dem rechten Lager. "Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde. Streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin", appellierte sie. "Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt noch mal ein Rassist." Hayali hatte dabei "eigentlich nur eine Bitte": "Seien Sie offen, bleiben Sie fair, differenzieren Sie. Wahrheit braucht einfach Zeit."

stu/wl (dpa, epd)

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