DFB-Elf: Kampfansage an die Etablierten? | Sport | DW | 16.11.2018
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Starker Nachwuchs

DFB-Elf: Kampfansage an die Etablierten?

Leiten die jungen Spieler den Umbruch in der Fußball-Nationalmannschaft schneller ein, als es Bundestrainer Löw eigentlich vorgesehen hat? Die Partie gegen Russland dürfte einige der Arrivierten zum Grübeln bringen.

Kein Thomas Müller, kein Mats Hummels. Toni Kroos wegen Erholungspause nicht dabei, Jerome Boateng gar nicht nominiert und Sami Khedira ohnehin seit der WM außen vor - das Gesicht der deutschen Nationalmannschaft war im Testspiel gegen Russland ein ganz anderes, als man es bei den meisten anderen Länderspielen im "Seuchenjahr" 2018 gesehen hat. Was die Spielweise - zumindest in der besseren ersten Halbzeit - angeht, aber auch, wenn man sich die Protagonisten auf dem Platz anschaut.

Während bei vielen der vergangenen Länderspiele eher in die Breite und zu langsam gespielt wurde, ging es diesmal immer wieder steil, schnell und direkt nach vorne. Paradebeispiel war der Treffer zum 3:0-Endstand: Kai Havertz passte das Leder schnurgerade durch die Lücken in der russischen Abwehr in Richtung Strafraum, Serge Gnabry war bereits gestartet und versenkte den Ball mit einem Direktschuss.

"Kinderriegel" vorn - "Seniorenkombo" hinten

Havertz (19 Jahre) und Gnabry (23) bildeten gemeinsam mit Leroy Sané (22) und Timo Werner (22) die Abteilung Attacke. Aus dem defensiven Mittelfeld und auf Außen wurden sie unterstützt von dem 23-jährigen Joshua Kimmich und dem 22-jährigen Thilo Kehrer. Nur in der Abwehr stand eine Art "Seniorenkombo" die mit Niklas Süle (23), Matthias Ginter (24), Antonio Rüdiger (25) und "Opa" Jonas Hector (28!) den Altersschnitt ein wenig anhoben. Das biblische Alter von Kapitän und Torhüter Manuel Neuer verschweigen wir aus Pietätsgründen.

UEFA Nations League - Niederlande - Deutschland 3:0 | Leroy Sane und Jogi Löw (picture-alliance/Fotostand/Weller)

Jetzt läuft es: Bei der WM noch ausgeladen, ist Leroy Sané einer der Spieler, die künftig im DFB-Team gesetzt sind

Auch wenn Gegner Russland aufgrund einiger fehlender Stammkräfte an diesem Abend in Leipzig eher ein schwächerer Gegner war, so hat die verjüngte Nationalelf doch einen deutlichen Hinweis gegeben, wie das Team - im Grunde ab sofort - erfolgreich und attraktiv spielen könnte. Zumindest aber konnte man sehen, mit welcher Formation es in nicht allzu ferner Zukunft wohl spielen wird.

Vor allem Havertz machte positiv auf sich aufmerksam, sorgte mit seinen Zuspielen in die Spitze für "Özil-Momente" und beeindruckte auch den Bundestrainer. "Seine Entwicklung ist gut. Er ist für sein Alter sehr weit", lobte Joachim Löw. "Wenn man das dritte Tor gesehen hat, dann ist das eine gute Qualität. Für 19 ist er schon auffällig gut. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle spielen kann."

Einige Umstellungen gegen die Niederlande

Natürlich wird es Leistungsschwankungen geben. Und selbstverständlich ist an einigen Stellen noch Luft nach oben. Havertz könnte an Muskelmasse zulegen und defensiv stabiler werden. Julian Brandt könnte lernen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und Konter selbst abzuschließen, statt aussichtslose Pässe in die Mitte zu spielen. Auch Gnabry und Sané machen noch nicht alles richtig.

Löw wird seine Aufstellung daher im Nations-League-Spiel gegen die Niederlande am Montagabend sicherlich verändern. Toni Kroos wird spielen, auch Marco Reus, wenn er wieder fit ist. Havertz, Gnabry und Kehrer, vielleicht auch Werner sind dann die Streichkandidaten. Julian Draxler, der gegen Russland wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht dabei war, könnte sich dagegen erstmal auf der Bank wiederfinden. Dort wird wohl auch Müller wieder sitzen - zumindest wäre es keine Überraschung.

Ungewisse Zukunft für die "Alten"

Zwar hat Löw immer wieder betont, dass ein Umbruch in der Nationalmannschaft Zeit benötige, jedoch könnte es sein, dass die jungen DFB-Spieler das Tempo der Veränderungen beschleunigen. Die im Team verbliebenen Weltmeister von 2014 müssen sich Sorgen machen über ihre Zukunft im Nationalteam.

Fußball -Deutschland - Frankreich (picture-alliance/S. Simon)

Was wird aus uns? Thomas Müller (2.v.l.) und Mats Hummels (l.) müssen sich Gedanken machen

Denn lediglich der Umstand, dass sie früher einmal unersetzlich waren, sollte Müller, Hummels, Boateng und Co. keinen Stammplatz in der aktuellen Elf garantieren, wenn ihre aktuellen Leistungen nicht entsprechend sind. Dagegen sind Routine und Erfahrung Dinge, mit denen die Arrivierten wuchern können, und auch der Bundestrainer scheint nicht gewillt, mit einem Schlag alles im DFB-Team auf links zu drehen.

"In der zweiten Halbzeit hatten wir nicht mehr das Tempo, die Raumaufteilung sowie die Tiefe und Breite in unserem Spiel", analysierte Löw. "Das muss man den jungen Spielern aber zugestehen." Zumindest aus dieser Aussage könnten die "Alten" herauslesen, dass es den einen oder anderen erfahrenen Spieler braucht, und die Hoffnung ziehen, dass ihre Dienste in der Nationalelf noch nicht völlig überflüssig sind. Vorläufig jedenfalls nicht.

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