Deutliches Mitglieder-Plus für Parteien | Aktuell Deutschland | DW | 09.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Statistik

Deutliches Mitglieder-Plus für Parteien

Der "Schulz-Hype" und die Bundestagswahl haben wieder mehr Menschen in die Parteien gelockt. Die Mitgliederzahlen sind 2017 gestiegen. Aber Grund zum Jubel besteht kaum - der Schwund der vergangenen Jahre ist dramatisch.

Die deutschen Parteien können sich erstmals seit der Wiedervereinigung wieder über ein deutliches Mitglieder-Plus freuen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Parteimitglieder um knapp 22.000 - ein Zuwachs von 1,8 Prozent im Vergleich zu 2016. Das geht aus einer Studie des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer hervor, die die Freie Universität veröffentlicht hat. Sie bezieht sich auf die aktuell im Bundestag vertretenen Parteien.

SPD im Plus, CDU und CSU mit Minus

Die SPD legte erstmals seit Jahrzehnten zu und konnte ihren Vorsprung gegenüber der CDU ausbauen: Ende 2017 hatten die Sozialdemokraten gut 443.000 Mitglieder. Die CDU schrumpfte hingegen auf knapp 426.000 Mitglieder. Gemeinsam mit der bayerischen Schwesterpartei CSU kommt die Union bundesweit allerdings auf mehr als 565.000 Mitglieder. Gleichzeitig waren CDU und CSU aber auch die einzigen im Bundestag vertretenen Parteien, die 2017 ein Mitglieder-Minus zu verzeichnen hatten.

Die FDP profitierte mit einem Plus von 17 Prozent am stärksten von den Gewinnen. Die AfD wuchs um 10,4 Prozent. Die Linke legte um 5,8 Prozent und die Grünen um 5,6 Prozent zu.

"Schulz-Hype", Trump und Bundestagswahl

Das Plus führt in der Summe zu einem lange nicht mehr dagewesenen Zulauf zu den Parteien. "Der Zuwachs der Mitglieder in der SPD war erwartet worden, denn der sogenannte Schulz-Hype nach der Nominierung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten führte in den ersten Monaten des Jahres zu einer Welle von Neueintritten", sagte Niedermayer.

 Oskar Niedermayer - Politikwissenschaftler (picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte)

Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer: Von einer Trendwende kann keine Rede sein

So hätte die SPD von Januar bis März mehr als 15.000 Neumitglieder verzeichnet. Am Jahresende sei deutlich geworden, dass nicht nur die SPD von der allgemeinen politischen Mobilisierung im Jahr der Bundestagswahl profitiert hatte, sondern auch andere Parteien. "Bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei trug der sogenannte Trump-Effekt, eine Eintrittswelle nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA im November 2016, zu der Steigerung bei", sagte Niedermayer. Im Bundestagswahljahr 2017 sei die Eintrittswelle noch deutlich größer ausgefallen als 2013.

Starke Verluste über die Jahre

Von einer Trendwende kann man laut Niedermayer aber nicht sprechen. Seit Anfang der 1990er Jahre haben die Parteien im Schnitt die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. So gab es im Jahr 1990 noch 943.402 Menschen mit einem SPD-Parteibuch, die beiden Unionsparteien hatten zusammen mehr als 975 000 Mitglieder.

wo/uh (dpa, FU Berlin)