Die Königin des Liebesromans ist tot: Rosamunde Pilcher stirbt mit 94 Jahren | Kultur | DW | 07.02.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nachruf

Die Königin des Liebesromans ist tot: Rosamunde Pilcher stirbt mit 94 Jahren

Mit 18 veröffentlichte die britische Autorin ihre erste Kurzgeschichte, den Durchbruch feierte sie erst mit Mitte 60. Im Alter von 94 Jahren ist Rosamunde Pilcher an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Lesen solle wie Urlaub sein, lautete Rosamunde Pilchers Credo. Ihre Geschichten siedelte sie im pittoresken Cornwall an, mit seinen Steilküsten, verträumten Fischerdörfchen und imposanten Herrenhäusern. Mehr als 60 Millionen Bücher hat Rosamunde Pilcher bis heute verkauft. Vor allem das weibliche Publikum verschlang ihre romantisch-kitschigen Geschichten rund um Jugendlieben und dunkle Familiengeheimnisse, Happy End inklusive.

Vom Außenministerium an den Küchentisch

Nirgends war Rosamunde Pilcher so bekannt wie in Deutschland. Der Fernsehsender ZDF verfilmte mehr als 100 ihrer Romane und lockte damit nicht nur Millionen Zuschauer vor den Bildschirm, sondern auch Touristen nach Cornwall.

Am 22. September 1924 kam Pilcher in Lelant, in der südenglischen Grafschaft Cornwall, als Tochter eines Marineoffiziers zur Welt. Nach der Schule meldete sie sich 1942 zum Kriegsdienst, arbeitete als Sekretärin im Außenministerium und später beim Women's Royal Naval Service in Sri Lanka und Indien.

Zurück in der Heimat, lernte sie den Textilunternehmer Graham Pilcher kennen, heiratete ihn 1946 und folgte ihm ins schottische Dundee. Dort entstanden ihre Geschichten am Küchentisch. "Ich habe mir nie vorstellen können, dass das ein Erfolg werden würde", sagte sie anlässlich ihres 90. Geburtstags. Sie habe die Kurzgeschichten einfach geschrieben, weil sie es geliebt habe.

Großbritannien Cornwall St. Agnes (DW/Susan Bonney-Cox)

Perfekte Kulisse für dramatische Liebesgeschichten: Cornwalls Steilküsten

Späte Lorbeeren

Unter dem Pseudonym Jane Fraser veröffentlichte sie ihre Texte in Frauenmagazinen. Der Verlag Mills and Boon brachte einige als Roman heraus. Der große Erfolg stellte sich aber erst mit dem Buch "Die Muschelsucher" ein. Da war Rosamunde Pilcher schon Mitte 60.

Die steile Karriere zur millionenschweren Erfolgsautorin ist fast so schwer zu glauben wie manche der rührseligen Liebesgeschichten, die aus ihrer Feder flossen. Die Eiserne Lady Margaret Thatcher gehörte zu ihren Fans und die Queen lud sie zur Gartenparty in den Buckingham Palace ein. Fragte man sie nach dem Geheimnis ihres Erfolgs, antwortete die Autorin gern lächelnd: "Ich schreibe leichte Lektüre für intelligente Damen."

Keine Langeweile

2012 verkündete die Schriftstellerin ihren Rückzug aus dem Literaturgeschäft. Sie wolle nicht als tatterige Autorin enden, die den Zeitgeist nicht mehr verstehe, erklärte sie damals. Langweilig sei ihr aber nie, erzählte sie britischen Medien: "Es fällt mir leicht, die Tage zu füllen. Ich habe einen Haushalt zu führen, Hunde, mit denen ich rausgehen muss, einen großen Garten und eine Familie, die ich besuche oder die mich besuchen kommt."

Rosamunde Pilcher starb in der Nacht zum 7. Februar 2019 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Die Redaktion empfiehlt