Die NATO und der Krieg der Sterne | Aktuell Welt | DW | 19.11.2019
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Verteidigung

Die NATO und der Krieg der Sterne

"Es ist wichtig, dass wir auch im Weltraum wachsam sind", verkündete NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bereits im Juni. Nun soll das All ganz offiziell zu einem eigenständigen Operationsgebiet werden.

Für Militärs, egal aus welchem Land, spielt der Weltraum längst eine wichtige Rolle: Ohne Satelliten funktioniert kaum noch etwas, wenn es um Luftaufklärung, Kommunikation und Positionsbestimmung geht. Gerade deshalb drohen aber auch Angriffe, Experten sprechen von einer offenen Flanke. Die NATO will diese jetzt schließen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wappnet sich das Verteidigungsbündnis für Kriege im Weltraum.

Demnach haben die 29 Bündnisstaaten beschlossen, das All zu einem eigenständigen Operationsgebiet zu erklären. Die Entscheidung soll an diesem Mittwoch bei einem Außenministertreffen offiziell bekannt gegeben werden. Konkret könnte der Beschluss der NATO bedeuten, dass mögliche Angriffe aus dem Weltraum künftig als Bündnisfall behandelt werden - also so, wie bislang Angriffe am Boden, auf See, im Luft- oder Cyberraum.

Das Bündnis soll zudem zu einem Schlüsselforum für den Austausch von Fähigkeiten und Informationen werden - ohne dabei allerdings selbst den Einsatz von Weltraumwaffen zu unterstützen oder diese sogar zu entwickeln.

Jens Stoltenberg (picture-alliance/AP Photo/F. Seco)

NATO-Generalsekretär Stoltenberg: "Von entscheidender Bedeutung"

"Die NATO hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg kurz bevor der Weltraum-Beschluss in Brüssel fiel. Das All sei für Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navigation von entscheidender Bedeutung.

Kein Science-Fiction-Szenario

Denn auch die NATO ist immer stärker von der Technik im All abhängig. Ein Angriff auf ihre Satelliten könnte die Verteidigungsfähigkeit der NATO-Staaten erheblich einschränken. Möglich wäre dies beispielsweise mit Lasern oder sogenannten Spreng-Satelliten. Diese Art Krieg der Sterne ist inzwischen alles andere als Science Fiction.

Hinzu kommt, dass Angriffe auf Satelliten im Fall eines Krieges genutzt werden könnten, um Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen. So könnten zum Beispiel die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und Navigationssysteme für den Straßen-, See- und Luftverkehr schwer beeinträchtigt werden.

GPS-Satellit in der Erdumlaufbahn (Imago Images/United Archives International)

Satellit für GPS-Navigationssystem (Illustration): Eine offene Flanke

Neben dem NATO-Mitglied USA haben zuletzt vor allem Staaten wie Russland, China und Indien ihre Fähigkeiten im Weltraum erheblich ausgebaut. Zudem werden zunehmend Möglichkeiten erprobt, Satelliten zum Beispiel durch Laser oder Cyberattacken auszuschalten. Indien setzte erst im Frühjahr eine Anti-Satelliten-Rakete zu Testzwecken ein.

Die selbstgemachte Gefahr

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer kritisierte Indiens Test damals scharf. "Einen Satelliten abzuschießen, um zu beweisen, dass man eine Weltraummacht ist, zeigt nur, dass man es nicht ist." Keine verantwortungsvolle Weltraummacht würde freiwillig zur Entstehung von Weltraumschrott beitragen. Doch der entsteht zwangsläufig bei solchen Schlachten im All.

Deshalb wird in der NATO - neben der Bedrohung durch Weltraumwaffen feindlicher Mächte - auch Weltraumschrott als Gefahr gesehen: Derzeit umkreisten rund 2000 Satelliten die Erde - rund die Hälfte davon werde von NATO-Staaten betrieben.

Aufrufe, die Militarisierung des Weltraumes zu stoppen, stoßen allerdings selbst in Reihen der NATO auf taube Ohren. So hatte US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr die Bildung des "United States Space Command" angeordnet. Ziel ist es, bis Ende 2020 eine "United States Space Force" als sechste US-Teilstreitkraft zu gründen.

AR/haz (dpa)

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