Warum Deutsche und Commerzbank nicht zusammenkamen | Wirtschaft | DW | 25.04.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bankenbranche

Warum Deutsche und Commerzbank nicht zusammenkamen

Der Plan, eine deutsche Großbank zu schmieden, ist geplatzt. Deutsche und Commerzbank gaben den Abbruch der Gespräche bekannt - und müssen nun schauen, wie es für sie weitergeht.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben ihre Sondierungsgespräche über ein Zusammengehen ohne Ergebnis beendet. "Nach gründlicher Prüfung hat sich herausgestellt, dass ein solcher Zusammenschluss nicht im Interesse der Aktionäre sowie anderer Interessengruppen gewesen wäre", begründeten beide Institute wortgleich ihre Entscheidung. Mit einem Zusammenschluss hätte man höhere und nachhaltige Renditen für die eigenen Aktionäre erreichen und die Leistungen für die Kunden verbessern müssen. Doch das sei nicht der Fall.

Verhandlungen unter dem Druck der Politik

Die Banken hatten seit sechs Wochen verhandelt - angestoßen durch den Wunsch der Politik. Bundesfinanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies hatten wiederholt die Vorteile eines "nationalen Bankenchampions" beschworen. Sowohl Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing als auch Commerzbank-Chef Martin Zielke hatten zu Beginn der Gespräche jedoch betont, man verhandle "ergebnisoffen". Den Mehrwert erkennen konnten sie jedoch nicht, "auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration" einhergingen. Dazu habe man verschiedene Modelle durchgerechnet.

"Ich bin erleichtert, dass die wirtschaftliche Vernunft gesiegt hat", kommentierte Klaus Nieding, langjähriger Bankenexperte der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), den Abruch der Gespräche. "Für das bisschen Chance waren die Risiken zu groß." Chancen hätten darin bestanden, ein größeres Gewicht am internationalen Markt zu bekommen als "nationaler Champion". Aber eine solche Bank wäre dann noch systemrelevanter als es etwa die Deutsche Bank heute schon ist. "Dieser 'Deutschen Commerzbank' wären wir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert gewesen", sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Denn wäre die ins Schleudern gekommen, hätte der Staat sie auf jeden Fall retten müssen. Von einem "Sieg der Vernunft" sprach auch Thomas Hartmann-Wendels, Bankenexperte an der Universität Köln in einem DW-Interview. "Von Anfang an war ja nie wirklich klar, was diese Fusion bewirken sollte. Es war absehbar, dass es scheitern würde."

Infografik Die wichtigsten Kennzahlen von Deutscher Bank und Commerzbank DE

 

Kostendruck und Stellenabbau

Auch die Kosten wären nur auf lange Sicht zu drücken gewesen. Denn Einsparungen wären vor allem zu Lasten der Mitarbeiter gegangen. Im Vorfeld war von 30.000 Stellen die Rede, die man hätte abbauen müssen. Verdi-Chef Frank Bsirske, selbst Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, begrüßte die Entscheidung, insbesondere im Hinblick darauf, dass die Nachteile einer solchen Fusion vor allem in Bezug auf die Arbeitsplätze deutlich überwogen hätten. Diese Jobverluste hätten wahrscheinlich vor allem die Commerzbank getroffen, vermutet Dieter Hein, Analyst von fairesearch, denn die Mitarbeiter der Deutschen Bank in Deutschland hätten zum großen Teil eine Beschäftigungsgarantie bis 2021.

Die Mitarbeiter beider Häuser hatten sich jedoch mit großer Mehrheit gegen ein Zusammengehen ihrer Banken ausgesprochen - und diese Haltung hätten dann wohl auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mit getragen. "Dass man so ein Projekt gegen den massiven Widerstand der Mitarbeiter durchsetzt, ist schwierig", sagt Hein. Hinzu kommt: Ein solcher Stellenabbau kostet zunächst viel Geld, es dauert also Jahre, bis man tatsächlich unter dem Strich besser dasteht als zuvor. Um diese Restrukturierungskosten einer Übernahme der Commerzbank zu stemmen, hätte die Deutsche Bank wahrscheinlich auch ihr Kapital erhöhen müssen, auch das kommt am Kapitalmarkt nicht gut an.

Unzufriedene Großkunden und Aktionäre

Nicht nur die Mitarbeiter machten ihren Widerstand deutlich. Auch die Kunden und Großaktionäre hatten Kritik geäußert. Die Großkunden dürften zum Teil schon mit den Füßen abgestimmt haben: "Diejenigen, die langfristig planen, dürften sich schon nach anderen Bankpartnern umgesehen haben", vermutet Bankenprofessor Burghof. Gerade bei großen Mittelstandskunden sei das Vertrauen in ihre Bank wichtig. das aber könnte jetzt schon gelitten haben. Die Großaktionäre der Deutschen Bank wiederum wie das Emirat Katar oder der Vermögensverwalter Blackrock hatten die Fusion ebenfalls nicht befürwortet. Sie dürften vor allem auf den Mehrwert im Geschäftsmodell geschaut haben. "Die Geschäftsbereiche beider Banken überlappen sich zwar stark", diagnostiziert Aktionärsschützer Nieding. Doch bei den Problemfeldern wäre man nicht nach vorn gekommen. Denn die Commerzbank hat ihr Investmentbanking nach der Finanzkrise stark heruntergefahren, in diesem Bereich hätte sie der Deutschen Bank nichts gebracht. Und bei den Mittelstandskunden, die bei der Commerzbank im Fokus stehen, wäre wiederum fraglich gewesen, ob die auch einer Großbank treu geblieben wären.

Dass sie auch allein auf gutem Weg ist, versuchte die Deutsche Bank im gleichen Atemzug zu dokumentieren: Sie veröffentlichte mit der Entscheidung gegen die Fusion einige Kernzahlen ihrer Quartalsbilanz, die sie im Detail erst am Freitag vorstellen will. Danach hat sie zwischen Januar und März einen Nettogewinn von 200 Millionen Euro erzielt, das ist etwa viermal so viel, wie Analysten erwartet hatten. Die Bank prüfe weiterhin alle Alternativen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern, teilte sie außerdem mit.

Eine Möglichkeit könnte das Zusammengehen ihrer Fondstochter DWS mit der schweizerischen UBS sein, das Beobachter für eine sinnvolle Option halten. Für die Commerzbank wiederum haben sich schon mehrere ausländische Banken wie die italienische Unicredit oder die niederländische Großbank ING interessiert. Wie groß deren Interesse tatsächlich ist, könnte sich in den nächsten Wochen zeigen. Für wahrscheinlich hält Philipp Häßler, Analyst von Pareto Secrities, eine solche Lösung nicht: Dazu sei der deutsche Bankenmarkt nicht attraktiv genug. An der Börse wertete man den Abbruch der Gespräche für die Deutsche Bank zunächst positiv, am Ende rutschte sie aber wie zuvor schon die Commerzbank ins Minus. 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema