Die Unworte des Jahres seit 1991 | Aktuell Deutschland | DW | 15.01.2019
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Unwort des Jahres

Die Unworte des Jahres seit 1991

Seit 1991 gibt es das Unwort des Jahres. Viele waren hoch umstritten. Welche kennen Sie noch?

Das Unwort des Jahres 2018 lautet "Anti-Abschiebe-Industrie". Der Ausdruck unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit Geld verdienen zu wollen, begründete die Jury ihre Wahl. Der Ausdruck wurde im Mai 2018 durch den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, in die Diskussion eingeführt.

Im Jahr 2017 lautete das Unwort Alternative Fakten. Dabei handele es sich um einen "verschleiernden und irreführenden Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", hieß es in der Begründung. US-Präsident Donald Trump ließ bei dieser Wahl grüßen.

2016 wurde Volksverräter zum Unwort gekürt. Der Begriff sei "ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten", begründete die Jury die Wahl. Als Vorwurf gegenüber Politikern sei das Wort "in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt".

Für 2015 entschied sich die Jury für Gutmensch als "Unwort des Jahres". Die Begründung: Vor allem in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere das Wort "Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd".

2014 - Lügenpresse: Die Tatsache, dass die sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks etwa während des Nationalsozialismus einem Großteil derjenigen, die ihn skandieren, nicht bewusst sein dürfte, mache ihn "zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen", hieß es zur Begründung.

2013 - Sozialtourismus: Damit werde "von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht“, begründete die Jury.

2012 - Opfer-Abo: Der Meteorologe Jörg Kachelmann hatte nach seinem Freispruch in einem Vergewaltigungs-Prozess die Ansicht geäußert, dass Frauen in der Gesellschaft ein "Opfer-Abo" hätten. Die Jury kritisierte den Begriff dafür, dass er Frauen "pauschal und in inakzeptabler Weise" unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täter zu sein.

2011 - Döner-Morde: Der Ausdruck stehe dafür, dass die politische Dimension der NSU-Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht würden die Opfer der Morde in höchstem Maße diskriminiert.

2010 - alternativlos: Das Wort bezieht sich auf eine Äußerung von Kanzlerin Angela Merkel. Nach Asicht der Jury suggeriert es unangemessen, "dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation" gebe. Behauptungen dieser Art drohten, die Politikverdrossenheit zu verstärken.

2009 - betriebsratsverseucht: Betriebsräte als Seuche zu bezeichnen, sei "ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen", fand die Jury.

2008 - notleidende Banken: Der Begriff stellt nach Ansicht der Jury das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf. Während viele Volkswirtschaften in Bedrängnis geraten seien und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssten, würden die Banken, durch deren Finanzpolitik die Krise verursacht worden sei, zu Opfern stilisiert.

2007 - Herdprämie: Das Wort als Synonym für ein Betreuungsgeld für Familien, die ihre Kinder ohne Inanspruchnahme öffentlicher Angebote wie etwa Kindertagesstätten zu Hause betreuen, sei abwertend.

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