1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Autobauer VW macht ernst: Bis 2030 fallen 50.000 Jobs weg

10. März 2026

Der Volkswagen-Konzern will in Deutschland sparen, bis es wehtut - und das längst nicht nur beim Personal. "Wir werden jeden Stein umdrehen", verspricht Vorstandschef Oliver Blume.

https://p.dw.com/p/5A7B3
Deutschland Wolfsburg 2026 | VW-CEO Oliver Blume steht vor einem wandfüllenden Monitor, auf dem ein Porsche 911 zu sehen ist
Starke Marke, schwache Zahlen: Die einstige Ertragsperle Porsche steuerte gerade noch 90 Millionen Euro an operativem Gewinn zum Konzernergebnis beiBild: Malte Ossowski/Sven Simon/picture alliance

Der Volkswagen-Konzern hält an seinem Ziel fest, bis zum Jahr 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland zu streichen. Erstmals hatte Europas größter Autobauer die Zahl Ende 2024 öffentlich gemacht. 35.000 Jobs sollen allein bei der Kernmarke VW wegfallen. Bei Audi sind es - bis 2029 - bis zu 7500, bei Porsche 3900 inklusive Leiharbeitern. Der Abbau soll vor allem über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen.

Der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume sagte bei der Bilanzvorlage, es gehe um Kostensenkungen und eine Überarbeitung des Geschäftsmodells, das nicht mehr funktioniere. Einsparungen beim Personal stünden zunächst aber nicht im Vordergrund - wichtiger seien Effizienzsteigerungen bei Beschaffung, Entwicklung, Material, Produktion und Vertrieb. "Wir werden jeden Stein umdrehen", kündigte Blume an.

Schwierigkeiten in Serie

Das Unternehmen mit Hauptsitz im niedersächsischen Wolfsburg sieht sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber:

  • Das Geschäft in den Vereinigten Staaten steht wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump massiv unter Druck.
  • In China muss VW den Anschluss an die staatlich geförderte heimische Konkurrenz bei Elektroautos finden.
  • Das Exportgeschäft in Europa leidet unter hohen Kosten; die Margen vor allem bei E-Autos sind wegen subventionierter chinesischer Konkurrenz gering.
  • Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten, von dem auch die prosperierenden Golfstaaten betroffen sind, dürfte die Nachfrage nach Luxusautomobilen in diesen Ländern drücken.

Die ersten drei Punkte spiegeln sich bereits in den Zahlen wider: 2025 brach der Betriebsgewinn um die Hälfte auf nur noch 8,9 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich blieben mit 6,9 Milliarden Euro nach Steuern 44 Prozent weniger übrig als vor Jahresfrist. Der Betriebsrat sprach in einer Mitteilung an die Beschäftigten von dem schwächsten Ergebnis seit dem Dieselgate-Einbruch 2015/2016. "Ohne Kostendisziplin und Sparprogramm wäre die Lage noch dramatischer", erklärte Betriebsratschefin Daniela Cavallo.

Während der Gewinn im Volumengeschäft mit den Marken VW, Skoda und Seat/Cupra mit 6,8 Milliarden Euro nur knapp unter dem Vorjahresniveau lag, sank er bei der Markengruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und Ducati um 13,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Bei der einstigen Ertragsperle Porsche, die nach schleppender E-Nachfrage wieder verstärkt auf Benziner setzt, waren es mit 90 Millionen Euro operativem Gewinn gerade noch schwarze Zahlen.

Deutschland Wolfsburg 2026 | VW-CEO Oliver Blume steht vor einem Diagramm mit der Überschrift "Best house in a bad neighborhood"
"Unser Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr": VW-CEO Oliver BlumeBild: Malte Ossowski/Sven Simon/picture alliance

Die Gewinnmarge lag im Gesamtkonzern mit 2,8 Prozent so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Umsatz stagnierte bei 322 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Volkswagen allenfalls mit einem Umsatzplus von bis zu drei Prozent. Immerhin soll sich die Gewinnmarge wieder auf vier bis 5,5 Prozent verbessern.

Toyota zieht davon

Beim Absatz konnte VW 2025 einen Anstieg um fünf Prozent in Europa und zehn Prozent in Südamerika verbuchen. In Nordamerika verkaufte VW dagegen zwölf Prozent weniger Fahrzeuge, in China betrug das Minus sechs Prozent. In absoluten Zahlen waren es in Summe weniger als neun Millionen Autos. Zum Vergleich: Der japanische Toyota-Konzern lieferte im vergangenen Jahr mehr als elf Millionen Fahrzeuge an die Kunden - und vergrößerte damit seinen Vorsprung als weltgrößter Autobauer.

Auf Volkswagen lasteten insgesamt fast neun Milliarden Euro an Sondereffekten. Die Kosten für den Umbau bei Porsche summierten sich auf fünf Milliarden Euro, die Belastungen durch die US-Zölle auf rund drei Milliarden Euro. Dazu kommen Ausgaben für die Restrukturierungsprogramme bei VW, Audi und der Softwaretochter Cariad. CEO Blume versuchte sich vor der Presse als Mutmacher: "Nach drei intensiven Jahren der Neuausrichtung der Volkswagen Group sehen wir messbare Fortschritte."

jj/pgr (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss: 18:00 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.