Der Mann, dessen Abschiebung Elin Ersson verhindern wollte | Nahost | DW | 26.07.2018
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Abgeschoben nach Afghanistan

Der Mann, dessen Abschiebung Elin Ersson verhindern wollte

Eigentlich wollte die Schwedin Elin Ersson die Abschiebung von Ismail Khawari verhindern, als sie ein Flugzeug am Start hinderte. Doch der Mann war nicht an Bord - und ist nun in Afghanistan. DW hat mit ihm gesprochen.

Esmail Khawari (hier: Khanzadeh ) (facebook.com/esmail.khanzadeh)

Der 21-jährige Ismail Khawari wurde aus Schweden nach Afghanistan abgeschoben

Die Protestaktion von Elin Ersson hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: In einem Live-Video bei Facebook dokumentiert sie, wie sie die mutmaßliche Abschiebung eines Mannes nach Afghanistan verhindert - indem sie das Flugzeug am Start hindert. Bevor die 21-jährige Aktivistin an Bord ging, war sie davon ausgegangen, zwei Männer vorzufinden, die abgeschoben werden sollten: einen rund 50-jährigen Mann - und der 26-jährige Ismail Khawari.

Khawaris Familie hatte Ersson und ihr Netzwerk aus Aktivisten kontaktiert - kurz bevor er abgeschoben werden sollte. Gemeinsam vermuteten sie den jungen Mann in einer Maschine der Turkish Airlines von Göteborg nach Istanbul. Ersson kaufte sich ein Ticket und bestieg die Maschine. Ismail Khawari war allerdings nicht an Bord. Er wurde einen Tag später von Stockholm aus nach Kabul abgeschoben. An Bord der Maschine in Göteborg befand sich aber der ältere Mann, der Erssons Aussage nach ebenfalls abgeschoben werden sollte.

Die schwedische Polizei erklärte auf Anfrage, sich zu einzelnen Fällen nicht zu äußern. Sie prüfe aber, ob Elin Ersson mit ihrer Aktion eine Straftat begangen habe. Die Deutsche Welle konnte unterdessen mit Ismail Khawari sprechen und wollte wissen, wie es ihm geht.

Deutsche Welle: Elin Erssons Video von ihrem Protest gegen die Abschiebung von Afghanen wurde auf der ganzen Welt geteilt. Eigentlich aber hat sie das Flugzeug für Sie bestiegen und hielt sogar ein Foto von Ihnen hoch, um auf ihre drohende Abschiebung aufmerksam zu machen. Kennen Sie Elin Ersson persönlich?

Ismail Khawari: Nein, ich kenne diese junge Frau nicht, aber ich danke ihr für ihre Mühe. Leider habe ich sie nicht persönlich getroffen, aber sie hat sehr viel Menschlichkeit bewiesen. Ich habe von dem Ereignis erst hier in Kabul erfahren. Ich denke, dass meine Familie mit ihr im Kontakt stand und die Vermutung hatte, dass ich in dem selben Flieger abgeschoben werden sollte. Mein Handy war aus.

Lebt Ihre Familie in Schweden?

Ja, meine Mutter und meine beiden Schwestern leben in Schweden. Ich bin in Afghanistan geboren, aber ich weiß nicht wo. Als ich sechs Jahre alt war, sind wir in den Iran nach Maschhad geflohen. Dort habe ich gelebt, bevor ich mit 20 dann nach Europa gegangen bin, um ihnen zu folgen.

Konnten Sie sich gut integrieren? Wie sah Ihr Leben in Schweden aus?

Ich durfte in Schweden nicht arbeiten und habe auch nichts gelernt. Und obwohl ich so lange in Schweden gelebt habe, spreche ich kein Schwedisch. Ich hatte viele psychische Probleme und bin nicht rausgegangen.

Warum sind Sie in Abschiebehaft gekommen?

Eigentlich saß ich in Schweden nur zu Hause. Als ich dann dreimal abgelehnt wurde, bin ich nach Deutschland gegangen, um vielleicht dort Asyl zu beantragen. Ich hab dann nach einigen Monaten gemerkt, dass das nichts bringen wird, und bin wieder zurück, um in der Nähe meiner Familie zu sein. Als ich wieder in Schweden war, hat mich die Polizei festgenommen.

Daraufhin war ich acht Monate lang in Abschiebehaft, erst in Malmö, dann in Göteborg und dann in Stockholm. Dort war es schrecklich. Sie haben mich sehr schlecht behandelt, und ich habe es kaum ausgehalten. Es ist grauenhaft und fast schon gruselig. Es heißt Abschiebehaft, aber es ist wie ein Gefängnis, wo man wie Vieh behandelt wird. Die Aufseher sind rassistisch und helfen einem nicht. Sie haben dort nur gesessen und ihre eigenen Spiele gespielt.

Eines Morgens haben sie mich schließlich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Ich habe immer wieder wiederholt, dass meine Familie in Schweden ist und ich nicht weg kann, aber sie haben mir nicht zugehört.

Haben Sie Freunde oder Bekannte in Afghanistan?

Nein, ich kenne hier niemanden. Einen Jungen kenne ich aus der Abschiebehaft, aber sonst niemanden. Ich weiß nicht, wo ich jetzt hin soll.

Das Interview führte Abdul-Bari Hakim.

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