Der Streetscooter sucht seine Chance in China | Wirtschaft | DW | 06.09.2019
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Elektromobilität

Der Streetscooter sucht seine Chance in China

Die Deutsche Post setzt zwar schon seit längerem auf eine klimaschonende Paketzustellung, aber der elektrische Streetscooter war bisher keine lupenreine Erfolgsgeschichte. Nun gibt es eine gute Nachricht aus Fernost.

Die Deutsche Post will mit ihren Streetscootern groß in den chinesischen Markt einsteigen. Zusammen mit dem dortigen Automobilhersteller Chery plant die Post einen angepassten Elektrolieferwagen speziell für China und möglicherweise weitere Länder. Beide Seiten unterschrieben eine Absichtserklärung, wonach ab 2021 in China jährlich bis zu 100.000 E-Fahrzeuge gebaut werden sollen.

Das wäre ein erheblicher Zugewinn für Streetscooter, wie ein Vergleich mit den bisherigen Verkaufszahlen zeigt. Erst vor einer Woche feierte die Bonner Konzernmutter den 10.000. Elektrolaster. Experten werten das China-Vorhaben als richtigen Schritt. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen spricht von einer "großen Chance für Streetscooter". Denn generell sieht der Professor die Autobauer-Aktivitäten der Deutschen Post eher kritisch - die Stückzahlen seien bisher zu niedrig und Produktionskosten zu hoch. "Durch Chery könnte man wegkommen von der teuren Manufakturarbeit und hin zu einer industriellen Serienproduktion".

Schleppendes Geschäft

Es ist schon ein paar Jahre her, dass der Streetscooter große Begeisterung hervorrief bei der Deutschen Post. Damals wurde der Ex-Staatsmonopolist dafür gefeiert, mit dem Start-up den etablierten Autobauern ein Schnippchen geschlagen zu haben. Doch der Wind wurde rauer. Vergangenes Jahr musste ein für Streetscooter zuständiges Bonner Vorstandsmitglied seinen Hut nehmen, in diesem Frühjahr kam es dann zum Chefwechsel bei Streetscooter selbst. Seit längerem erwägt die Konzernspitze einen Verkauf der Sparte oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen Firma.

Deutsche Post Elektrofahrzeug (picture-alliance/dpa/H. Schmidt)

Vor fünf Jahren wurde die Deutsche Post für ihren Einstieg in die Elektromobilität gefeiert

Mit dem chinesischen Partner könnte sich das Blatt wenden. "Der Einstieg in den chinesischen Markt ist ein bedeutender Meilenstein in der noch jungen Geschichte von Streetscooter", erklärte der neue Chef des Stromer-Herstellers, Jörg Sommer. Der Partner Chery, der auf Chinas Markt für Elektromobilität eine große Nummer ist, betont die strategische Bedeutung: "Die enge Zusammenarbeit zwischen Chery und Streetscooter wird Möglichkeiten für beide Seiten schaffen, um den Weltmarkt zu erschließen, insbesondere die EU und China", sagte Chery-Chef Yin Tongyue. Perspektivisch geht Streetscooter von einer Gesamtinvestition von bis zu 500 Millionen Euro aus. Dabei übernimmt China die Finanzierung und Streetscooter bringt sein Know-how, das geistige Eigentum sowie seine Produktionserfahrung bei leichten Nutzfahrzeugen ein.

Deutschland Streetscooter Deutsche Post (picture-alliance/dpa/A. Weigel)

Rund 10.000 E-Fahrzeuge hat die Post bereits, durch das China-Geschäft sollen es mehr werden

Auch an anderen Märkten interessiert

Die ersten Streetscooter für den Regelbetrieb hatte die Deutsche Post 2014 übernommen, im selben Jahr hatte der Konzern das 2010 gegründete Aachener Start-up gekauft. Zu der Eigennutzung kommt eine nicht bekannte Zahl von externen Verkäufen, etwa an Stadtwerke. Nach Auswertung von Behördenzahlen durch die Universität Duisburg-Essen sind in Deutschland insgesamt nur etwa 11.700 Streetscooter zugelassen. Zwar gewährt die Post-Tochter keinen Einblick in ihre betriebswirtschaftlichen Zahlen. Nach Schätzung von Experten schreibt die Firma aber seit langem tiefrote Zahlen, was bei Elektro-Start-ups allerdings nicht unüblich ist.

Das Ausland wäre für den Streetscooter kein komplettes Neuland - im März wurde beispielsweise bekanntgegeben, dass ein japanisches Logistikunternehmen 500 Fahrzeuge kauft. Die China-Produktion würde diese Stoßrichtung noch einmal unterstreichen. Wie stark der neue Streetscooter-Chef die Internationalisierung der Aachener vorantreibt, lässt sich auch aus einer weiteren Wortmeldung ableiten: Die Firma erwägt auch eine Fertigungsstätte in den USA. Eine spezielle US-Version des Elektro-Lieferwagens solle in den kommenden zwei bis drei Jahren in den Vereinigten Staaten vom Band laufen, sagte ein Post-Sprecher.

lh/rb (dpa, afp)

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