Die neue Sorge vor der ″Biobombe″ | Aktuell Deutschland | DW | 21.06.2018
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Terrorismus

Die neue Sorge vor der "Biobombe"

Die Sicherheitsbehörden warnen: Wir müssen uns auf eine neue Bedrohung durch biologische Kampfstoffe einstellen. Islamistisch-terroristische Anschläge auch mit giftigen Substanzen sind in Deutschland jederzeit möglich.

Nach der Festnahme des Biobomben-Bauers in Köln hat Generalbundesanwalt Peter Frank vor Anschlägen mit biologischen Kampfstoffen gewarnt: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass terroristische Straftaten immer nach dem gleichen Muster erfolgen."

Sicherheitsbehörden beobachteten schon seit einiger Zeit, dass Anschläge auf unterschiedliche Arten und Weisen begangen werden könnten, sagte Frank in einem Interview mit den ARD-Tagesthemen. Terroristen seien "insoweit sehr kreativ und versuchen asymetrisch alle möglichen Szenarien auszutesten". Dazu gehöre auch eine Bedrohung mit biologischen Kampfstoffen. "Darauf müssen wir uns einstellen und ich denke, dass sich die Sicherheitsbehörden darauf auch eingestellt haben."

Der IS hatte schon mit Rizin experimentiert

Das Bundeskriminalamt hatte vergangene Woche in Köln den Tunesier Sief Allah H. festgenommen, der hochgiftiges Rizin für einen biologischen Sprengsatz hergestellt haben soll. Außerdem sieht die Bundesanwaltschaft einen "Anfangsverdacht für die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat". Dass der Verdächtige auch Kontakt zu Personen aus dem "radikal-islamistischen Spektrum" hatte, wie neue Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft ergeben haben, macht den Fall noch brisanter.

Deutschland | Durchsuchung nach Fund von Rizin in Köln (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Spezialisten in Schutzanzügen durchsuchen die Kölner Wohnung von Sief Allah H.

Der Verfassungsschutz zeigt sich alarmiert. Die Extremistenmiliz IS habe bereits mit Rizin experimentiert und das Supergift auch hergestellt, heißt es aus dem Inlandsgeheimdienst. Der IS biete in einem Handbuch eine detaillierte Anleitung zur Herstellung des Stoffes und werbe damit für den Einsatz des gefährlichen Giftes, das schon in kleinsten Mengen töten kann.

Ein Sprengsatz mit 250 Metallkugeln?

Bei dem 29-jährigen Islamisten Sief Allah H. wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft 3150 Rizinussamen und 84,3 Milligramm Rizin gefunden. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte für einen konkret geplanten Anschlag, teilte die Karlsruher Behörde mit. Allerdings liege es nahe, dass er die Herstellung eines Sprengsatzes erwogen habe. "Wie weit er mit der Umsetzung seines Vorhabens gekommen ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen." So fanden die Ermittler auch eine Mischung aus Aluminiumpulver und pyrotechnischen Substanzen sowie Drähte, Nagellackentferner und 250 Metallkugeln.

Die Bundesanwaltschaft glaubt nicht, dass Sief Allah H. einer terroristischen Vereinigung angehörte. Er habe allerdings 2017 zweimal versucht, ins IS-Gebiet auszureisen. Generalbundesanwalt Peter Frank sagte im SWR: "Er war im islamistischen Spektrum tief verankert und stand mit Personen aus diesem Spektrum in Kontakt." Dem Mann wird ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

rb/ie (afp, dpa, rtr, tagesthemen.de)

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