Der Problem-Weltmeister | FIFA WM 2018 in Russland | DW | 28.06.2018
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WM 2018

Der Problem-Weltmeister

Der Weltmeister enttäuscht auch im dritten Gruppenspiel und scheidet verdient aus dem WM-Turnier aus. Die Folgen könnten dramatisch sein. Die DFB-Elf steht vor einem Neuanfang. Vielleicht sogar ohne Bundestrainer Löw.

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Der Weltmeister ist raus

Er war der einsamste Mann auf dem Rasen. Toni Kroos kniete an der Mittellinie und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Der Schmerz und die Enttäuschung waren dem Mittelfeldstrategen anzumerken. Der 28-Jährige hatte in der Nachspielzeit dem Südkoreaner Kim unabsichtlich den Ball in die Füße gespielt - und dieser besorgte dann die 1:0-Führung. Damit machte er beim DFB-Team jegliche Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale zunichte.

Während die Südkoreaner nach dem Spiel im Mannschaftskreis den 2:0-Sieg über den Weltmeister feierten, verließ Kroos alleine den Platz der Kazan-Arena. "Es herrscht Enttäuschung und Totenstille in der Kabine", berichtete Joachim Löw später. "Keiner war in der Lage, was zu sagen. Für uns ist das eine riesige Enttäuschung."

Kroos ist einmal mehr zur tragischen Figur des DFB-Teams geworden. Beim Spiel gegen Schweden leistete er sich einen Ballverlust, der zum Rückstand führte, bog das Spiel aber dann noch einmal um und wurde für seinen Freistoßtreffer in der Nachpielzeit bejubelt. Nun war  er erneut Vorlagengeber für den vorentscheidenden Gegentreffer. "Wir waren moralisch tot nach dem Gegentor", sagte Löw. "Da wussten wir, dass wir raus sind."

WM-Aus hochverdient

Kroos' Leistung steht symbolisch für eine vollkommen verkorkste WM des deutschen Teams. Zu behäbig, zu langsam, zu viele Fehler - das Aus des Weltmeisters ist zwar eine Überraschung. Das Ausscheiden aber hochverdient. Auch wenn Spieler und auch die Verantwortlichen stets versucht haben, einen wesentlichen Umstand zu dementieren: Der Weltmeister war weit davon entfernt ein echtes Team zu sein.

Auf dem Platz fehlte die Abstimmung, neben dem Platz haperte es - so wurde es aus internen Kreisen berichtet - an der Kommunikation. "Wir haben einige Punkte, an denen wir ansetzen müssen. Welche Punkte das sind, werde ich nicht mehr öffentlich sagen", erklärte Mats Hummels nach dem Aus, vermied es aber, näher ins Detail zu gehen. Dennoch lassen sich nach diesen Aussagen tiefgreifende Probleme im sensiblen Mannschaftsgefüge vermuten. Das letzte überzeugende Spiel habe man im Herbst 2017 abgeliefert, so Hummels. "Das ist zu lange her."

Löw lässt Zukunft offen

Auch der Bundestrainer vermied eine deutliche Analyse im Anschluss an das Spiel und gab zu: "Es ist im Moment schwierig, eine plausible Erklärung zu finden. Wir haben es nicht verdient, Weltmeister zu werden. Und wir haben es nicht verdient, weiterzukommen."

FIFA Fußball-WM 2018 in Russland | Südkorea vs. Deutschland | Joachim Löw, Bundestrainer (picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

War das der letzte Auftritt von Joachim Löw?

Löw, der für das Spiel gegen Südkorea gleich fünf neue Spieler in seine Startelf beförderte, wirkte auf der Pressekonferenz niedergeschlagen und übernahm die volle Verantwortung für das historische WM-Aus. "Ich trage die Verantwortung und stehe auch dazu", sagte der 58-Jährige. "Auch zu den Wechseln heute. Ich war der Meinung, dass dies die beste Mannschaft ist."

Ob er auch den dringend benötigten Neuanfang als Chefcoach begleiten wird, ließ der Weltmeister-Trainer offen. "Ich bin ein bisschen geschockt und brauche ein paar Stunden. Muss man mal in Ruhe drüber sprechen." DFB-Präsident Reinhard Grindel geht - genauso wie Manager Oliver Bierhoff - von einem Verbleib Löws aus. "Uns war vor dem Turnier bewusst, dass wir nach der WM einen Umbruch brauchen", erklärte Grindel. "Die Überlegungen, die uns dazu gebracht haben, den Vertrag mit Joachim Löw zu verlängern, gelten weiterhin."

Mit Löw wird die Mannschaft erstmal zurück nach Frankfurt fliegen, ohne Pokal im Gepäck, dafür aber mit einer langen Liste von Problemen, die in den folgenden Monaten abgearbeitet werden müssen. Der DFB steht vor einem Neuanfang, der Weltmeister ist in Russland in erster Linie an sich selbst gescheitert.

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