Deutsche Kinderbücher punkten in China | Kultur | DW | 02.09.2013
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Kultur

Deutsche Kinderbücher punkten in China

Zum 20. Mal findet die Pekinger Buchmesse statt, das größte Treffen der Verlagsbranche in China. Auch Deutschland ist groß vertreten, denn der Markt boomt. Interesse finden vor allem deutsche Kinderbücher.

Am deutschen Stand herrscht reges Interesse: "Ich schaue mir die Kinderbücher und die Ratgeberliteratur an" sagt Zhang Junnan von dem Verlag China Youth Publishing Group. Auf der Pekinger Buchmesse blättert sie in einem deutschen Titel über Hobbygärtnerei: "Die Bücher aus Deutschland sind immer so gut gemacht. Die Texte sind informativ und die Fotos gut. Wirklich toll."

Mehrere deutsche Verlage stellen ihre Bücher in Peking aus. "Für uns ist China ein wichtiger Markt", sagt etwa Holger Behm vom deutschen Schulbuch-Verlag Cornelsen. Kein Land hat mehr Interesse an deutschen Publikationen als das Reich der Mitte: Über eintausend deutsche Titel wurden im vergangenen Jahr in die Volksrepublik verkauft - mehr als 13 Prozent der Auslandslizenzen insgesamt.

Chinas Verlagsbranche boomt

Auf der Buchmesse ist die Bedeutung der Branche deutlich zu spüren - an den meisten Ständen drängeln sich die Besucher. Überall werden intensive Gespräche geführt. Kein Wunder, denn Chinas Verlagsbranche boomt. Allein im Jahr 2011 wurden acht Milliarden Euro umgesetzt. Jedes Jahr werden rund 200.000 Neuerscheinungen auf den Markt gebracht.

Besucher der Buchmesse in Peking (Foto: Silke Ballweg)

Beliebt bei Chinas Kindern: Geschichten aus Deutschland

Die Größe des Marktes darf jedoch keinen falschen Eindruck erwecken: ein Land der Leseratten ist die Volksrepublik nicht. Die meisten Publikationen sind spröde Lehrwerke, also etwa Mathematik- oder Biologiebücher. Nur weil Schüler in China jedes Jahr ihre eigenen Schulbücher neu kaufen müssen, ist die Buchproduktion insgesamt so gewaltig.

Chinesische Besonderheiten

Chinas Verlagsbranche hat dabei weitere Besonderheiten. Die wichtigste: Sie ist nicht frei. Publikationen unterliegen im Reich der Mitte einer strengen Zensur. Politisch heikle Themen sind tabu, zum Beispiel Tibet, Taiwan, Tiananmen. Nur 581 Verlage haben überhaupt das Recht, Bücher herauszugeben. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 2000 - und wer will, kann einen weiteren gründen.

"Fast alle Verlage in China machen alles", sagt Gong Yingxin vom Pekinger Buchinformationszentrum (BIZ), einer Außenstelle der Frankfurter Buchmesse. Anders als etwa in Deutschland, wo sich die Unternehmen auf bestimmte Themen oder Sparten konzentrieren, hat jedes chinesische Verlagshaus ein breites Angebot: Das reicht von Belletristik über Sachbücher bis hin zu Schul- und Kinderbüchern.

Deutsche Klassiker - lieber nicht

Das Interesse an den deutschen Büchern ist groß (Foto: Silke Ballweg)

Leseland China: Interesse an deutschen Büchern

Romane oder Erzählungen spielen auf dem chinesischen Markt nur eine untergeordnete Rolle. Sie kommen auf gerade einmal zehn Prozent Marktanteil. Auch die deutsche Belletristik führt ein Mauerblümchendasein. Literarische Schwergewichte wie Johann Wolfgang von Goethe oder Thomas Mann wurden zwar schon vor Jahren in China verlegt. Besonders viele Leser finden die Klassiker jedoch nicht. Ernst, trocken und schwer seien die Texte, so die landläufige Meinung vieler Chinesen. Wenn überhaupt, dann bringen Verlage in der Volksrepublik heutzutage nur solche Autoren heraus, die auch in anderen Ländern schon erfolgreich waren. Schriftsteller wie Günter Grass, Bernhard Schlink oder Patrick Süskind.

Großes Interesse am deutschen Bilderbuch

Weitaus erfolgreicher sind stattdessen Bilder- und Jugendbücher aus Deutschland. Viele chinesische Eltern versuchen schon im Kindesalter, die Kreativität ihres Nachwuchses zu fördern. Chinesische Jugendliche zwischen 7 und 14 Jahren lesen im Schnitt 8 Bücher pro Jahr - doppelt so viel wie Erwachsene. "Die ausländischen Bücher sind einfach viel besser als die chinesischen", meint Gong Yingxin vom BIZ. "Die Texte und Illustrationen der deutschen Bücher sind auf sehr hohem Niveau. Das findet man in China kaum." Sie schaut in ein hochformatiges Bilderbuch mit phantasievollen Buntstiftzeichnungen. "Für Verlage in China ist es deswegen viel attraktiver, gute Titel aus dem Ausland zu kaufen, statt eigene Autoren heranzuziehen."

Längst aber nicht alles, was deutsche Jugendliche lesen, scheint Verlegern im Reich der Mitte für den eigenen Nachwuchs angebracht. Für deutsche Verlage heißt das: sie müssen auswählen. Verrückte Geschichten, allzu schräge Handlungen - das wollen Eltern in China nicht. Und bitte, auch keine provokanten Themen: Gewalt in der Familie oder Alkoholismus bei Jugendlichen werden in Jugendbüchern abgelehnt. Auch der erste Kuss ist ein Tabu.

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