Dax zwischen Depression und Höhenrausch | Wirtschaft | DW | 30.12.2020
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Börse

Dax zwischen Depression und Höhenrausch

Zum Ende des Börsenjahres haben die Anleger den Fuß vom Gas genommen. Gewinnmitnahmen und ein stärkerer Euro bremsten den deutschen Leitindex auf hohem Niveau aus. Das Börsenjahr 2020 war außerordentlich ereignisreich.

Der Dax hat am Ende eines turbulenten Börsenjahres leicht nachgegeben. Der deutsche Leitindex schloss am Mittwoch in einem ruhigen Geschäft 0,31 Prozent tiefer bei 13.718,78 Punkten, nachdem er bereits am Vortag nach einem Rekord ein wenig geschwächelt hatte.

Der MDax der mittelgroßen Werte schloss am Mittwoch 0,38 Prozent tiefer bei 30.796,26 Punkten, während der Nebenwerteindex SDax nahezu auf der Stelle trat. Auch diese beiden Börsenbarometer hatten am Vortag Höchststände erreicht. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab zuletzt um 0,17 Prozent nach. "Aber eine Trendwende sieht anders aus, weshalb der Blick in den Jahresstart 2021 für den Dax durchaus weiter positiv ausfallen dürfte", beruhigt Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets.

Versöhnlicher Abschluss

Gemessen am Schlussstand Ende 2019 von 13.249,01 Punkten verbuchte der Dax trotz des zwischenzeitlichen Corona-Crashs noch ein Jahresplus von 3,5 Prozent. Die Indizes der zweiten Börsenreihe haben sich in diesem Zeitraum noch besser geschlagen: Der MDax der mittelgroßen Werte schaffte einen Anstieg von 8,8 Prozent und bei dem Nebenwerteindex SDax steht gar ein Gewinn von 18 Prozent zu Buche.

Börse in Frankfurt/Main

"Zwischen den Jahren", in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester, ging der Dax noch einmal durch die Decke

Den letzten Schub zum Rekord gaben dem Dax nach Weihnachten der Brexit-Deal und das US-Konjunkturpaket. Zudem wird der deutsche Leitindex seit längerem von der Hoffnung auf sichere und effektive Impfstoffe gegen das Corona-Virus gestützt. Mittlerweile haben die Impfungen in vielen Ländern begonnen.

Am Dienstag durfte der Dax schon in Richtung der 14.000 Punkte schielen, dann aber bekamen die Anleger kalte Füße. Mit einem Rekord von 13.903 Punkten sind sie für das neue Börsenjahr eine Hypothek eingegangen, da eine erhoffte Erholung von der Virus-Krise schon vorweg genommen wird.

Jahr der Extreme

Auf den ersten Blick sieht die Jahresbilanz des Dax zwar unspektakulär aus. Doch dahinter verbergen sich schwindelerregende Kursturbulenzen, vor allem ausgelöst durch die Coronavirus-Pandemie. Sie brockten dem deutschen Leitindex im März zwei der zehn größten Tagesverluste seiner mehr als 30-jährigen Geschichte ein.

Auf der Haben-Seite verbuchte er unter anderem den drittgrößten Tagesgewinn, und mit einem Plus von 15 Prozent legte er noch nie in einem November so stark zu wie 2020. Im Vergleich zu seinem Tief aus dem März legte der Dax bis zum Jahresende fast 70 Prozent zu.

Seuchenjahr mit Happy End

2020 war der Begriff "Corona-Pandemie" auch an der Börse das Wort des Jahres, denn der Corona-Crash von Ende Februar bis Mitte März hat schon jetzt einen festen Platz in der Historie des Leitindex. Das böse Erwachen kam ausgerechnet am Rosenmontag, dem 24. Februar. Statt ausgelassener Karnevalsfreude herrschte an der Börse auf einmal Alarmstimmung: Die rasche Ausbreitung des Virus in Ländern außerhalb Chinas riss den Dax in die Tiefe.

Die steile Talfahrt endete erst gut drei Wochen später, am 16. März, bei 8255 Punkten. Erst massive Geldspritzen der Notenbanken und Regierungen für die unter Lockdowns darbende Wirtschaft brachten eine außergewöhnlich schnelle Wende.

"Getrieben von der Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie sowie der Brexit-Einigung ist dem deutschen Leitindex eine Jahresendrally gelungen", fasst Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG das Jahr 2020 zusammen. Außerdem habe der Dax noch Luft nach oben. "Das erste Etappenziel ist dann die psychologische Marke bei 14.000 Zählern."

dk/nm (dpa, rtr)