Der Deutsche Buchpreis 2016 geht an Bodo Kirchhoff | Aktuell Kultur | DW | 17.10.2016
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Aktuell Kultur

Der Deutsche Buchpreis 2016 geht an Bodo Kirchhoff

Bodo Kirchhoff hat den deutschen Buchpreis 2016 gewonnen. Mit "Widerfahrnis" setzte er sich gegen die fünf anderen Kandidaten durch, die es auf die Shortlist des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geschafft hatten.

Was kann einem noch widerfahren als Rentner, wenn der Verlag geschlossen und die Zukunft nicht mehr offen ist? Nun, es kann einem zum Beispiel die Liebe begegnen, in Gestalt eines Romans ohne Titel und einer Hutmacherin, die abends überraschend vor der Tür steht. Bodo Kirchhoff ist Spezialist für unerhörte Begebenheiten. In seiner Novelle über eine späte, unverhoffte Liebe schickt er zwei Menschen auf eine traumhafte Reise nach Sizilien - Italien bleibt das Sehnsuchtsziel der Deutschen. 

Zugleich zeitlos und aktuell

Doch das Idyll trifft auf die Gegenwart: ein verwahrlostes, kleines Flüchtlingsmädchen, das nicht spricht. Das Paar will ihm helfen - aber wo hört die Hilfe auf und fängt die Zwangsbeglückung an? Mit leichtem, ironischem Pathos und in einer sehr präzisen Sprache hat der Routinier Kirchhoff ein gleichzeitig zeitloses und aktuelles Werk geschaffen.

Kirchhoff kann sich über 25.000 Euro freuen, die anderen fünf Finalisten, die es auf die Shortlist geschafft hatten, bekommen jeweils 2.500 Euro: Reinhard Kaiser-Mühlecker für "Fremde Seele, dunkler Wald", André Kubiczek für "Skizze eines Sommers", Thomas Melle für "Die Welt im Rücken", Eva Schmidt für "Ein langes Jahr" und Philipp Winkler für "Hool".

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er will den besten Roman des Jahres in deutscher Sprache küren. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus.

Eine Art Bestseller-Garantie  

Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Unter den vielen literarischen Auszeichnungen genießt der Deutsche Buchpreis inzwischen die höchste Publikumsresonanz. In der Regel schaffen es die Sieger auf die Bestsellerliste.

Im vergangenen Jahr hatte Frank Witzel den Deutschen Buchpreis bekommen - für sein Werk "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969". Am Dienstag (18.10.2016) wird die Frankfurter Buchmesse eröffnet. Bis Sonntag wird sie wieder zehntausende Fachbesucher und Buchliebhaber anlocken.

Bodo Kirchhoff, "Widerfahrnis", Frankfurter Verlagsanstalt, September 2016, 210 Seiten

Kollage Buchtitel

Die sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2016

nf/sf (dpa, deutscher-buchpreis.de, dw)

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