Deutsche Bank versucht den Befreiungsschlag | Wirtschaft | DW | 05.07.2019
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Bankenbranche

Deutsche Bank versucht den Befreiungsschlag

Es wird wohl ein heißes Wochenende für die Deutsche Bank. Den Anfang machte schon am Freitag der Chef der Investmentsparte, über dessen Rückzug die Bank informierte. Das dürfte nur der Auftakt für größere Umbauten sein.

Die Pressemitteilungen der Deutschen Bank in dieser Woche waren bunt gemischt. Zum Wohnungsmarkt in Köln, zum 50. Jahrestag der Stonewall-Unruhen, zu einer CO2-Steuer, zur Künstlichen Intelligenz im Bankensektor. Immerhin eine Mitteilung zum Kerngeschäft der Bank, in diesem Fall dem Bereich Vermögensverwaltung: Dort wolle man in den kommenden zwei Jahren 300 neue Kundenberater einstellen. Die Bank bestätigte damit Aussagen von Fabrizio Campelli, dem Leiter des Geschäfts mit vermögenden Kunden, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Bis zum Freitagnachmittag aber kein einziges Wort zu den seit dem zurückliegenden Wochenende wabernden Gerüchten über den radikalen Umbau, den der Vorstand um Chef Christian Sewing plant.

Dann aber um 14:21 Uhr der erste Paukenschlag aus Frankfurt: Garth Ritchie, Vizechef der Bank und Leiter des Investmentbankings nimmt seinen Hut - nach 23 Jahren in Diensten der Deutschen Bank. Ein erster, überdeutlicher Hinweis auf das, was an diesem Wochenende noch kommen dürfte. Die Börse goutierte Ritchies Rückzug schon mal mit einem satten Plus von über fünf Prozent.   

Auch wenn die Bank alle Nachfragen zu einer möglichen Sitzung des Aufsichtsrats an diesem Sonntag (7. Juli) abwehrt, so wird immer klarer: Der große Umbau soll an diesen Sonntag auf den Weg gebracht werden.

Deutsche Bank - Christian Sewing (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Christian Sewing, seit Frühjahr 2018 Chef der Deutschen Bank

Harte Einschnitte angekündigt

Dass die Deutsche Bank "harte Einschnitte" brauche, da hatte Vorstandschef Sewing Ende Mai auf der Hauptversammlung kein Blatt vor den Mund genommen. Denn trotz aller Chefwechsel in den vergangenen Jahren, trotz aller Versuche, Ruhe in den Laden zu bringen: Die Bilanz ist und bleibt dürftig, Gewinn war ein Fremdwort. Erstmals seit 2014 konnte die Bank für 2018 wieder ein Plus vermelden: Schmale 341 Millionen blieben am Ende übrig. Lächerlich im Vergleich zu den US-Großbanken, die soviel in einer Woche verdienen.

Nun also soll es konkret werden mit Sewings Umbauplänen. Hart treffen dürfte es das Investmentbanking, das wohl drastisch beschnitten wird. Der Rückzug von Garth Ritchie ist ein deutlicher Hinweis, dass es so kommen wird. Bankchef Sewing soll laut Pressemitteilung vom Freitag Ritchies Bereich - oder besser, das was davon übrig bleiben wird - übernehmen. Von bis zu 20.000 Stellen, die wegfallen sollen, ist die Rede. So viele Jobs hat die Bank noch nie in ihrer 149-jährigen Geschichte auf einen Schlag gestrichen. Derzeit hat dieser Bereich noch 38.000 Mitarbeiter. Neueste Zahlen aus diesem Segment zeigen, dass der Abstand der Deutschen Bank zur Spitze immer größer wird. Im ersten Halbjahr beispielsweise (das für alle Banken schlecht lief) nahm die Deutsche im Geschäft mit der Aktien- und Anleiheplatzierung sowie in der Fusionsberatung 20 Prozent weniger ein als im Halbjahr zuvor.

Weniger Investmentbank, mehr Firmenkundenbank

Gestärkt werden soll hingegen die sogenannte Transaktionsbank, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichtete. Dieser Bereich solle in einen neu zu gründenden Geschäftsbereich namens "Corporate Bank", also Unternehmensbank, eingegliedert werden. Gleichzeitig käme, was Sinn machen würde, das Firmenkundengeschäft unter das Dach dieser Corporate Bank. Die Transaktionsbank bleibt ein wichtiger Geschäftsbereich (hier bündelt die Bank Geschäfte mit Währungen, der Handelsfinanzierung und den Zahlungsverkehr) und soll weiter gestärkt werden, das hatte Sewing schon auf der Hauptversammlung angekündigt. Dort sprach er von einer "Perle des Geschäfts", die man bisher vernachlässigt habe.

Der geplante massive Stellenabbau - immerhin würde es sich um ein Fünftel der Belegschaft handeln - dürfte die Bank neben dem Umbau der Strukturen eine Weile beschäftigen. Und er wird teuer. Gerade die Investmentbanker sind ein echter Kostenfaktor. Insider gehen nach Berichten von Reuters und der Financial Times von Gesamtkosten für Abfindungen etc. zwischen drei und fünf Milliarden Euro aus. Damit dürfte der von Analysten erwartete mögliche Jahresgewinn für 2019 in Höhe von 965 Millionen Euro wie Schnee in der Frühlingssonne dahin schmelzen. Auf eine erneute Kapitalerhöhung (also die Ausgabe neuer Aktien) will die Bank dem Vernehmen nach aber verzichten

Ein solches Kapitalpolster verlangt die Bankenaufsicht, die Höhe hängt von der Gewichtung der Risiken ab, die eine Bank in den Büchern hat. Und die Deutsche Bank hat davon reichlich, sie gehört damit zu den vier systemrelevantesten Banken der Welt. Von solchen toxischen Papieren will sich die Deutsche Bank nun im Rahmen des Umbaus trennen, die Rede ist von einer internen Bad Bank, in die ein Teil der Papiere in einem Volumen von 50 Milliarden Euro ausgelagert werden soll.

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