Deutsche Bank: Jetzt geht′s los! | Wirtschaft | DW | 08.07.2019
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Banken

Deutsche Bank: Jetzt geht's los!

Deutschlands größte Bank habe mit der Sanierung bereits begonnen, sagt sie. Die Zeit drängt, denn die Aktionäre scheinen mit dem Umbau zwar einverstanden zu sein, doch ihr Geduldsfaden ist bereits arg strapaziert.

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Deutsche Bank streicht 18.000 Jobs

Die Pläne der Deutschen Bank mit einem Radikalumbau und der Streichung Tausender Jobs sind an der Börse zunächst positiv aufgenommen worden. Die Aktien setzten ihren jüngsten Erholungskurs am Morgen mit plus 3,9 Prozent auf 7,45 Euro fort. Experten bleiben aber gerade mit Blick auf die schwache Historie vorsichtig, was die alles entscheidende Ausführung betrifft. Auch der Aktienkurs verlor im weiteren Verlauf geradezu dramatisch und notierte am Nachmittag in der Spitze mit über fünf Prozent im Minus. 

Der Konzern will den Umbau selbst finanzieren. Man bitte den Aktionär nicht um eine Kapitalerhöhung und werde mit der Zeit über die Dividende auch Kapital zurückgeben, sagte Konzernchef Christian Sewing dem Nachrichtensender n-tv. "Von daher ist das meines Erachtens auf mittlere und lange Sicht eine gute Nachricht für die Aktionäre." Zuletzt war am Markt auf eine Kapitalerhöhung um fünf Milliarden Euro spekuliert worden.

Die richtige Medizin - zu spät eingenommen

"Die Restrukturierung der Deutschen Bank ist aus unserer Sicht mutig und zum ersten Mal keine halbe Sache", sagte JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein. In das gleiche Horn stieß Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon: "Alles in allem ein konsequenter, mutiger und überfälliger Schritt für die Deutsche Bank, der - wenn erfolgreich - dem Institut zu einer zukunftsfähigeren Existenz mit Daseinsberechtigung verhelfen wird." Zugleich warnten Analysten und Händler aber vor erheblichen Umsetzungsrisiken, die Kursgewinne könnten sich schnell in Luft auflösen.

"Wir sagen schon eine ganze Weile, dass die verschiedenen Bemühungen zum Umbau der Deutschen Bank zu wenig sind und zu spät kommen", sagt Neil Wilson von Market.com. "Jetzt ist es die richtige Medizin, sie hätte nur ein paar Jahre früher genommen werden müssen. Eine Restrukturierung kann wichtige Kostensenkungen bringen, aber es ist weniger klar, welche Wachstumspläne die Deutsche Bank für die Zeit danach hat. Die Bank war langsam bei der Restrukturierung und muss jetzt sprinten um aufzuholen."

Der Start eines ganz langen Langstreckenrennens

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen namentlich nicht genannten Anleger: "Manche könnten der Deutschen Bank nach der Ankündigung der massiven Umbaupläne einen Vertrauensvorschuss geben. Die meisten werden aber an der Seitenlinie stehen bleiben. Entscheidend für die Aktienkursentwicklung in den nächsten Tagen könnte sein, ob es dem Management gelingt, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Kursanstiege würde ich nutzen, um Deutsche-Bank-Aktien zu verkaufen."

Die Ratingagentur Moody's ist ebenfalls relativ skeptisch, was die Zukunftsaussichten der Bank anbelangt: "Der beschleunigte Umbau der Bank und die Verkleinerung von Geschäften, die dauerhaft nicht in der Lage waren, akzeptable Renditen zu erzielen, wird sich positiv auf die Kreditwürdigkeit auswirken - falls er erfolgreich umgesetzt wird. Unser negativer Ausblick für die Kreditwürdigkeit spiegelt die großen Herausforderungen für die Deutsche Bank wider, die Pläne schnell umzusetzen. Eine bessere, ausgeglichenere und nachhaltigere Profitabilität zu erreichen, wird mehre Quartale, wenn nicht Jahre dauern."

Der Startschuss ist schon verhallt

"In den Geschäftsbereichen, in denen wir uns zurückziehen werden, haben wir mit dem Prozess bereits begonnen", sagte Konzernchef Christian Sewing am Montag in einer Telefonkonferenz der Deutschen Bank in London. "Das betrifft natürlich nicht nur Asien, das betrifft auch andere Regionen."  Wie stark einzelne Länder und Standorte betroffen sind, sagte Sewing auch auf Nachfrage nicht.

Deutschlands wichtigstes Geldhaus hatte am Sonntag den Abbau von weltweit rund 18.000 Vollzeitstellen angekündigt. Bis zum Ende des Jahres 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen von zuletzt knapp 91.500 auf etwa 74.000 sinken.

Grundsätzliche Risiken

Dass die Reformbemühungen der Bank erfolgreich sein werden, ist längst nicht ausgemacht. Erschwerend kommt hinzu, dass manchen Anleger, sollten sich erste Erfolge einstellen, der Bank auf dem Parkett schnell den Rücken kehren könnten. Eoin Mullany von der Berenberg Bank etwa sagte: "Die Aktien könnten positiv reagieren, weil die Deutsche Bank keine Kapitalerhöhung plant. Aber wir würden jeden Kursanstieg zum Verkauf der Aktie nutzen, weil es bei der Strategie erhebliche Umsetzungsrisiken gibt und beim Kapital wenig Spielraum für Fehler."

Die Bank selbst hofft nach einem Verlust in diesem Jahr zumindest auf ein ausgeglichenes Ergebnis im kommenden Jahr. "Wir arbeiten daran, 2020 ein ausgeglichenes oder besseres Ergebnis zu erreichen", sagte Finanzchef James von Moltke am Montag. Allerdings gebe es erhebliche Unsicherheiten, beispielsweise wann genau Umbaukosten verbucht würden. Für 2019 hatte Konzernchef Christian Sewing wegen der Kosten für den Abbau von 18.000 Jobs und dem Kahlschlag im Investmentbanking bereits einen Verlust in Aussicht gestellt.

Deutschlands größtes Geldhaus hatte in den vergangenen Jahren immer wieder an seiner Strategie nachgebessert. Der Erfolg der bisherigen Restrukturierungsrunden ist aber überschaubar. Entsprechend skeptisch sind die Experten, was die jüngsten Ankündigungen angeht. Die Annahme, dass die Bank ihre Erträge im Kerngeschäft bis 2022 um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr steigern könne, sei optimistisch, sagte Abouhossein. "Die Deutsche Bank hat ihre Ertragsziele in der Vergangenheit wiederholt verfehlt."

dk/ul (dpa, afp, rtr)

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