Deutschland jetzt auch in der Omikron-Welle | Aktuell Europa | DW | 12.01.2022
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COVID-19

Deutschland jetzt auch in der Omikron-Welle

Mit mehr als 80.000 Neuinfektionen hat nun auch Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Zuletzt warnte die WHO: Schon Mitte März könnte sich mehr als die Hälfte der Europäer mit Omikron infiziert haben.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Corona-Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten nach RKI-Angaben von Mittwochmorgen 80.430 Fälle in 24 Stunden. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz ist deutlich gestiegen. Sie liegt nun bei 407,5 - am Vortag waren es 387.

Mit diesen Zahlen scheint sich auch in Deutschland der Trend zu bestätigen, den die Weltgesundheitsorganisation zuletzt aufzeigte. Omikron sei wie eine Flutwelle, die von West nach Ost über die europäische Region hinwegfege und zu dem Anstieg der Delta-Zahlen hinzukäme, sagte der Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Hans Kluge. Die Omikron-Variante des Coronavirus werde schnell zur dominanten Variante in Westeuropa und verbreite sich nun auch auf dem Balkan.

Angesichts des aktuellen Ausbreitungstempos prognostiziert das Forschungsinstitut IHME anhand von Modellrechnungen, dass sich mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in der Region in den nächsten sechs bis acht Wochen mit Omikron infiziert haben könnten. In einem Bericht des Instituts vom 8. Januar heißt es wörtlich: "Unsere Modelle für die Europäische Region legen nahe, dass Mitte Januar mit mehr als 12 Millionen Infektionen pro Tag ein Höchststand erreicht wird - wobei die nationalen Höchststände erheblich variieren werden."

Deutschland Corona Lage

WHO-Regionaldirektor Hans Kluge

"Verbleibendes Zeitfenster nutzen"

Allein in der ersten Woche 2022 seien in der europäischen Region mehr als sieben Millionen neue Corona-Fälle nachgewiesen worden, was mehr als eine Verdopplung innerhalb eines Zwei-Wochen-Zeitraums bedeute, sagte WHO-Regionaldirektor Kluge. Omikron sei inzwischen in 50 von 53 Ländern in Europa und Zentralasien gemeldet worden.

Kluge rief die Länder ohne bisherige Omikron-Zunahme dazu auf, das verbleibende Zeitfenster zu nutzen und Vorkehrungen zu treffen - Omikron breite sich schneller aus als jede andere zuvor gesehene Variante von SARS-CoV-2. Kluge appellierte, trotzdem die Schulen offenzuhalten. Dies sei äußerst wichtig für die Kinder, weshalb Schulen die letzten Orte sein sollten, die geschlossen werden sollten - und die ersten, die wieder geöffnet würden.

Symbolbild Kind Mund-Nasen-Schutz

Die WHO plädiert dafür, Schulen so lange wie möglich offen zu halten - trotz Omikron

Wird Omikron das deutsche Gesundheitssystem überfordern?

Auch in Deutschland konnte das Robert Koch-Institut (RKI) inzwischen eine deutliche Zunahme der Omikron-Variante registrieren. In der letzten Woche des vergangenen Jahres wurden gut 31.000 Omikron-Fälle registriert, in der ersten Woche 2022 waren es schon fast 53.000. Welche Folgen der starke Anstieg haben wird, ist noch nicht klar.

Im RKI-Wochenbericht vom 6. Januar heißt es dazu, erste Studien würden darauf hindeuten, dass der Anteil der infizierten Menschen, die in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssten, bei der Omikron-Variante niedriger sein. Für eine abschließende Bewertung, wie schwer Erkrankungen durch die Omikron-Variante ausfallen, sei die Datenlage aber noch nicht ausreichend. 

Zahl der Corona-Toten in Polen steigt auf über 100.000

Auch in anderen Ländern in Europa werden die Folgen der Pandemie immer stärker sichtbar. So ist in Polen die Zahl der Corona-Toten nach offiziellen Angaben jetzt über die Marke von 100.000 gestiegen. Heute meldete das Gesundheitsministerium 493 neue Todesfälle binnen 24 Stunden - und das obwohl die Omikron-Variante in Polen bisher nicht stark verbreitet ist.

Polen wird Hochrisikogebiet | Weihnachtsmarkt in Gdansk

Seit Anfang Dezember gilt Polen für Deutschland als Hochrisikogebiet (Im Bild: Gdansk (Danzig), November 2021)

Die Opposition wirft der nationalkonservativen PiS-Regierung vor, angesichts einer vergleichsweise geringen Impfquote drastische Maßnahmen zu vermeiden, um die Impfgegner unter ihren Wählern nicht zu verprellen. So fehlt beispielsweise weiterhin eine rechtliche Grundlage dafür, dass die Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. Derzeit sind gut 56 Prozent der polnischen Bevölkerung zweimal geimpft, gut 20 Prozent haben schon eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Zum Vergleich: In Deutschland sind 72 Prozent der Bevölkerung mindestens zweimal geimpft, gut 43 Prozent haben zudem bereits eine Auffrischung ihres Impfschutzes bekommen. In Deutschland liegt die Zahl der registrierten Todesfälle in Zusammenhang mit COVID-19 bei mehr als 114.000. Die absolute Zahl ist damit höher als in Polen - allerdings wohnen in Polen auch nur etwa halb so viele Menschen wie in Deutschland.

fab/bru/sti (dpa, afp)

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