Der lange Anlauf zum Nordkorea-Gipfel | Aktuell Welt | DW | 10.06.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Treffen von Trump und Kim

Der lange Anlauf zum Nordkorea-Gipfel

Nun sind sie beide schon in Singapur, der amerikanische Präsident und der nordkoreanische Machthaber. Gut zwei Tage vor ihrer ersten persönlichen Begegnung. Wofür wird diese lange Zeit gebraucht?

Kim Jong Un war schneller: Am Sonntagnachmittag Ortszeit landete Nordkoreas Machthaber in einem Jumbo der Air China auf dem Flughafen Changi in Singapur. Die Sicherheitsvorkehrungen waren immens: Nach Angaben des Online-Dienstes Flightradar24 war das Flugzeug nach dem Start in Pjöngjang zunächst in Richtung Peking geflogen. Unterwegs habe die Maschine die Flugnummer geändert und nach Süden Richtung Singapur abgedreht, heißt es weiter. Nach der Landung wurde Kim in einem Autokonvoi von mehr als 20 Fahrzeugen, zu dem auch ein überlanger Mercedes gehörte, ins Stadtzentrum gebracht.

Dort traf sich Kim mit dem Ministerpräsidenten von Singapur, Lee Hsien Loong, und lobte anschließend seinen Gastgeber: "Wenn der Gipfel ein Erfolg wird, werden die Bemühungen Singapurs in die Geschichte eingehen." Lee sagte, der Handel mit Nordkorea könne wachsen, wenn erst einmal die UN-Sanktionen gegen das Land aufgehoben seien. "Es gibt Potenzial, aber es wird einige Zeit dauern", sagte Lee der "Straits Times". Singapur, das einst der siebtwichtigste Handelspartner Nordkoreas war, setzte seine Handelsbeziehungen nach den nordkoreanischen Atom- und Raketentests im vergangenen Jahr aus.

Singapur: Nordkoreas Führer Kim Jong Un schüttelt die Hand des Premierministers Lee Hsien Loong (Reuters/E. Su)

Genau um solche Bilder dürfte es Kim Jong Un in diesen Tagen gehen: Er wird als anerkannter Staatsgast von Singapurs Premier Lee Hsien Loong willkommen geheißen

Gespräche hinter den Kulissen?

Donald Trump will sich am Montag mit Lee austauschen. Der US-Präsident ist nach einem 14.000-Kilometer-Flug auf direktem Weg vom G7-Treffen in Kanada erst am Sonntagabend Ortszeit in Singapur angekommen. Nach der Landung auf dem Luftwaffenstützpunkt Paya Lebar antwortete er auf die Frage, wie er den anstehenden Gipfel bewerte: "Sehr gut." Er sei davon überzeugt, dass Kim etwas Positives für sein Volk erreichen wolle. Die koreanische Halbinsel müsse von Atomwaffen befreit werden. Trump wurde von Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan empfangen.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird es mehrere Vorgespräche zwischen Nordkorea und den USA geben. Die beiden Delegationen wohnen in Hotels, die nur wenige Hundert Meter voneinander getrennt sind. Allerdings hatte der US-Präsident immer wieder betont, er müsse sich auf das Treffen nicht "viel vorbereiten". Entscheidend für einen Erfolg seien "Haltung" und "Wille".

Politik nach Bauchgefühl

Der Gipfel findet dann im Luxushotel "Capella" auf der Insel Sentosa statt. Offiziell soll er nur einen Tag dauern. Eine Verlängerung ist denkbar.

Ebenso wie ein vorzeitiger Abbruch: Er werde "binnen einer Minute" wissen, ob Kim ernsthaft bereit sei, seine Waffen aufzugeben, sagte Trump nach seiner Ankunft. Wenn er den Eindruck gewinne, dass Kim es nicht ernst meine, werde er die Gespräche nicht fortsetzen.

Doch selbst wenn auf Sentosa keine Einigung erzielt wird, schreiben die beiden Geschichte. Es wird das erste Treffen eines amtierenden US-Präsidenten mit einem nordkoreanischen Machthaber sein. Und vielleicht ist der Ort der Begegnung ja ein gutes Omen für den Gipfel: Sentosa heißt Frieden.

rb/hka