Demokratische Republik Kongo bezwingt Ebola-Virus | Afrika | DW | 24.07.2018
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Gesundheit

Demokratische Republik Kongo bezwingt Ebola-Virus

Die Demokratische Republik Kongo hat in weniger als drei Monaten den jüngsten Ebola-Ausbruch beenden können. Welche Lektionen lassen sich für andere Länder aus diesem erfolgreichen Einsatz ziehen?

Der Regierung der Demokratischen Republik Kongo ist mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Ärzten ohne Grenzen das gelungen, was bis vor kurzem kaum jemand für möglich gehalten hatte: Weniger als drei Monate nach Registrierung des erstens Ebola-Falls im Nordwesten des Landes konnte das Gesundheitsministerium den Ausbruch für beendet erklären. Gesundheitsminister Oly Illungo bezeichnet dies als einen "außergewöhnlichen Erfolg". "Durch die schnelle Reaktion der Regierung und der Einbeziehung der Bevölkerung konnten wir die Situation innerhalb von sieben Wochen unter Kontrolle bringen", so Illungo im DW-Interview.

Seit April dieses Jahres hatten die Behörden 53 bestätigte und mögliche Fälle der Krankheit erfasst - 29 davon verliefen tödlich. Der Ausbruch war bereits der neunte in der DR Kongo seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1976. Doch erstmals erreicht es nun auch eine Großstadt: Vier Ebola-Fälle gab es laut Gesundheitsministerium in der 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt Mbandaka am Kongo-Fluss. 

Infografik Ebola Kongo 2018 DE

Behörden und Helferorganisationen befürchteten, das Virus könnte sich über die stark befahrene Flussroute auch in die rund 600 Kilometer entfernte Hauptstadt Kinshasa ausbreiten. Das konnte allerdings verhindert werden. "Im Grunde ist es sehr ermutigend zu sehen, dass man so einen Ausbruch sogar eindämmen kann, wenn eine Großstadt involviert ist", sagt Maximilian Gertler von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Dies sei nur durch den massiven Einsatz aller Beteiligten möglich gewesen.

11.000 Tote bei Ebola-Katastrophe in Westafrika

Bei vielen rief der jüngste Ebola-Ausbruch im Kongo die Epidemie in Westafrika 2014/15 in Erinnerung. Damals starben mehr als 11.000 Menschen in Liberia, Guinea und Sierra Leone. "Wir hatten es in Westafrika mit einer viel mobileren Bevölkerung in einer dicht besiedelten Region zu tun", erklärt Gertler. Er war damals für Ärzte ohne Grenzen in Guinea im Einsatz. "Das hat eine enorme, andere Dynamik, als wenn sehr dünn besiedelte Regionen betroffen sind, wie wir das aus den alten Ausbrüchen kannten". Das Virus habe sich dann relativ schnell in städtische Räume übertragen.

Viele hatten den Ausbruch damals lange Zeit unterschätzt: Die lokalen Regierungen, die WHO und die Helfer schienen mit dem Ausmaß der Katastrophe überfordert zu sein. "Hinzu kam, dass die internationale Gemeinschaft die Menschen lange Zeit regelrecht allein gelassen hat", sagt Gertler.

Infografik Ebola Westafrika 2014/15 DE

Ebola zählt zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Das extrem ansteckende Virus überträgt sich über Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch. Rund die Hälfte der Ansteckungen verläuft tödlich. Der Virus löst schwere infektiöse Fiebererkrankungen aus, im Endstadium bluten die Betroffenen aus allen Körperöffnungen. Forscher vermuten den Ursprung des Virus in fledermausartigen Tieren im zentralafrikanischen Urwald. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist durch den Verzehr von infiziertem Wildfleisch. Hat der Virus einmal die Artengrenze übersprungen, infizieren sich häufig Angehörige und Helfer bei den Patienten oder Leichnamen. Auch bei dem aktuellen Ausbruch haben sich nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministeriums vier Menschen auf einer Beerdigung angesteckt.

Akteure haben ihre Lektion gelernt

Dass sich der Ebola-Ausbruch im Kongo nicht zu einer Epidemie wie in Westafrika ausweiten konnte, hat auch mit der Geschichte des Landes zu tun. "Wir haben in der Demokratischen Republik Kongo viel Erfahrung bei der Bewältigung von Ebola-Ausbrüchen", sagt Jean-Jacques Muyembe von der Ebola-Beratungsgruppe der WHO im Kongo. Dadurch habe man schnell reagieren können. Kranke wurden umgehend isoliert, Kontaktpersonen überwacht und bei Anzeichen erster Symptomen ebenfalls isoliert. Dafür hat das Nationale Institut für Biomedizinische Forschung drei mobile Laboratorien in der betroffenen Region eingesetzt. Außerdem gab es groß angelegte Aufklärungskampagnen.

DR Kongo Ebola Ausbruch (Reuters/K. Katombe)

Mitarbeiter des kongolesischen Gesundheitsministeriums mit der ersten Charge des experimentellen Ebola-Impfstoffs

Die internationale Gemeinschaft scheint ebenfalls ihre Lektionen aus der verheerenden Katastrophe in Westafrika gezogen zu haben und hat zügig Helfer und Ressourcen mobilisiert. Außerdem verabreichten WHO und Ärzte ohne Grenzen bis Ende Juni 3.330 Menschen einen experimentellen Impfstoff gegen das Ebola-Virus. Dabei handelte es sich vor allem um Personen, bei denen ein hohes Risiko bestand, mit dem Virus in Kontakt zu kommen, beispielsweise medizinisches Personal und Helfer. "Wir sind nun alle sehr gespannt, welchen Anteil die Impfungen an dem Erfolg haben", sagt Epidemiologe Gertler. Der Wirkstoff befinde sich zwar noch in der Forschung, sei aber vielversprechend. 

Laut Gertler hat Ärzte ohne Grenzen mittlerweile ihre Ebola-Einrichtungen an lokale Organisationen übergeben. Der Mediziner hofft, dass diese künftig nicht mehr der Behandlung des gefährlichen Virus, sondern anderer Erkrankungen wie Malaria, Masern oder Cholera dienen werden - den größten Todesursachen in der Demokratischen Republik Kongo.

Mitarbeit: Eric Topona

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