Die Hochfinanz und Hertha BSC | Sport | DW | 28.06.2019
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Wer ist der neue Investor?

Die Hochfinanz und Hertha BSC

125 Millionen Euro – das lässt selbst im verwöhnten Bundesligazirkus aufhorchen. Hertha BSC hat mit Lars Windhorst einen der größten Deals der Ligageschichte eingefädelt. Der Investor wirft allerdings auch Fragen auf.

Könnte man einen Blick auf die Wunschliste von Hertha BSC werfen, dürfte sich wohl folgendes finden: Eine Achse von Top-Spielern auf dem Feld und wenn möglich noch eine neues, eigenes Stadion. Etwas davon ist jetzt möglich, der Klub freut sich über einen warmen Geldregen und will die Summe größtenteils  in den Erwerb von Spielern stecken. Der neue Coach Ante Covic soll mit seinem Team näher an die deutschen Top-Klubs und das internationale Geschäft heranrücken. Ob das gelingt, steht in den Sternen. Die wohl weitaus interessanteren Fragen sind, wo das Geld herkommt und welches Ziel Windhorst verfolgt?

Windhorst: Zwischen Wunderkind und Windbeutel

Investor Lars Windhorst mit Kanzler Kohl (picture-alliance/dpa/T. Brakemeier)

Mit 19 in Vietnam: Windhorst und Kanzler Kohl

"Hertha BSC ist eines der attraktivsten Investments, die man in diesem Segment in Europa machen kann", sagte er voller Überzeugung dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Dass er in der Vergangenheit nicht immer das beste Händchen mit seinen Deals hatte, ist aber ebenso bekannt. Windhorst zählt seit den 1990er Jahren zu den schillerndsten Figuren in der deutschen Wirtschaft.  Als Teenager gründete er sein erstes Unternehmen. Der damalige Bundeskanzler Kohl zeigte sich gerne mit dem Jungunternehmer und nahm ihn als Teil seiner Wirtschaftsdelegation mit auf Regierungsreisen. Nach der Jahrtausendwende und dem Platzen der Dotcom-Blase rutschte Windhorsts mit seinen Unternehmen allerdings in die Pleite.

Investor Lars Windhorst 2009 vor Gericht (Getty Images/S. Gallup)

Bewährungsstrafe wegen Untreue: Windhorst vor Gericht

Es folgte ein Wiederaufstieg - und die nächste Pleite. 2007 stürzt er dann noch mit einem Flugzeug ab und überlebt knapp. 2009 wurde Windhorst in Berlin wegen Untreue zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer saftigen Geldstrafe verurteilt. 2017 stand er mit seiner Unternehmensgruppe erneut vor dem Aus: Es habe einen "großen finanziellen Engpass" gegeben, erklärte er der "Wirtschaftswoche", der aber von ihm überwunden wurde.

Wieder gelang es ihm neues Kapital von reichen Privatanlegern einzusammeln, die bereit sind, in seine Geschäfte zu investieren. Windhorst gilt als begnadeter Verkäufer. Wie umstritten er und sein Treiben nach wie vor selbst in Fachkreisen sind, zeigt ein aktuelles Beispiel. Innerhalb weniger Tage zogen Anleger fünf Milliarden Euro aus dem Investmentfond "H2O Allegro" ab, nachdem öffentlich wurde, dass dieser im großen Stil mit Anleihen aus dem Windhorst-Umfeld eingestiegen war. Das Analyseagentur Morningstar hatte "Schwächen in der Risikokontrolle" angemahnt.  

Kein sportliches Mitspracherecht?

Angesichts dessen wirken die 125 Millionen Euro für 37,5 Prozent der Anteile an Hertha BSC vergleichsweise überschaubar und risikoarm. Der Klub sichert Windhorsts Beteiligungsgesellschaft Tennor zudem zu, in einem zweiten Schritt in der kommenden Saison weitere 12,4 Prozent der Anteile für rund 100 Millionen Euro kaufen zu können. Zwei Sitze im Aufsichtsrat wird Tennor im Gegenzug bekommen. Darüber dürften viele Hertha-Fans die Nase rümpfen. Der Klub versichert aber, ein sportliches Mitspracherecht sei bei der auf unbegrenzte Zeit angelegten Partnerschaft nicht geplant.

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