EZB bleibt weiter auf Kurs | Wirtschaft | DW | 10.06.2021
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Geldpolitik

EZB bleibt weiter auf Kurs

Auch wenn es im Euroraum Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung gibt, hält die Europäische Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Ihre Inflationserwartungen hebt sie an, sieht aber noch keine Trendwende.

Geld zum Nulltarif - das gibt es auch weiterhin. So bleibt zentrale Leitzins, zu dem sich Banken Geld bei er Europäischen Zentralbank (EZB) leihen, bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Wer Geld bei der EZB einlegt - und das tun viele Banken häufig für eine Nacht - der muss weiterhin 0,5 Prozent an die Währungshüter bezahlen. 

Doch auch die EZB sieht, dass sich die Wirtschaft im Euroraum erholt. Bei der Industrieproduktion, im Dienstleistungssektor, bei den Exporten und der Nachfrage außerhalb der EU stünden die Zeichen auf Besserung, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Insgesamt rechnen die Währungshüter 2021 nun mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,6 Prozent, statt der bislang vorausgesagten 4,0 Prozent. "Fortschritte bei den Impfkampagnen, die eine allmähliche Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen ermöglichen sollten, dürften den Weg für eine feste Konjunkturerholung im Laufe des Jahres 2021 ebnen", sagte Lagarde.

Belgien EU l EZB Präsidentin Lagarde im Europäischen Parlament

Christine Lagarde setzt auf geldpolitische Kontinuität

Dennoch: "Unsicherheiten bleiben bestehen", so Lagarde. Vor allem, weil der Fortgang der Pandemie unklar sei. Deshalb bleibt die EZB auch beim milliardenschweren Notkaufprogramm PEPP zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auf dem Gaspedal. So werden insgesamt, wie schon zuvor geplant, 1,85 Billionen Euro bis mindestens Ende März 2022 in Unternehmensanleihen fließen.

Mehr Inflation als gedacht...

Das Kaufprogramm hilft Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Insbesondere für Staaten ist das wichtig, weil sie in der Corona-Krise milliardenschwere Rettungsprogramme aufgelegt haben, die es zu finanzieren gilt. 

Allerdings will die EZB flexibel reagieren. Laut Lagarde solle so auch ein "sanfter Übergang in der Währungspolitik" möglich sein. Dies komme auf den weiteren Verlauf der Pandemie und auch auf die Entwicklung der Inflation an. Bei der Inflation sei man "weit entfernt vom Ziel", so Lagarde. Das liegt bei knapp zwei Prozent. 

In ihrer vierteljährlichen Vorhersage revidierte die EZB ihre Inflationserwartungen für 2021 nach oben auf 1,9 Prozent. Bisher war sie von 1,5 Prozent ausgegangen. Auch in Deutschland ist die Inflation zuletzt gestiegen. 

... aber keine Trendwende

Trotzdem kann die EZB keine grundsätzliche Änderung des Preisniveaus erkennen. Die bisherige Inflation sei ein vorübergehendes Phänomen und liege vor allem an den gestiegenen Energiepreisen, so Lagarde. Bereits 2022 werde die Inflationsrate im Euroraum aber schon wieder auf 1,5 Prozent zurückgehen, so Lagarde. Noch vor zwei Monaten war die EZB von 1,2 Prozent Inflation im Jahr 2022 ausgegangen. Für das Jahr 2023 ließen die Notenbank ihren Ausblick unverändert bei 1,4 Prozent. 

"Mit der Fortsetzung der Anleihekaufprogramme und der Beibehaltung extrem niedriger Zinsen hat die EZB der Ausstiegsdebatte erneut eine Absage erteilt", sagte Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ-Trust. "Die Diskussion über nötige Korrekturen der Geldpolitik wird in den kommenden Sitzungen jedoch mit Sicherheit auf Wiedervorlage liegen."

"Inflationsspuk hin oder her, die EZB bleibt bei ihrer Linie, sagte auch Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. "Ihr Vorgehen zeigt eine große Gelassenheit gegenüber dem aktuellen Inflationsanstieg. Sie setzt weiter auf den Erhalt günstiger Finanzierungsbedingungen und vor allem auch höhere PEPP-Käufe. Die Ruhe der EZB tut gut, da sie auf aktuelle Inflationstreiber ohnehin kaum Einfluss hat. Statt Inflation zu bekämpfen, dürfte die EZB noch lange alles tun, um für Stabilität bei Konjunktur, Staaten und Finanzmärkten zu sorgen.”

Europas Währungshüter sind seit Jahren im Anti-Krisen-Modus. Die seit März 2015 laufenden anderen Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen, mit denen die Inflation angeschoben werden soll, haben am Ende mit mehr als 3,1 Billionen Euro ein gewaltiges Volumen erreicht.

nm/bea (dpa, Reuters, EZB)

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