Diva mit großer Stimme: Milva ist 80 | Musik | DW | 17.07.2019
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Musik

Diva mit großer Stimme: Milva ist 80

Sie hat sich quer durch die Musik-Genres gesungen - vom Schlager über Chansons bis hin zu Brecht-Liedern. Besonders das deutsche Publikum feierte Milva dafür. Mit 80 Jahren ist sie immer noch eine Ikone.

Milva bei der Generalprobe für ihren Auftritt im Musikantenstadl 2012. (picture-alliance/dpa/B. Schackow)

Milva bei der Generalprobe für ihren Auftritt im "Musikantenstadl" 2012

Spätestens mit dem Lied "Freiheit in meiner Sprache" sang sich Milva 1979 in die Herzen des deutschen Publikums. In ihrer italienischen Heimat war sie da schon ein gefeierter Star. Dort hatte sie 1961 ihre erste Langspielplatte aufgenommen, nachdem sie zuvor beim renommierten Musik-Festival von San Remo den dritten Platz belegt hatte. Für die junge und damals noch unbekannte Künstlerin war der Auftritt in San Remo ein großer Erfolg und der Start einer glänzenden Karriere.

Aus Maria-Ilva wird Milva

Am 17. Juli 1939 wurde sie als Maria-Ilva Biolcati in Goro, einer italienischen Kleinstadt an der nördlichen Adriaküste geboren. Ihr Künstlername Milva leitet sich aus den Vornamen ab. Als junge Frau tingelte Milva zunächst unter dem Künstlernamen Sabrina durch Nachtlokale und entwickelte sich dank ihrer Ausstrahlung und außergewöhnlichen Stimme zur gefragten Schlagersängerin. 

Sängerin Milva (Foto: picture-alliance/United Archives)

Ihre Welt war die Bühne - Milva Anfang der 1980er

1965 holte sie der bekannte italienische Theaterregisseur Giorgio Strehler an sein "Piccolo Teatro" in Mailand. Milva erinnert sich an diese wichtige Station in ihrer Laufbahn noch sehr gut: "Giorgio Strehler machte mich mit dem Repertoire von Bertolt Brecht und Kurt Weill bekannt. Er gab mir den Anstoß dazu, ihre Lieder zu singen. Ich beschäftigte mich sehr intensiv mit den Stücken und sie begeisterten mich sehr",  sagte die Sängerin einmal. "Ich sang und interpretierte sie mit viel Gefühl. Ich liebe die Gedichte von Brecht, mag die Musik von Eisler und Weill. Ich spielte die 'Dreigroschenoper' in Italien und in Paris. Das Theater wurde zu meiner großen Leidenschaft, und ich habe sehr viel und sehr eng mit Giorgio Strehler zusammengearbeitet."

Für ihre herausragenden Interpretationen von Brecht- und Weill-Stücken verlieh ihr 2006 der damalige Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz.

Mit Brecht und Weill zu Weltruhm

In der Rolle der Seeräuber-Jenny aus Brechts berühmtem Bühnenwerk "Dreigroschenoper"  überzeugte Milva nicht nur das Publikum, sondern auch die Fachwelt. Ihre Brecht-Interpretationen machten die italienische Sängerin weltweit bekannt und verhalfen ihr zu einem glänzenden Renommee. Sie gab Konzerte an der Mailänder Scala, der Pariser Oper, in der Royal Albert Hall in London und an der Deutschen Oper in Berlin.

In den 60er und 70er Jahren sang Milva in politischen Chansons vom Arbeitermilieu und nahm die Partisanenhyme "Bella Ciao" in ihr Repertoire auf. Das brachte ihr den Spitznamen "die Rote" ein - als Anspielung auf ihr politisches Engagement und ihre leuchtende Haarpracht. 

Erfolgreich in Deutschland 

Besonders zum deutschen Publikum baute Milva eine enge und intensive Beziehung auf, veröffentlichte 1977 mit "Auf den Flügeln bunter Träume" ihre erste Langspielplatte mit deutschsprachiger Unterhaltungsmusik. Darunter Stücke von Friedrich Hollaender oder Peter Kreuder. Den großen Durchbruch schaffte sie 1978 mit der Langspielplatte "Von Tag zu Tag" und ein Jahr später mit dem Album "Was ich denke". Darauf präsentierte sie niveauvolle Lieder von Mikis Theodorakis oder Ennio Morricone.

Die deutschen Texte lieferte der vielbeschäftigte deutsche Autor Thomas Woitkewitsch, der für die italienische Sängerin zum Freund und engen Berater wurde. "Ich habe mit Thomas damals sehr lange und intensiv über die Auswahl der Lieder gesprochen, denn ich wollte mich mit den Stücken identifizieren können. Ich habe das auch danach immer so gehalten, denn es machte mir viel Freude mit den Autoren meiner Lieder zu sprechen und mit ihnen an meinen Stücken zu arbeiten", so Milva rückblickend. Sich selbst hat sie allerdings immer nur als Interpretin gesehen. Eigene Lieder hat sie nie geschrieben.

Karriere statt Privatleben

Milva arbeitete unermüdlich. 50 Jahre lang. Für ihr Familienleben hatte sie kaum Zeit. Das bekam auch ihre 1963 geborene Tochter Martina zu spüren, die oft auf ihre Mutter verzichten musste. Milva gab ein Konzert nach dem anderen, nahm 173 Alben in verschiedenen Sprachen auf, präsentierte sich auf vielen dieser Alben mit neuen Ideen und wartete mit überraschendem Repertoire auf.

Astor Piazzolla & Milva 1986 in Monaco. (Foto: picture-alliance/Bildarchiv)

"La Milva" mit Astor Piazzolla, dem Erfinder des Tango Nuevo, im Jahr 1986 in Monaco

Sie sang mit dem Erneuerer des argentinischen Tango, dem 1992 verstorbenen Astor Piazzolla, nahm französische Chansons auf und begann eine langanhaltende Zusammenarbeit mit ihrem Landsmann, dem innovativen Liedermacher Franco Battiato. Mit ihm nahm sie 1989 das Album "Una Storia Inventata", "Eine erfundene Geschichte", auf. 2010 veröffentlichte Milva ein weiteres Album mit Stücken ihres italienischen Kollegen Franco Battiato.

"Ich verliere mein Gedächtnis"

Im selben Jahr gab Milva ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt. "Ich habe mein Metier würdevoll und wohl auch gut gemacht", schrieb sie auf ihrer Internetseite. Sie habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil sie nicht mehr in der Lage sei, "ihn auf die beste Art und Weise auszuüben". "Ich verliere leider auch mein Gedächtnis", gab sie bei ihrem letzten Fernsehinterview im Jahr 2010 zu.

Hin und wieder absolvierte sie aber doch noch Auftritte auf der Konzertbühne oder vor der Fernsehkamera. Ihre vielen Fans in Deutschland machte sie zwei Jahre später mit einem Auftritt in der beliebten TV-Unterhaltungsshow "Musikantenstadl" glücklich.

Heute lebt die Sängerin mit der kraftvollen, erdigen Stimme zurückgezogen. Die Auszeichnung für ihr Lebenswerk, die ihr das Schlagerfestival von San Remo vergangenes Jahr verlieh, nahm ihre Tochter Martina für sie entgegen. 

In der Vielfalt der Aufnahmen, die es von Milva gibt, ist "La Rossa" jedoch bis heute Gegenwart.

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