DFB-Chef Reinhard Grindel ist zurückgetreten | Sport | DW | 02.04.2019
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Sportpolitik

DFB-Chef Reinhard Grindel ist zurückgetreten

Die Uhr ist abgelaufen für Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bunds. Der DFB-Chef zieht mit seinem Rücktritt die Konsequenz aus der andauernden Kritik. Am Ende stolpert er über eine Luxusuhr.

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Grindels Rücktritt

Wäre Reinhard Grindel ein Boxer, würde man sagen: Er war angezählt, der Knockout war nur eine Frage der Zeit. Er kam ihm zuvor, indem er das Handtuch warf. Der 57-Jährige sei mit sofortiger Wirkung als DFB-Präsident zurückgetreten, teilte der Verband mit. Als Grund gab Grindel an, dass er 2017 von dem ukrainischen Fußball-Oligarchen Grigori Surkis eine Luxusuhr als Geburtstagsgeschenk angenommen und dies nicht dem DFB gemeldet habe. Vom Wert der Uhr - laut Grindel 6000 Euro - habe er erst am vergangenen Wochenende erfahren: "Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe." Für ihn sei es "ein reines Privatgeschenk" gewesen, "ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen".

Lesen Sie mehr: Warum Reinhard Grindel im deutschen Fußball kaum jemand nachtrauern wird

Nach Angaben des DFB übernehmen bis zum Bundestag des Verbands im kommenden September die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball die Führung. Grindel führe "seine internationalen Ämter im FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee, in die er persönlich gewählt wurde, in enger Abstimmung mit dem DFB weiter fort".

"Im Sinne des deutschen Fußballs"

Rauball äußerte "Respekt und Verständnis" für die Entscheidung Grindels. "Der Druck auf seine Person ist in den vergangenen Wochen auf unterschiedlichen Ebenen permanent gestiegen", sagte Rauball. "Es ist daher im Sinne des deutschen Fußballs und seiner Handlungsfähigkeit, den Weg für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB freizumachen." 

Frankreich Freundschaftsspiel mit Deutschland - Reinhard Rauball & Rainer Koch (picture-alliance/dpa/U. Anspach)

Reinhard Rauball (l.) und Rainer Koch

Ziel sei es jetzt, "einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball", ergänzte DFB-Vize Koch. Schon vor dem Schritt Grindels war über mögliche Nachfolger spekuliert worden. Unter anderem fielen die Namen der früheren Nationalspieler Philipp Lahm und Christoph Metzelder sowie von Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach.

Rückhalt verloren

Schon vor Wochen hatten DFB-Insider darüber berichtet, dass der Präsident des größten Sporteinzelverbands der Welt (mehr als sieben Millionen Mitglieder) den Rückhalt auch in den eigenen Reihen verloren habe. Mitte März musste Grindel nach Informationen des Fußballfachmagazins "Kicker" bei einer DFB-Präsidiumssitzung heftige Kritik  anderer Gremienmitglieder einstecken.

Angeblich warfen die Kritiker Grindel vor, nach der Ausbootung der 2014er-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng durch Bundestrainer Joachim Löw Absprachen des DFB-Präsidiums ignoriert zu haben. Grindel hatte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk den drei Ausgemusterten Abschiedsspiele in Aussicht gestellt, obwohl der DFB eigentlich künftig auf solche Partien verzichten wollte.

Erwartungen nicht erfüllt

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Reinhard Grindel und seine Fehltritte

Von der anfangs großen Unterstützung innerhalb des DFB war am Ende so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Im April 2016 hatte der DFB-Bundestag ihn mit 250:4 Stimmen zum Nachfolger von Wolfgang Niersbach gewählt, der wegen der Affäre um die WM 2006 zurückgetreten war.

Grindel, damals CDU-Bundestagsabgeordneter, galt als großer Hoffnungsträger: Die Politik hoffte, dass einer der Ihren die WM-Affäre umfassend und seriös aufarbeiten würde. Die Vertreter des Amateurfußballs hofften, dass Grindel ihre Position im DFB gegenüber den Profiklubs stärken würde. Beide Erwartungen erfüllte der 57-Jährige bisher nicht. Und so holten ihn die Vorbehalte ein, die einige vor seiner Wahl geäußert hatten: Grindel habe "keinen Stallgeruch", hieß es damals. Er sei ein Fußball-"Laie" und ein "Ankündigungsweltmeister".

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