Djokovic nach Sieg über Nadal im Finale | Sport | DW | 14.07.2018
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Halbfinale Männer

Djokovic nach Sieg über Nadal im Finale

Der Serbe Novak Djokovic besiegt Rafael Nadal und trifft im Finale von Wimbledon auf den Südafrikaner Kevin Anderson. Beide Halbfinals brechen Rekorde. Schon das erste Halbfinale prüft die Geduld der Zuschauer.

Mit einem Tag Verspätung ist Novak Djokovic als zweiter Finalist ins Endspiel von Wimbledon eingezogen. Der Serbe setzte sich mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 3:6 und 10:8 durch. Die Partie war am Freitagabend vor dem vierten Satz unterbrochen worden, weil auf der Tennis-Anlage an der Londoner Church Road nach 23 Uhr Ortszeit aus Rücksicht auf die Anwohner nicht weitergespielt werden darf. So musste das Match am Samstag vor dem Finale der Damen zwischen Angelique Kerber und Serena Williams fortgesetzt werden.

Nachdem beide Spieler in den ersten drei Sätzen am Freitag hochklassiges Tennis mit teilweise spektakulären Ballwechseln geboten hatten, ging es nach der Wiederaufnahme genauso spannend weiter. Gleich das erste Spiel wurde zum Nervenspiel: Djokovic hatte Breakchancen, doch Nadal wehrte sich erfolgreich und brachte seinen Aufschlag mit Willenskraft durch. Gleich danach nahm er dem Serben den Aufschlag ab und ging anschließend sogar mit 3:0 in Führung. Doch Djokovic kam vor den Augen der königlichen Hoheiten Catherine, Herzogin von Cambridge, und Meghan, Herzogin von Sussex, noch einmal zurück und schaffte den 3:3-Ausgleich. Danach übernahm Nadal wieder das Kommando und entschied den vierten Durchgang mit 6:3 für sich - Satzausgleich. 

 Herzogin von Sussex und Herzogin von Cambridge Tennis Wimbledon (picture-alliance/empics/S. Paston)

Sahen am Samstag hochklassiges Tennis: Englands Prinzessinnen Catherine (l.) und Meghan (r.)

Im fünften Satz agierte Djokovic, der nicht ganz so frisch wirkte wie sein Gegner, wieder konzentrierter und ging nach zwei starken Aufschlagspielen zunächst mit 2:1 in Führung. Auch Nadal zeigte keine Nerven: Das Spiel zum 2:2 gewann er zu null. Die Partie wurden jetzt vom jeweils aufschlagenden Spieler diktiert. Erst im siebten Spiel gab es die erste Breakchance für Djokovic, doch wieder bewies Nadal Nervenstärke und gewann das Spiel - 4:4. Gleich darauf wehrte auch der Serbe zwei Breakbälle ab und brachte seinen Aufschlag zum 5:4 durch. Auch die nächsten drei Spiele brachten keine Entscheidung, beim Stand von 6:6 ging es in die Verlängerung - und je länger es dauerte, umso besser wurde das Match. 

Beim Stand von 8:7 hatte Djokovic einen Matchball, doch wieder vermochte er es nicht, Nadal zu bezwingen, der wie gewohnt mit großer Laufstärke und wuchtigen, platzierten Schlägen dagegenhielt. Die Entscheidung fiel erst im 18. Spiel des fünften Satzes: Beim Stand von 9:8 für Djokovic und Aufschlag Nadal ging der Serbe mit 30:0 in Führung. Beim folgenden Ballwechsel trieb er Nadal über den Platz und hatte Glück, dass der Spanier bei einem Richtungswechsel ausrutschte und nicht mehr entscheidend an den nächsten Ball kam. Djokovic hatte drei Matchbälle und nutzte gleich den ersten, weil Nadal eine Vorhand cross ins Aus setzte. 

Es ist schwer Worte zu finden", sagte ein erschöpfter Novak Djokovic anschließend. "Es war eng. Viel hat uns nicht getrennt. Beide hatten ihre Chancen. Für solche Matches lebt und arbeitet man."

Anderson nach Marathon im Wimbledon-Finale

Grund für die Verzögerung des 52. Duells zwischen Djokovic und Nadal war das Marathon-Match im ersten Halbfinale am Freitag zwischen dem Südafrikaner Kevin Anderson und dem US-Amerikaner John Isner, das 6:36 Stunden lang gedauert hatte. Nach einem ungewöhnlich langen fünften Satz fiel die Entscheidung zu Gunsten von Anderson. Der Weltranglisten-Achte setzte sich mit 7:6 (8:6), 6:7 (5:7), 6:7 (9:11), 6:4, 26:24 durch und steht nach dem zweitlängsten Spiel der Turniergeschichte zum ersten Mal in seiner Karriere im Endspiel von Wimbledon.

Tennis Wimbledon 2018 Halbfinale John Isner - Kevin Anderson (Reuters/T. O'Brien)

Marathon-Mann Kevin Anderson steht erstmals im Finale von Wimbledon

Nachdem bereits die ersten vier Sätze sehr eng waren, wurde der fünfte und entscheidende Durchgang zum Nervenspiel. Beide Spieler gingen hochkonzentriert zur Sache und brachten immer wieder ihren Aufschlag durch. Besonders Isner schaffte es des Öfteren, 0:30-Rückstände zu drehen und seine Aufschlagspiele doch noch für sich zu entscheiden. Erst beim Stand von 24:24 gelang Anderson das erste Break. Im anschließenden Aufschlagspiel machte er das Match zu.

Anderson: "Es fühlt sich an wie ein Unentschieden"

Nach dem Match war Anderson, der mit Isner seit College-Zeiten eng befreundet ist, hin- und hergerissen: "Es war am Ende für beide schwer", sagte er, während Tränen in seinen Augen glitzerten. "Es fühlt sich an wie ein Unentschieden, aber einer musste gewinnen. John ist so ein toller Kerl. Ich fühle mit ihm und entschuldige mich bei ihm."

Für Anderson ist es das zweite Grand-Slam-Finale nach den US Open 2017. Im Viertelfinale hatte Anderson überraschend gegen Roger Federer gewonnen. Das bisher zweitlängste Spiel des Rasenturniers in London dauerte 5:31 Stunden. Der 33-jährige Isner hält nach seinem legendären Match von 2010 auch die Bestmarke für die längste Partie mit einer Spielzeit von 11:05 Stunden. Damals endete der fünfte Satz gegen den Franzosen Nicolas Mahut 70:68.

Tiebreak im fünften Satz?

Die beiden Halbfinals waren die längsten Halbfinal-Matches, die bei den Männern je in Wimbledon gespielt wurden. Die Diskussion über Sinn und Unsinn des in Wimbledon fehlenden Tiebreaks im fünften Satz werden durch sie nun wieder befeuert. Gleich nach seinem Sieg am Freitagabend sprach sich Anderson dafür aus, auch im fünften Satz einen Tiebreak zu spielen. Die aktuelle Regelung, im Entscheidungssatz so lange weiterzumachen, bis ein Tennisprofi zwei Spiele Vorsprung habe, sei nicht mehr zeitgemäß. "Ich sehe den Mehrwert dadurch nicht. Ich sehe keinen Grund dafür, nicht bei allen Grand Slams einen Tiebreak zu spielen", sagte der 32-Jährige, der völlig ausgepumpt war und sich nicht recht freuen konnte. "Solch langen Matches sind sehr ermüdend. Ich denke, es würde die Gesundheit der Spieler schützen." 

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