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WM-Desaster für deutsche Basketballer

3. September 2019

Zwei Spiele, zwei Niederlagen - für die hoch gehandelte deutsche Basketball-Nationalmannschaft ist bei der WM in China der Traum von einer Medaille früh geplatzt. Star-Spieler Dennis Schröder enttäuscht und schweigt.

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Basketball WM Deutschland - Dominikanische Republik
Bild: picture-alliance/dpa/S. Pförtner

Dennis Schröder hatte keine Lust zu reden - zumindest nicht mit den wartenden Journalisten. Dabei hätten die schon gerne gewusst, wie der Spielmacher der deutschen Basketball-Nationalmannschaft die unnötige und peinliche 68:70 (39:37)-Niederlage gegen das Team der Dominikanischen Republik zu erklären versuchte. Doch der 25-jährige Aufbauspieler der deutschen Auswahl, der in der nordamerikanischen Profiliga NBA bei den Oklahoma City Thunder unter Vertrag steht, verschwand eine Stunde nach der Schlusssirene, ohne etwas zu sagen, im Mannschaftsbus. Dabei hatte er zuvor auf dem Parkett der WM-Halle in Shenzhen noch sehr viel geredet, meistens allerdings mit genervtem Blick: mit seinen Mitspielern, mit den Schiedsrichtern und den Gegnern.

Anführer Schröder entscheidet falsch

Der selbsternannte Anführer des deutschen Teams hatte wie schon bei der WM-Auftaktniederlage gegen Frankreich am Sonntag (74:78) kein gutes Spiel gemacht und die hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden, enttäuscht. Besonders am Ende der Partie gegen den Gegner aus der Karibik, als eine Wende noch möglich war, entschied sich Schröder zweimal falsch. Erst ging er bei einem Angriff mit dem Kopf durch die Wand, statt noch einmal abzubrechen und verlegte einen Korbleger. Dann - als nur noch wenige Sekunden auf der Uhr waren - zog er nicht zum Korb durch, um mit einem Zwei-Punkte-Wurf wenigstens ein Unentschieden und damit die Verlängerung zu erreichen, sondern schleuderte den Ball per Bogenpass nach außen an die Dreierlinie. Danilo Barthel versuchte zwar noch einen Verzweiflungswurf, traf aber noch nicht einmal den Ring.

Basketball WM Deutschland - Dominikanische Republik
Riesenjubel beim Außenseiter Dominikanische Republik: das Team aus der Karibik steht in der ZwischenrundeBild: picture-alliance/dpa/S. Pförtner

Die deutsche Auswahl war im Vorfeld der WM hoch gehandelt worden, sogar die Medaillen seien in Reichweite, sagten nicht wenige Experten. Spätestens mit dem 74:64-Sieg im abschließenden Testspiel gegen Mitfavorit Australien, das zuvor sogar den USA eine historische Niederlage zugefügt hatte, war klar: In diesem deutschen Kader steckt eine Menge Potential. Leider jedoch riefen die wenigsten deutschen Spieler - nicht nur Schöder stand neben sich - dieses Potential ab, als es darauf ankam. Endgültig perfekt war das Scheitern, als Frankreich im späten Gruppenspiel wie erwartet Jordanien schlug. Die Folge: Die WM-Zwischenrunde ist für das DBB-Team unerreichbar, und auch die angestrebte Olympia-Teilnahme nächstes Jahr in Tokio in größter Gefahr.

DBB-Präsident Weiss: "Großer Mist"

"Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Wir sind mit anderen Erwartungen hierhin gefahren", sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB). "Wir haben nicht abgeliefert. Das ist großer Mist." Gleichzeitig erklärte Weiss aber auch, dass es über Bundestrainer Henrik Rödl keine Diskussion geben werde.

Rödl selbst, der das Versagen seiner Mannschaft zwar einigermaßen verzweifelt, aber dennoch mit seiner gewohnt ruhigen und sachlichen Art verfolgte, wählte weniger harte Worte. "Das ist natürlich eine bittere Pille. Es ist klar, dass wir jetzt alle erstmal ein bisschen enttäuscht sind", sagte der 50-Jährige nach der Pleite in Shenzhen, stellte sich aber vor seine Mannschaft: "Wir haben extrem hart gearbeitet. Es war ein superknappes Spiel gegen einen unangenehmen Gegner."

Mehr als ein Betriebsunfall

Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl ratlos beim Interview
Bundestrainer Henrik RödlBild: picture-alliance/dpa/S. Pförtner

Was bei Rödl, der kurz vor der WM noch den 2,11 Meter langen, wurf- und reboundstarken NBA-Profi Moritz Wagner von den Washington Wizards aus dem WM-Kader gestrichen hatte, nur nach einer Art Betriebsunfall klingt, könnte große und gravierende Folgen haben. Deutschland spielt in China nicht um den Einzug in die K.o.-Runde, sondern in der Platzierungsrunde nur noch um die Positionen 17 bis 32. Nächste Gegner sind in Shanghai Kanada und Senegal.

In China werden sieben Direkttickets für Olympia vergeben, Deutschland bekommt keines davon. 16 weitere Teams schaffen es aber zu einem der Olympia-Qualifikationsturniere. Sollte es auch dafür nicht reichen, müsste der DBB hoffen, als eines von zwei europäischen Teams per Nominierung für ein solches Turnier doch noch zugelassen zu werden. Doch auch dann wäre die Olympiateilnahme noch kein Selbstläufer. Denn bei den Qualifikationsturnieren schafft es immer nur der Sieger nach Tokio.