Die kurzen Leben der Separatistenführer im Donbass | Europa | DW | 31.08.2018
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Krieg in der Ukraine

Die kurzen Leben der Separatistenführer im Donbass

Getötet, entmachtet oder an Krankheiten gestorben: Nur wenige Separatistenführer in der Ostukraine bleiben lange aktiv. Viele sind gar nicht mehr am Leben. Alexander Sachartschenko kam jetzt durch eine Bombe ums Leben.

Bei einem Bombenanschlag ist der Separatistenführer Alexander Sachartschenko getötet worden. Sachartschenko hatte sich im November 2014 durch Pseudowahlen zum Oberhaupt des Separatistenstaates küren lassen. Seitdem nannte er sich "Präsident" und "Ministerpräsident" in einem. Die Liste der toten oder entmachteten Separatistenführer wird mit seiner Ermordung immer länger.

Kaum einer erinnert sich heute noch an Wladimir Makowitsch. Vor mehr als vier Jahren hatte er seine Sternstunde. Als im April 2014 prorussische Separatisten mit militärischer Unterstützung des Kreml im ostukrainischen Donezk ihre "Volksrepublik" ausgerufen hatten, verlas er in der besetzten Gebietsverwaltung die "Unabhängigkeitserklärung". Der bis dahin unbekannte Makowitsch stieg zum stellvertretenden Vorsitzenden des "Obersten Rates" auf. Schon ein halbes Jahr später verschwand er. Sein Name tauchte in den Medien erst wieder auf, als Makowitsch im März 2017 starb - angeblich an einem Hirntumor.

Tod aus dem Hinterhalt 

Viele Separatistenführer kamen gewaltsam ums Leben, fast ein Dutzend sind es inzwischen. Dazu gehört Michail Tolstych, Spitzname "Giwi". Sein Quartier bei Donezk wurde im Februar 2017 mit einem Flammenwerfer beschossen. Einige Monate zuvor wurde Arsen Pawlow, genannt "Motorola", in einem Aufzug in die Luft gejagt. Er war einer der bekanntesten Russen in den Reihen der Separatisten und kämpfte von Anfang an in der Ostukraine. Beide Kommandeure wurden im staatlich gelenkten russischen Fernsehen zu Kriegshelden stilisiert.

Herzversagen mit 46 Jahren

Manche prominente Separatisten starben auch plötzlich an Krankheiten, wie etwa Walerij Bolotow. Der erste Anführer der an Donezk angrenzenden "Luhansker Volksrepublik" soll im Januar 2017 mit nur 46 Jahren in einer Wohnung in Moskau an Herzversagen gestorben sein. Manche Medien hingegen berichteten über den Verdacht einer Vergiftung.

Ostukraine Krise Rücktritt Bolotow Archivbild 18.06.2014 (Reuters)

Gift - oder doch das Herz? Walerij Bolotov starb mit 46

Gennadij Zypkalow war mit 43 Jahren noch jünger als Bolotow, als er im Herbst 2016 in der Luhansker Untersuchungshaft angeblich Selbstmord begangen haben soll. Die Separatisten warfen ihm Vorbereitung eines Staatsstreichs vor. Auch in diesem Fall wurde über Mord spekuliert. Zypkalow war Bolotows Stellvertreter und "Ministerpräsident" in Luhansk.

Spekulationen über Tötungsaktionen

Ob es sich bei den zahlreichen Todesfällen um gezielte Aktionen handelte, ist bis heute schwer zu beurteilen. In den genannten Fällen war immer spekuliert worden, es könnte sich um gezielte Aktionen des russischen Geheimdienstes handeln, weil der Betroffene in Ungnade gefallen sei, ein Mitwisser beseitigt oder schlicht die politische Kontrolle zurückgewonnen werden sollte. Zugleich war stets auch über eine Beteiligung des ukrainischen Geheimdienstes an den Anschlägen gemutmaßt worden. Aber auch Machtkämpfe in den Reihen der Separatisten könnten eine Rolle gespielt haben: Gerangel um Führungspositionen und Konflikte um lukrative kriminelle Geschäfte mit den enteigneten Unternehmen oder auf dem Schwarzmarkt im Kriegsgebiet.

Ukraine Donezk Arseni Pawlow Rebellenführer (picture-alliance/AP Photo/D. Lovetsky)

Sie nannten ihn "Motorola": Arsen Pawlow starb in einem Aufzug

Auch im aktuellen Fall Sachartschenko schieben sich Kiew und Moskau wieder gegenseitig die Verantwortung zu. Die Wahrheit wird vielleicht nie herauskommen. Fakt aber ist, dass seit 2014 viele Anführer der Separatisten in einem Hinterhalt getötet wurden oder auf andere Weise ums Leben kamen. Und Fakt ist auch, dass jeder neue Anschlag das Potential für eine neuerliche Verschärfung des Krieges in der Ostukraine hat.

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