Deutsche Bank schließt Postbank-Fusion ab | Wirtschaft | DW | 28.05.2018
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Finanzbranche

Deutsche Bank schließt Postbank-Fusion ab

Die Deutsche Bank schaltet im Geschäft um Privat- und Firmenkunden auf Angriff: Die Fusion mit der Postbank ist unter Dach und Fach. Man sieht sich als klare Nummer Eins in Deutschland. Unklar bleibt der Stellenabbau.

20 Millionen Privatkunden, eine Million Geschäfts- und Firmenkunden, Einlagen von 331 Milliarden Euro, 28.000 Mitarbeiter: Das ist die neue DB Privat- und Firmenkundenbank AG, hervorgegangen aus der Fusion der Postbank mit der Privat- und Geschäftskundeneinheit der Deutschen Bank. Der Zusammenschluss ist nach Angaben der Deutschen Bank "die größte Fusion zweiter Banken seit Gründung der gemeinsamen Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank". Die Eintragung ins Handelsregister hatte Deutsche Bank-Chef Christian Sewig bereits auf der Hauptversammlung am Donnerstag der vergangenen Woche (24.05.2018) angekündigt.

"Wir haben damit ein wichtiges Etappenziel erreicht", sagte Bank-Chef Sewing. Mit dem weiteren Umbau werde man Kosten senken und Erträge steigern. Man wolle die "Synergien" bis 2022 schrittweise auf dann jährlich "mindestens 900 Millionen Euro" steigern. Bis es soweit ist, kostet das weitere Zusammengehen erstmal: Knapp zwei Milliarden Euro sind für den Prozess eingeplant. Teuer ist vor allem die Zusammenlegung der IT-Systeme. Zudem soll die Postbank an ihrem bisherigen Standort in Bonn ein neues Hauptquartier bekommen, was bankintern nicht unumstritten ist. Die Bank wird weiterhin gemeinsam mit den jeweiligen Marken Deutsche Bank und Postbank auftreten; die Kundschaft solle in ihrer angestammten Umgebung bleiben, heißt es in der Pressemitteilung.

Deutsche Bank - Hauptversammlung (picture alliance / Andreas Arnol)

Drückt aufs Tempo: Christian Sewing, seit Anfang April Chef der Deutschen Bank

Unklarheit über Stellenabbau

"Mit der neuen Bank bekennen wir uns zu unserem Heimatmarkt"; sagte Postbank-Chef Frank Strauß, der im Vorstand der Deutschen Bank das Privat- und Firmenkundengeschäft verantwortet. Man wolle "aus einer Position der Stärke", als klare Nummer Eins im deutschen Bankenmarkt, "die digitale Transformation des Geschäfts vorantreiben". Dass für die neue Geschäftseinheit einige Tausend Stellen nicht mehr gebraucht werden, schreibt die Deutsche Bank in ihrer Pressemitteilung nicht. In früheren Medienberichten war von bis zu 6000 Stellen die Rede.

Das "Handelsblatt" berichtet in seiner heutigen Ausgabe, nach Abschluss der Integration der Postbank könnte es bei der Deutschen Bank auch in der Privatkundensparte bald Verhandlungen über einen Stellenabbau geben. Angedacht sein ein Stellenabbau von zehn bis 15 Prozent. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte diese Angaben nicht kommentieren.

Eine lange Geschichte

Der Zusammenschluss beider Institute ist nicht der erste Versuch: Bereits 2004, als die Deutsche Bank die Postbank beim Börsengang begleitete, streckte man die Fühler aus. Später erwarb die Deutsche Bank zunächst knapp 30 Prozent der Postbank, 2012 gehörte ihr die Postbank schließlich ganz. Drei weitere Jahre später beschloss der Aufsichtsrat der Deutschen Bank, die Postbank wieder loszuwerden. Ende 2015 wurde die Postbank von der Börse genommen und sollte verkauft werden. Das aber wurde wegen eines "ungünstigen Marktumfeldes" immer weiter aufgeschoben. Im März 2017 beschloss die Deutsche Bank die vollständige Re-Integration der Postbank. Der gesamte Prozess kostete die Deutsche Bank geschätzt vier Milliarden Euro.      

Die Zusammenlegung des Geschäfts ist Teil eines größeren Umbaus des Deutsche-Bank-Konzerns, mit dem Deutschlands größtes Geldhaus nach drei Verlustjahren in Folge wieder Tritt fassen will. Den Rotstift setzt der seit Mitte April amtierende Konzernchef Sewing im Investmentbanking an. Unter anderem das Aktiengeschäft soll schrumpfen. Vergangene Woche hatte das Geldhaus angekündet, die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern von derzeit gut 97 000 auf deutlich unter 90 000 senken zu wollen. Der Stellenabbau hatte schon unter Sewings Vorgänger John Cryan begonnen.

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