″Der Planet brennt″ | Aktuell Welt | DW | 20.09.2019
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Klimastreik

"Der Planet brennt"

Tanz, Trommeln und Blockaden: Für einen entschiedeneren Kampf gegen den Klimawandel sind Millionen Menschen rund um den Globus auf die Straße gegangen. Dazu aufgerufen hatte Fridays for Future.

"Wir sind nicht nur ein paar junge Leute, die die Schule schwänzen, oder ein paar Erwachsene, die nicht zur Arbeit gegangen sind - wir sind eine Welle der Veränderung. Zusammen sind wir nicht aufzuhalten", sagte die junge Schwedin Greta Thunberg vor zehntausenden Menschen in New York. Die Demonstranten hatten sich am Mittag vor dem Rathaus getroffen und waren dann zum Battery Park gezogen. Die New Yorker Schulverwaltung hatte bereits vor ein paar Tagen angekündigt, dass alle Fehlzeiten an diesem Tag entschuldigt seien.

Ob sich nun 250.000 Menschen an der Südspitze Manhattans versammelt hatten, wie die Organisatoren verkündeten, oder ob es nur rund 60.000 waren, wie das Bürgermeisteramt der Stadt bekanntgab, spielte letztlich keine Rolle: Weltweit waren Millionen Menschen dem Aufruf der Jugendbewegung Fridays for Future gefolgt. Auch in anderen Städten der USA wie etwa Washington, Boston oder Portland gab es Demonstrationen. "Jetzt, wo wir gezeigt haben, dass wir es können, müssen sie zeigen, was sie tun können", sagte die 16-jährige Thunberg an die Teilnehmer des UN-Klimagipfels gerichtet, der am Montag in New York beginnt. "Sie müssen nun Verantwortung übernehmen."

Kenia| Klimastreik | Global Strike 4 Climate | Nairobi (DW/A. Wasike)

Klimastreik in Kenia

Der Klimastreik fand auch in Afrika große Resonanz, wo viele Menschen von Dürren und Zyklonen bedroht sind. Tausende zumeist junge Leute gingen zwischen Tunis im nordafrikanischen Tunesien und Kapstadt in Südafrika auf die Straße, um wirksamen Klimaschutz einzufordern.

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi, Sitz des UN-Umweltprogramms, versammelten sich Augenzeugen zufolge mehrere Hundert Menschen im zentralen Uhuru-Park, um an einem Protestzug zum Umweltministerium teilzunehmen. Sie forderten unter anderem, dass die Regierung Pläne für den Bau eines Kohlekraftwerks aufgibt. "Der Planet brennt" und "Energie für alle", hieß es auf einigen Transparenten.

BG FFF weltweit | Australien | Klimastreik | Global Strike 4 Climate | Brisbane (Getty Images/G. Hunt)

Australien gab den Startschuss für die weltweiten Proteste am Freitag

Allein in Australien folgten rund 300.000 Menschen dem Protestaufruf, wie die Veranstalter mitteilten. Auch in Asien gingen die Menschen auf die Straße. "Wir sind die Zukunft und wir verdienen Besseres", sagte die zwölf Jahre alte Lilly Satidtanasarn in Bangkok. Sie gilt wegen ihrer Kampagne gegen Plastiktüten als "Thailands Greta". Die Erwachsenen "reden nur darüber, aber sie tun nichts", kritisierte sie. "Wir wollen keine Entschuldigungen." In Neu Delhi und Mumbai verließen indische Schulkinder ihre Klassenzimmer, um für mehr Klimaschutz zu streiken.

Proteste auch in Deutschland

Die Jugendbewegung Fridays for Future hatte erstmals ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen, sich an den Freitagsprotesten zu beteiligen. Der Zulauf in Deutschland war groß: Insgesamt haben an den zahlreichen Klimastreikdemonstrationen in Deutschland nach Veranstalterangaben rund 1,4 Millionen Menschen teilgenommen. Davon hätten 270.000 in Berlin und 100.000 in Hamburg protestiert, erklärte Fridays for Future. Bundesweit gab es Kundgebungen in fast 600 Städten im Rahmen eines neuerlichen globalen Klimastreiks. 

Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie "Ihr habt verschlafen, wir sind aufgewacht", "Hört auf, uns zu verKOHLEn", "Kurzstreckenflüge nur für Bienen" oder "Dieser Planet wird heißer als mein Freund". In Berlin standen drei Menschen auf abtauenden Eisklumpen unter einem Galgen - mit einer Schlinge um den Hals. Vereinzelt wurden von Gruppen wie Extinction Rebellion Straßen blockiert, unter anderem in Frankfurt und Berlin. In Frankfurt drangen Protestierer in die Paulskirche ein.

BG FFF weltweit | Deutschland | Klimastreik | Global Strike 4 Climate | Berlin (AFP/Getty Images/A. Schmidt)

In Berlin kamen mehrere Hunderttausend Menschen ans Brandenburger Tor

Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. Auf die Beschlüsse reagierte Fridays for Future auf Twitter mit Kritik. Die Aktivistin Luisa Neubauer schrieb: "Während Hunderttausende klimastreiken, einigt sich die GroKo anscheinend auf einen Deal, der in Ambitionen und Wirksamkeit jenseits des politisch und technisch Machbaren liegt." Und weiter: "Das ist heute kein Durchbruch, das ist ein Skandal."

Zeitgleich tagt der Weltklimarat

Die von Greta Thunberg angestoßene Klimabewegung wird von Schülern und Studenten getragen. Sie fordern von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

In Monaco berät der Weltklimarat IPCC über den Report zu den Auswirkungen der Erderwärmung auf Ozeane und das Eis der Erde. Die mehrtägigen Debatten seien ein "weiterer wichtiger Meilenstein für den IPCC", sagte der Vorsitzende des Rates, Hoesung Lee. Rund 100 Forscher untersuchten die Auswirkungen der menschengemachten Treibhausgase auf Ozeane und Eismassen für den IPCC und fassten das Wissen in einem Bericht zusammen. Nun wollen sie mit Delegierten der IPCC-Mitgliedsstaaten über exakte Formulierungen darin debattieren und den Bericht am 25. September in dem Fürstentum an der Riviera präsentieren.

lh/rb (dpa, afp, rtr, ap) 

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