Das tödliche Versagen der rumänischen Polizei | Aktuell Europa | DW | 28.07.2019
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Der Fall Alexandra

Das tödliche Versagen der rumänischen Polizei

Eine 15-Jährige wird entführt. Nach einem Tag meldet sie sich bei der Polizei, gibt Hinweise auf ihren Aufenthaltsort. Die Beamten kommen erst nach 19 Stunden. Da ist das Mädchen bereits tot.

Rumänien Bukarest Demonstration nach Tod von 15 Jähriger (Getty Images/D. Mihailescu)

Kein Vertrauen mehr in Polizei und Justiz: "Rumänien wird ermordet"

Der Fall Alexandra sorgt in Rumänien für Entsetzen. Tausende Menschen haben in der Hauptstadt Bukarest gegen Polizei und Regierung protestiert. Sie warfen den Ermittlern "Inkompetenz" vor und forderten den Rücktritt der regierenden Sozialdemokraten. Zuvor hatte Innenminister Nicolae Moga den Chef der rumänischen Nationalpolizei gefeuert. Es seien "drastische Maßnahmen" in dem Fall nötig, sagte Moga. Im Gedenken an die ermordete Jugendliche legten viele Menschen Blumen vor dem Innenministerium nieder und zündeten Kerzen an.

Die 15-jährige Alexandra war am Mittwoch verschwunden, als sie versuchte, per Anhalter in ihren Heimatort Dobrosloveni im Süden des Landes zu gelangen. Am Donnerstag konnte sie drei Mal den Notruf wählen und der Polizei Hinweise zu dem Ort geben, an den ein Autofahrer sie mitgenommen hatte. "Er kommt, er kommt", sagte sie nach Angaben des inzwischen entlassenen Polizeichefs von Rumänien, Ioan Buda, bevor ein Telefonat mit ihr abriss.

Ein Verdächtiger wurde gefasst, aber ...

Mehr als zwölf Stunden benötigte die Polizei, um das Gebäude ausfindig zu machen, aus dem Alexandra telefoniert hatte. Obwohl in Notfällen wie diesem kein Durchsuchungsbefehl gebraucht wird, beantragten die Ermittler einen solchen - und warteten dann noch einmal bis zur Morgendämmerung, um das Haus zu durchsuchen. Bis dahin waren bereits 19 Stunden seit dem letzten Anruf des Mädchens vergangen.

Rumänien Bukarest Demonstration nach Tod von 15 Jähriger (Getty Images/D. Mihailescu)

Stille Trauer - deutlicher Protest

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Samstag wurde ein 65-jähriger Verdächtiger festgenommen. Ermittler hatten bei der Durchsuchung seines Hauses und des Gartens menschliche Überreste und Schmuck von Alexandra gefunden. Der Verdächtige beteuerte, die Jugendliche niemals getroffen zu haben und unschuldig zu sein. Er konnte jedoch nicht erklären, warum Alexandra sein Telefon benutzt hatte.

... für Alexandra kam jede Hilfe zu spät

"Warum ist die Polizei nicht früher eingeschritten?", fragte der Demonstrant Cristian Nan. Dies müssten "alle" beantworten - von Polizei über Staatsanwaltschaft bis hin zur Regierungschefin Viorica Dancila. Auch für Präsident Klaus Iohannis ist es "zwingend" nötig, dass all jene ihren Rücktritt erklärten, die mit dem Fall Alexandra falsch umgegangen seien.

Die Polizei sieht inzwischen Verbindungen zu einem weiteren Vermisstenfall: Eine 18-Jährige aus einem nahegelegenen Dorf, die seit April vermisst wird, könnte demselben Täter zum Opfer gefallen sein.

Der Fall Alexandra wirft auch ein Schlaglicht auf die von der EU scharf kritisierte Justizreform des Landes. Die Demonstranten in Bukarest warfen den regierenden Sozialdemokraten vor, mit den umstrittenen Änderungen das Strafrechtssystem zu schwächen.

rb/kle (afp, ap, rtr)

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