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Politik

Der Corona-Mahner macht Mut für den Sommer

10. Mai 2021

Christian Drosten, der renommierte Virologe von der Charité, lässt angesichts stetig sinkender Infektionszahlen erstmals echte Zuversicht über ein Ende der Pandemie aufkommen.

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Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten
Bild: picture-alliance/dpa/M. Kappeler

Angesichts sinkender Corona-Zahlen hat Top-Virologe Christian Drosten den Bundesbürgern für die warme Jahreszeit Mut gemacht: "Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland", sagte Drosten im ZDF. Drosten zeigte sich ungewöhnlich zuversichtlich angesichts der Entwicklungen. "Ich denke, dass wir zum Juni hin erstmalig Effekte sehen, die der Impfung zuzuschreiben sind." Die aktuelle Entspannung sei indes "wahrscheinlich" noch auf verantwortungsbewusstes Verhalten der Bevölkerung zurückzuführen.

Gegen zu frühe Euphorie 

Gleichzeitig warnte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité vor zu früher Euphorie. Deutschland sei noch nicht so weit wie andere Länder. "Wir müssen länger warten, weil wir noch nicht so weit sind mit unserem Impffortschritt." Sobald eine Impfquote wie in Großbritannien erreicht werde, könne gerade im Außenbereich wieder vieles zugelassen werden, sagte Drosten. Im Vereinigten Königreich seien schon mehr als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, in Deutschland noch nicht einmal zehn Prozent.

In einem Impfzentrum in Köln
In einem Impfzentrum in KölnBild: Oliver Berg/dpa/picture alliance

Für den Herbst werde die Herdenimmunität die Situation in der Bundesrepublik verbessern, zeigte Drosten sich zuversichtlich. Die Krankheit werde dann nicht verschwunden sein, aber eine unkontrollierte Verbreitung werde nicht mehr zustande kommen. Erforderlich sei bei den Erwachsenen "eine sehr hohe Impfquote" gegen das Virus. Nicht Geimpfte hätten dann weiter "volles Risiko sich zu infizieren".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte davor, sich jetzt täuschen zu lassen, auch wenn die dritte Corona-Welle unter Kontrolle scheine. "Wir sind noch nicht ganz überm Berg", sagte der CSU-Chef im "Bild"-Politik-Talk und schloss sogar eine Fortsetzung des Lockdowns mit der Bundes-Notbremse über Juni hinaus nicht aus. Die Notbremse gelte gesetzlich bis zum 30. Juni. "Dann wird man sehen, wie die Gesamtlage ist." Söder fügte hinzu: "Bloß, weil ein Gesetz endet, ist Corona nicht vorbei."

Knapp 7000 Neuansteckungen

Laut Mitteilung des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Morgen wurden in Deutschland innerhalb eines Tages 6922 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Die Zahl der Neuinfektionen war damit um mehr als 5000 Fälle niedriger als am Sonntag. Allerdings liegt an Wochenenden die Zahl in der Regel niedriger als im Wochendurchschnitt, weil dann weniger getestet wird und weniger Ergebnisse übermittelt werden. Am vergangenen Montag waren 9160 Neuinfektionen gemeldet worden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, stieg bundesweit leicht auf 119,1, nach 118,6 am Vortag. Zudem registrierte das RKI 54 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung.

Drive-In-Impfstation im nordrhein-westfälischen Schwelm
Drive-In-Impfstation im nordrhein-westfälischen SchwelmBild: INA FASSBENDER/AFP/Getty Images

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geht davon aus, dass Hotels und Pensionen in Deutschland im Sommer wieder Gäste empfangen können. Aus seiner Sicht sollten sich Bund und Länder gemeinsam darauf verständigen, "dass wir Schritt für Schritt die Öffnungen machen - und zwar so, dass im Sommer auch Urlaub in Deutschland möglich ist", sagte der CDU-Politiker in der ARD.

Die Kommunen forderten von Bund und Ländern einen konkreten Öffnungsfahrplan. Angesichts der Impffortschritte und der Möglichkeiten im Freien im Sommer "sollten sich Bund und Länder bereits jetzt auf einen klaren Öffnungskatalog verständigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Darauf warten nicht nur die Menschen, sondern auch die Hotels, Gaststätten und die Tourismuswirtschaft."

Priorisierung von Johnson & Johnson-Impfstoff weg

Bund und Länder hoben unterdessen die Priorisierung für den Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson auf. Allerdings empfehle die Ständige Impfkommission (Stiko) den Einsatz des Vakzins nur für Menschen ab 60 Jahren, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin mit. Grund seien sehr seltene, aber ernsthafte Hirnvenenthrombosen. Jüngere sollen das Vakzin aber nach Aufklärung durch einen Arzt weiter nutzen dürfen. 

Mit der Aufhebung der Priorisierung gebe man wie bei dem Impfstoff von AstraZeneca allen die Möglichkeit nach einer ärztlichen Aufklärung mit dem J&J-Impfstoff geimpft zu werden. "Genauso wie wir es bei AstraZeneca machen, werden wir es auch bei Johnson & Johnson machen", betonte Spahn. Der Vektorvirenimpfstoff hat den Vorteil, dass er im Vergleich zu anderen Wirkstoffen leicht lagerbar ist. Außerdem ist beim J&J-Vakzin nur eine Dosis zur Immunisierung notwendig.

Bei dem Impfstoff von J&J war es zu Fällen von seltenen Thrombosen nach der Impfung gekommen, die vor allem bei Frauen unter 60 Jahren auftraten. Die USA hatten die Impfungen mit dem Vakzin deshalb vorübergehend ausgesetzt. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte dem J&J-Impfstoff nach einer Überprüfung wegen der Thrombosefälle grünes Licht gegeben. Ihrer Ansicht nach überwiegen die Vorteile die Risiken, auch wenn es eine mögliche Verbindung zwischen der Impfung und sehr seltenen Fällen von ungewöhnlichen Blutgerinnseln gibt.

sti/ww (afp, dpa, rtr)