Die wahre Geschichte hinter ″How to sell drugs online (fast)″ | Kultur | DW | 03.08.2021
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Netflix-Dokumentation

Die wahre Geschichte hinter "How to sell drugs online (fast)"

Von seinem Elternhaus in Leipzig aus betrieb der Teenager Maximilian Schmidt im Alleingang ein profitables Drogengeschäft. Netflix zeigt die wahre Geschichte.

Maximilian Schmidt in einer Szene aus 'Shiny Flakes: The Teenage Drug Lord'

Maximilian Schmidt in einer Szene aus "Shiny Flakes: The Teenage Drug Lord": Die Doku erzählt die wahre Geschichte, die als Inspiration für die erfolgreiche deutsche Netflix-Serie "How To Sell Drugs Online (Fast)" diente

Teenager, die online mit Drogen handeln – davon erzählt die Netflix- Erfolgsserie "How to Sell Drugs Online (Fast)", deren dritte Staffel erst vergangene Woche online ging. Inspiriert wurden die Macher der preisgekrönten Serie von einer wahren Geschichte: Dem Fall eines jungen Deutschen aus Leipzig namens Maximilian Schmidt, der aus seinem Kinderzimmer heraus ein hocheffizientes und lukratives Drogenimperium betrieb, in kürzester Zeit und ganz allein, bevor die Polizei ihn schnappte.

Über den Aufstieg und Fall des Maximilian Schmidt läuft seit Dienstag auf Netflix der Dokumentarfilm "Shiny_Flakes: The Teenage Drug Lord". Im Film wird gezeigt wie Schmidt 2013, im Alter von 18 Jahren, im großen Stil seinen "Shiny Flakes" genannten Drogen-Onlinehandel aufzog. Ganz am Anfang hatte er "großen Respekt, vielleicht ist es wie im Film, du machst hier was und, bäm, die Polizei kommt", meint Schmidt. Das sollte aber noch über ein Jahr dauern.

Drogenhandel dominiert das Darknet

Einer der größten Drogenfunde überhaupt in Deutschland

Die deutsche Regisseurin Eva Müller begleitete Schmidt mehrere Jahre lang. Ihr Team baute in mühevoller Kleinarbeit in einer Lagerhalle sein Kinderzimmer nach — sein Büro und Warenlager — bis hin zur Bettwäsche. Es sollte originalgetreu sein. Sie ließ ihn für die Kameras Szenen nachspielen, Drogendeals nachahmen und kleine rosa Pillen, die im Film Bonbons waren, in Tütchen verpacken. Sie sprach mit Schmidt, interviewte seinen damaligen Strafverteidiger, den Direktor der JVA Leipzig, den Oberstaatsanwalt und einen psychologischen Sachverständigen. "Ich glaube, uns ist es gelungen, mit diesem Film ein Online-Verbrechen, spannend, unterhaltsam und aufklärend zugleich zu zeigen, ein Verbrechen, das sehr schwer zu visualisieren ist", sagt Eva Müller gegenüber der DW. "Wie wird ein Jugendlicher, der vorher nie kriminell aufgefallen war, in seinem Zimmer am Computer kriminell? Das ist die spannende Frage, der der Film nachgeht", so die Regisseurin.

"Wie krass ist das denn?"

Über ein Jahr lang verkaufte er laut Medienberichten mehr als 900 Kilogramm Haschisch, Kokain, Ecstasy, LSD und verschreibungspflichtige Tabletten im Wert von etwa vier Millionen Euro. Er verschickte die Drogen per Post in die ganze Welt, letztlich waren Postboten seine ahnungslosen Kuriere. Es war ein hochprofessionelles Geschäft, und es lief bombig. Gezahlt wurde im Voraus, die Bestellungen wurden bearbeitet und verschickt, "nur dass es sich nicht um Schuhe, sondern um Drogen handelte", sagt Schmidt. Es sei eine Art Amazon für fast alle Drogen gewesen, bemerkt sein damaliger Strafverteidiger Stefan Costabel im Film.

Dem Angeklagten Maximilian S. (l.) werden die Handschellen von zwei Justizbeamten am 25.08.2015 in Leipzig (Sachsen) zum Prozessbeginn in den Gerichtssaal des Landgerichts Leipzig in Leipzig (Sachsen) abgenommen.

Ein Bild aus dem Jahr 2015, als Maximilian Schmidt noch vor Gericht stand. Er wurde zu sieben Jahren Jugendstrafvollzug verurteilt

Kein schlechtes Gewissen

Schmidt hatte sogar Kundenbewertungen, eine liest er im Film vor: ""1A+++ Zeug, mir sind gleich 2 Zähne rausgefallen, das Zeug f*** euch richtig weg"" und fügt grinsend hinzu, der Kunde schien "zufrieden gewesen zu sein".

In einer Szene fragt ihn Eva Müller aus dem Off, ob er nie ein schlechtes Gewissen gehabt habe. Das schien ihn nie zu plagen: Wenn die Leute nicht bei ihm kauften, würden sie ihre Drogen woanders besorgen, sagt er. Seinen Shop fanden Kunden offenbar einfach über eine Google-Suche. "Der Psychologe, der damals das Gutachten im Prozess geschrieben hat, sagte über Maximilian Schmidt, er habe weder Reue noch Schuld gezeigt, stattdessen Stolz", erinnert sich die Regisseurin Eva Müller. "Maximilian Schmidt erzählt sehr gerne seine Geschichte, sonst hätte er dem Film wohl auch am Ende nicht zugestimmt. Umso wichtiger war es für uns, der Seite der Ermittler, Gutachter und Staatsanwälte genug Zeit für die Gegenargumente zu geben", so Eva Müller.

2015 dann nahm die Polizei den damals 20-Jährigen in der Wohnung der Familie Schmidt in Leipzig fest. Aufgeflogen war er nachdem etliche falsch adressierte Drogenpakete Ermittler zu seiner Paketstation führten. Daraufhin wurden in seinem Kinderzimmer 320 Kilo Drogen im Wert von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt. Schmidt wurde zu sieben Jahren Jugendstrafvollzug verurteilt. Vier Jahre später, im Jahr 2019, wurde der junge Mann vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. Er schuldet dem Staat drei Millionen Euro.

Ende Juli berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) von erneuten Ermittlungen gegen Maximilian Schmidt. Er soll diesmal nicht im Alleingang, sondern mit anderen versucht haben, einen Drogen-Onlineshop aufzubauen.

Die Dokumentation "Shiny_Flakes: The Teenage Drug Lord" ist seit dem 03.08.2021 bei Netflix zu sehen.

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