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Die Gesundheits-Überwacher

Kay-Alexander Scholz, Berlin9. Februar 2016

Sie messen den Puls und erinnern an die nächste Untersuchung - Fitness und Gesundheits-Apps für das Handy oder das Tablet. Die digitalen Helfer sind weit verbreitet. Doch sind sie wirklich Segen oder doch eher Fluch?

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Smartphone mit Fitness App (Foto: Picture Alliance)
Bild: picture alliance/F. Duenzl

Eine gute Nachricht zuerst: Der Gesetzgeber habe alles getan, um den Verbraucher "datensouverän" zu machen, sagte Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des IT-Verbandes Bitkom. Dafür stünden das deutsche IT-Sicherheitsgesetz und die Europäische Datenschutzgrundverordnung, die, gerade von der EU auf den Weg gebracht, bis spätestens 2018 national umgesetzt werden müsse. Was kompliziert klingt, meint dass der Verbraucher theoretisch Herr über seine Daten ist, die Smartphones und andere Computer so einsammeln. Aber praktisch brauche es dafür noch viel Aufklärungsarbeit, fügte Rohleder hinzu und schaut dabei Heiko Maas an, den Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister.

Maas als Vertreter der Politik und Rohleder als Repräsentant der Wirtschaft eröffneten am Dienstag den "Internet Safer Day" in Berlin, der sich in diesem Jahr mit sogenannten Wearables und Gesundheits-Apps beschäftigt.

Schlaue Tabletten

Beeindruckend sei die Verbreitung dieser neuen Anwendungen, so Rohleder. Erst seit zwei, drei Jahren auf dem Markt nutze nun schon jeder Dritte einen Fitness-Tracker - entweder ein Armband, eine Smartwatch oder ein Smartphone mit Fitness-App. Das ergab eine repräsentative Telefon-Umfrage der Bitkom unter 1236 Bürgern.

Gemessen würden damit vor allem Vitalparameter wie Blutdruck, Blutzucker oder Körpertemperatur. Schrittmesser sind der Studie zufolge ähnlich beliebt. Drei Gruppen gehörten zu den Hauptanwendern - zum einen Sportler, so wie Triathlet Maas, der sich dazu bekannte, eben solche Apps zu nutzen. Sowie Übergewichtige und chronisch Kranke, betonte Rohleder und nannte eine, für diesen neuen Markt interessante Zahl: 62 Prozent der über 65-Jährigen gehörten zu den sogenannten multimorbiden Menschen - also Menschen mit mehr als drei Krankheiten. In Deutschland seien das 11,2 Millionen Menschen. Für diesen Teil der Bevölkerung würden in der Zukunft viele neue Anwendungen auf den Markt kommen. Wie zum Beispiel Tabletten, die dem Smartphone melden, dass man sie genommen hat, sagte Rohleder - ohne das allerdings näher auszuführen.

Kommt die Gesundheitsdiktatur?

Doch die schöne neue Welt könnte auch zum Albtraum werden. Wenn Krankenkassen Zugriff auf die Daten bekämen, könnten sie ihre Tarife von diesen abhängig machen oder dem Bürger einen bestimmten Lebensstil vorschreiben wollen. In den USA ist der Zugriff auf solche Daten bereits möglich.

Der Justizminister scheint die Gefahr im Blick zu haben. Er lehne eine Kopplung von Krankenkassen-Tarifen an den Einsatz von Fitness-Trackern ab, sagte Maas. Und er kündigte an, die Entwicklung genau beobachten zu wollen. Viel Zeit wird er dafür wohl nicht mehr haben. Denn in Deutschland bieten bereits erste Kassen Vergünstigungen an, wenn man - mit Daten - nachweist, etwas für die Gesundheit zu tun.

Bundesminister Heiko Maas (Foto: Dpa)
Minister Maas hat die Risiken genau im BlickBild: picture-alliance/dpa/J.Carstensen

Vertrauensvorschuss für den Hausarzt

Die Stimmung unter den Verbrauchern sei laut Bitkom-Studie momentan eindeutig: Eine Mehrheit lehnt die Weitergabe der Daten an die Krankenkasse ab. Allerdings könnten sich drei von vier der Befragten vorstellen, diese Daten an ihren Hausarzt weiterzugeben.

Eine erste Krankenkasse hat schon Bedarf angemeldet, Fitness-Tracker-Daten verwalten zu wollen. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, der CDU-Politiker Karl-Josef Laumann, sieht hier "große Chancen" für die Früherkennung von Krankheiten. Allerdings dürfe niemand dazu gedrängt werden, Daten zur Verfügung zu stellen.

Die Sache mit den Tipps

Maas wies in diesem Zusammenhang allerdings auf eine bestehende technologische Schwachstelle hin. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale habe ergeben, dass nur zwei von zwölf der Wearables wirklich überzeugten. Denn ein weit verbreitetes Problem seien falsche Messwerte - und davon abgeleitet dann falsche Tipps. Hier bestehe Gesundheitsgefahr.

Die Bitkom gab noch einige Tipps im Umgang mit der neuen Technik mit auf den Weg: Die Datenweitergabe an Dritte dürfe nur nach Einwilligung der Nutzer erfolgen. Das Datensammeln muss man auch ausschalten können. Die Datenübertragung zum Beispiel vom Smartphone auf den Laptop müsse verschlüsselt erfolgen und mit einem Passwort gesichtert sein. Und die Geräte müssen update-fähig sein, damit eventuelle Sicherheitslücken durch aktuelle Software-Versionen geschlossen werden können.