Das Jahrhundertprojekt Sagrada Familia
Nach mehr als 140 Jahren Bauzeit ragt Gaudís Meisterwerk als nunmehr höchste Kirche der Welt in den Himmel über Barcelona. Doch ein Streit mit Anwohnern könnte die Vollendung des Jahrhundertprojekts erneut ausbremsen.

Die Sagrada Familia auf Rekordhöhe
Eine massive Steinplatte trägt das Kreuz auf der zentralen Turmspitze der Sagrada Familia. Schon mit dieser Platte übertraf der Turm den des Ulmer Münsters (161,50 Meter) in Süddeutschland, das bis dahin höchste Gotteshaus der Welt. Nach 144 Jahren Bauzeit hat das Wahrzeichen von Barcelona nun ihre finale Höhe erreicht. Vollendet ist das Meisterwerk von Antoni Gaudí damit noch längst nicht.
Endgültige Höhe erreicht!
Mit der Installation des riesigen Kreuz an der Spitze des Hauptturms ist das oberste Segment der berühmten Basilika vollendet. Damit erreicht sie ihre endgültige Höhe von 172,50 Metern. Nachts soll das Kreuz, das in Deutschland hergestellt wurde, beleuchtet werden. Und von jedem seiner vier Arme soll dann ein Lichtstrahl ausgehen. Ein Fahrstuhl wird zu einer Plattform am Fuß des Kreuzes führen.
Gaudís Demut gegenüber der Natur
Mit der Fertigstellung des 17 Meter hohen Kreuzes werde das Projekt zu fast 80 Prozent abgeschlossen, hatte der verantwortliche Architekt Jordi Faulí erklärt. In ihrer Gesamthöhe wird die Basilika unterhalb der 177 Meter des Montjuïc-Hügels in Barcelona bleiben. So hatte es der fromme katalanische Architekt Antoni Gaudí festgelegt. Er hatte den seines visionäres Werks 1883 begonnen.
Weihe zum 100. Todestag Gaudís
Nach dem Abbau der Gerüste soll der Turm am 10. Juni feierlich gesegnet werden, genau 100 Jahre nach Gaudís Tod. Ob Papst Leo XIV. zur Zeremonie nach Barcelona reist, ist noch offen. Gaudí selbst wird auf jeden Fall zugegen sein, er ist in der Krypta der Basilika beigesetzt.
Ein Innenraum voller Licht und Formen
Ein Licht- und Formenmeer: Der Innenraum der Sagrada Familia ist seit 2010 weitgehend fertiggestellt. Keine Säule gleicht der anderen, jede Form und jedes Detail hat eine Bedeutung. Das helle, fünfschiffige Gewölbe erinnert an einen Palmenwald und sorgt für die beeindruckende Atmosphäre des Bauwerks. Papst Benedikt XVI. hatte den Kirchenbau geweiht und zur Basilika erhoben.
Touristen sorgen für neue Finanzkraft
Die private Baukommission wollte die Arbeiten an der Sagrada Familia ursprünglich noch in diesem Jahr abschließen. Aber die Covid-19-Pandemie legte den Tourismus lahm, womit die wichtigste Einnahmequelle des meistbesuchten spanischen Monuments zeitweilig versiegte. Doch 2024 strömten schon wieder 4,8 Millionen Besucher herbei und füllten die Kassen der Basilika mit Eintrittsgeldern und Spenden.
Streit um Fertigstellung
Der Vorstand der Sagrada Familia zögert, einen neuen Fertigstellungstermin zu nennen. Zumal es Widerstand aus der Nachbarschaft der Basilika gibt: Umliegende Gebäude mit bis zu 3000 Bewohnern könnten der geplanten Glorienfassade, die den Haupteingang prächtig gestalten soll, zum Opfer fallen. Zudem sollen noch vier Glockentürme und eine Freitreppe vor dem Eingang entstehen.
Widerstand der Anwohner
Die Anwohner kämpfen seit Jahren gegen die Baupläne, wie hier bei einer Demonstration im Februar 2019. "Unsere Häuser sind legal", sagt Salvador Barroso, Vorsitzender einer Anwohnervereinigung. Die Mitglieder befürchten, ihre rechtmäßig erworbenen Wohnungen könnten durch das Projekt bedroht sein.
Gaudís Vision & Hoffnung auf Einigung
Aus Sicht der Anwohner entspricht die geplante Freitreppe auch nicht Gaudís ursprünglichem Entwurf. Viele seiner Modelle wurden im Spanischen Bürgerkrieg zerstört, doch Architekt Faulí betont, die Arbeiten würden den Wünschen Gaudís folgen. Er hofft auf eine faire Lösung für die Glorienfassade und auch das Rathaus strebt eine Einigung zwischen Anwohnern und Baukommission an.