Ditib bildet Imame nun auch in Deutschland aus | Aktuell Deutschland | DW | 09.01.2020
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Religion

Ditib bildet Imame nun auch in Deutschland aus

Der bundesweit größte Islam-Verband hat ein Ausbildungszentrum für Imame in der Eifel eröffnet. Bislang kam das Personal fast ausschließlich aus der Türkei - was für Kritik sorgte. Schafft der Schritt neues Vertrauen?

Ditib Moschee Mörfelden Ausbildung zum Imam Lesung aus Koran (Imago Images/M. Schüler)

Ein in der Ausbildung befindlicher Imam liest aus dem Koran (Archivbild)

Nach viel Kritik will die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) künftig einen Teil ihres Personals in Deutschland ausbilden, um die Zahl deutschsprachiger Imame, Prediger und Gemeindepädagogen zu erhöhen. Im Eifel-Ort Dahlem eröffnete die Spitze des Verbands offiziell ein neues Ausbildungszentrum. Damit fällt der Startschuss für ein Konzept, das die bundesweit größte Islam-Organisation bereits im vergangenen Sommer angekündigt hatte. Demnach sollen 70 Bachelor-Absolventen den Anfang machen und in gut zwei Jahren zu Religionsbeauftragten ausgebildet werden. Sie haben in Deutschland ihr Abitur gemacht und danach in der Türkei Islamische Theologie studiert. 

Mehr als 1000 Ditib-Imame in Deutschland im Einsatz

Die Islam-Verbände in Deutschland bilden anders als etwa die Kirchen in der Regel bislang kein eigenes religiöses Personal aus. Zwar werden auch an deutschen Universitäten seit einigen Jahren islamische Theologen ausgebildet. Es fehlt bisher allerdings der praktische Teil zur Vorbereitung auf die Arbeit in Gemeinden. Imame in deutschen Moschee-Gemeinden kommen daher vor allem aus dem Ausland.

Insbesondere der eng mit dem türkischen Staat verwobene Verband Ditib wurde in der Vergangenheit dafür kritisiert. Ditib wird vorgeworfen, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration der Türken in Deutschland zu behindern. Ditib-Imame sollen nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei unter anderem mutmaßliche Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland ausspioniert haben. Politiker in Bund und Ländern fordern von Ditib seit längerem eine strukturelle, finanzielle und politische Loslösung von der Türkei. 

DITIB-Zentralmoschee, Köln (picture-alliance/dpa/H. Ossinegr)

Die 2018 vom türkischen Präsidenten Erdogan eröffnete Ditib-Zentralmoschee in Köln

Inwieweit die nun gestartete Ausbildung eines Teils der Imame in Deutschland den Forderungen nach mehr Neutralität Rechnung trägt, ist allerdings fraglich. Denn diese stehen wie ihre aus der Türkei entsandten Amtsbrüder immer noch auf der Gehaltsliste der türkischen Religionsbehörde Diyanet. 

Auch andere Verbände bilden zunehmend in Deutschland aus

Das Bundesinnenministerium wertete Ditibs Pläne für eine eigene Imam-Ausbildung in Deutschland dennoch als "wichtigen Schritt". "Damit werden erste Voraussetzungen geschaffen, damit vermehrt Personal aus Deutschland in Ditib-Gemeinden eingestellt werden kann", sagte Staatssekretär Markus Kerber dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

Das Vorhaben der Ditib ergänze bereits existierende Ausbildungsanstrengungen anderer Verbände und ein gerade in Osnabrück gestartetes Modellvorhaben. Theologen der dortigen Universität, Vertreter anderer Islam-Verbände und Einzelpersonen hatten im November einen Trägerverein gegründet, dessen Ziel es ist, ein Kolleg für die Ausbildung muslimischer Geistlicher zu organisieren. Dieser Verein könnte auch finanzielle Förderung vom Bund erhalten. Die Ditib-Ausbildung wird dagegen nach Angaben des Ministeriums aus eigenen Verbandsmitteln finanziert. Nach den Spitzelvorwürfen gegen Ditib-Imame werden seit 2017 keine Ditib-Projekte mehr mit Bundesmitteln gefördert.

ie/pg (dpa, kna, epd)

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