Dirigent Michael Gielen gestorben | Aktuell Europa | DW | 08.03.2019
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Neue Musik

Dirigent Michael Gielen gestorben

Der deutsch-österreichische Dirigent und Komponist Michael Gielen ist im Alter von 91 Jahren gestorben. In der Nachkriegszeit trug er maßgeblich zur Verbreitung der Neuen Musik in Deutschland bei. 

Wie die Familie dem öffentlich-rechtlichen SWR mitgeteilt hat, ist Michael Gielen in seinem Haus in Mondsee in Österreich gestorben. Der Komponist und Dirigent leitete von 1986 bis 1999 das Sinfonieorchester des SWR. Er gehörte mit seinem umfangreichen Repertoire von Bach bis zur Moderne, von sinfonischer Literatur bis zur Oper, zu den wichtigen Dirigenten der Gegenwart. 

"Wir haben mit Michael Gielen einen der großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts verloren. Als Chefdirigent hat er das SWR-Sinfonieorchester in den 1980er Jahren zu noch größerer künstlerischer Größe geführt", würdigte SWR-Intendant Peter Boudgoust den Verstorbenen. 

Der Künstler musste sich bereits 2014 aus gesundheitlichen Gründen vom Dirigentenpult zurückziehen. Davor hatte der Spezialist für Neue Musik für Jahrzehnte die Etablierung der Avantgarde im Konzertbetrieb vorangetrieben und schon als 22-Jähriger mit der Aufführung des gesamten Klavierwerks von Arnold Schönberg für Aufsehen gesorgt. 

Sachbezogen und präzise

Gielen galt als sehr sachbezogener Dirigent, der das Werk stets in den Vordergrund stellte und dabei alle Elemente der Komposition präzise herausarbeitete. Seine Lebensleistung, vor allem auf dem Gebiet der Neuen Musik, blieb lange unterschätzt, weshalb seine Auszeichnung mit dem renommierten Ernst-von-Siemens-Musikpreis im Jahr 2010 auch als überfällig bezeichnet wurde.

Gielen (r.) 1965 während einer Probe im Kölner Opernhaus im Gespräch mit dem Komponisten Bernd Alois Zimmermann

Gielen (r.) 1965 während einer Probe im Kölner Opernhaus im Gespräch mit dem Komponisten Bernd Alois Zimmermann

Geboren wurde Michael Gielen am 20. Juli 1927 in Dresden. Seine aus Polen stammende Mutter Rose, Schauspielerin von Beruf, war die Schwester des Pianisten, Komponisten und Schönberg-Schülers Eduard Steuermann. Da sie Jüdin war, floh die Familie vor den Nazis nach Buenos Aires, wo Gielens Vater als Regisseur am Teatro Colón arbeitete. 

In Argentinien startete Gielen seine Dirigenten-Karriere als Autodidakt. 1950 begann er an der Wiener Staatsoper zu arbeiten. Es folgten Engagements als Chefdirigent der Königlichen Oper Stockholm, des Belgischen Nationalorchesters und der Niederländischen Oper. 1977 trat Gielen die Position des Chefdirigenten der Frankfurter Oper an, die er bis 1987 inne hatte. Parallel dazu war er einige Jahre Erster Gastdirigent des Londoner BBC Symphony Orchestras. 

stu/jj (dpa, Munzinger)

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