Das bringt die Deutschland Tour | Sport | DW | 28.08.2019
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Radsport

Das bringt die Deutschland Tour

Eine Strecke auf den Spuren des Mauerfalls, Stars wie Julian Alaphilippe oder Geraint Thomas - die Deutschland Tour will im zweiten Jahr seit ihrer Wiederbelebung wieder zum Publikumsmagneten werden.

Deutschland Tour 2019 Radsport (picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Die Deutschen müssen mit ihrer - wieder einmal - neubelebten Rundfahrt noch warm werden.

Ein Weltklasse-Feld

Keine Frage, dieses Peloton würde auch größeren Rundfahrten gut zu Gesicht stehen: Die Deutschland Tour, die am Donnerstag in Hannover beginnt und am Sonntag in Erfurt endet, bringt trotz der gleichzeitig stattfindenden Vuelta (beide veranstaltet von der Tour-de-France-Organisation ASO) ein erlesenes Feld an den Start. Allen voran Ex-Tour-Sieger Geraint Thomas vom dominierenden Team Ineos sowie der französische Senkrechtstarter Julian Alaphilippe aus dem Deceuninck-Quick-Step-Rennstall. Beide lieferten sich auf den Straßen der Tour de France einen packenden Kampf um das Gelbe Trikot, das am Ende aber Thomas' Teamkollege Egan Bernal gewann.

Deutschland Tour 2019 Radsport (picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Star der Gegenwart und Star der Zukunft: Julian Alaphilippe (r.) und Remco Evenpoel (l.)

Alaphilippe wurde mit seinen 14 Tagen im Gelben Trikot zum Publikumsliebling der Grande Nation und ist auf den kurzen Rampen der D-Tour definitiv zu beachten. Sowohl er als auch Geraint Thomas nutzen die viertägige Rundfahrt zur Vorbereitung auf die WM in Yorkshire Ende September. Ähnliches dürfte wohl der erfahrene Italiener Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) im Sinn haben, der bereits Tour, Giro und Vuelta gewinnen konnte. Dazu kommen Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski (Ineos), Norwegens Sprinter Alexander Kristoff (Team UAE), der Brite Mark Cavendish (Team Dimension Data), Australiens Caleb Ewan (Lotto-Soudal) und eine Reihe deutscher Hoffnungen wie der Tour-Vierte Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe), der Vorjahres-Zweite der Deutschland Tour Nils Politt (Team Katusha) oder Sprint-"Gorilla" André Greipel (Team Arkéa-Samsic), der dringend wieder ein Erfolgserlebnis braucht.

Eine Strecke mit historischem Bezug

Knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer begibt sich die Deutschland Tour auf geschichtsträchtiges Terrain: Vier Etappen führen durch vier Bundesländer und vier Mal wird dabei die ehemalige innerdeutsche Grenze passiert. Ein Tribut an die Geschichte des Gastgeberlandes, wie ihn die ASO immer wieder gerne auch bei historischen Anlässen im Rahmen der Tour de France leistet. Der Startschuss der 717,5 Kilometer langen Strecke fällt in Hannover, von dort geht es ein erstes Mal über den ehemaligen Grenzstreifen nach Halberstadt, wo eine Sprintankunft wartet, die sich der Deutsche Pascal Ackermann (Bora-hansgrohe), "dick angestrichen" hat. Aus dem hessischen Marburg geht es dann über Göttingen erneut in das Gebiet der ehemaligen DDR, nach Eisenach. Zielort ist Thüringens Landeshauptstadt Erfurt. Um größere topografische Schwierigkeiten in den Alpen oder im Schwarzwald macht die Deutschland Tour damit erneut einen Bogen. Die nur vier Etappen zwingen zur Fokussierung - auf flache bis mittelschwere Tagesabschnitte in der Mitte Deutschlands.

Infografik Deutschland Tour 2019 DE

Vier Mal passiert die Deutschland Tour die ehemalige innerdeutsche Grenze

Einen spannenden Kampf um Rot

Die wellige, aber nicht zu anspruchsvolle Strecke erlaubt vielen Fahrern vom Gesamtsieg zu träumen. Ohne ein Zeitfahren und ohne eine Bergetappe kann auch ein erfolgreicher Fluchtversuch eines Außenseiters am Ende zum Sieg führen. Der Führende wird wieder das Rote Trikot tragen und dieses dürfte mehrmals während der vier Tage den Besitzer wechseln. Stehen zum Auftakt in Halberstadt noch die Sprinter im Fokus, könnten es auf dem welligen Schlusskurs in Göttingen schon angriffslustige Fahrer sein. Die beiden letzten Etappen in Thüringen sind mit ihren vielen kleineren Anstiegen ideales Terrain für Klassikerjäger wie Julian Alaphilippe (wenn er nach den Feierlichkeiten zur erfolgreichen Tour schon wieder in Form ist), den Italiener Diego Ulissi (UAE), Flandern-Sieger Alberto Bettiol (Education First) oder den Roubaix-Zweiten Nils Politt.

Einen Ausblick in die Zukunft

Im Radsport findet gerade ein Generationenwechsel statt. Mit Egan Bernal gewann ein 22-Jähriger die Tour. Doch auch hinter ihm drängen mit Macht neue Namen auf die große Bühne, die lange denselben Namen gehörte. Zum Beispiel Remco Evenpoel (Deceuninck-Quick-Step), ein Name, den man sich merken sollte. Der 19-jährige Belgier wird in seiner Heimat mit keinem Geringeren als Eddy Merckx verglichen und startet mit guter Form bei der Deutschland Tour: Er holte kürzlich in San Sebastian seinen ersten Klassikersieg. Aber auch Caleb Ewan, mit 25 Jahren der erfolgreichste Sprinter der zurückliegenden Tour de France, ist zu beachten. Gleiches gilt für den 24-Jährigen Odd Christian Eiking (Wanty-Gobert) aus Norwegen, der kürzlich bei der Arctic Tour auf Norway eine Bergankunft gewann. Oder aber der 22-jährige Lennard Kämna (Sunweb), Deutschlands Hoffnung bei größeren Rundfahrten, der eine Sunweb-Mannschaft ausschließlich mit Nachwuchsfahrern anführt. Die Deutschland Tour ist ein durchaus spannender Blick in die Zukunft des Radsports.

Ein Sportfest?

Radsport Deutschland Tour - 4. Etappe (picture-alliance/dpa/F. Kästle)

Sorgt Nils Politt für einen Heimsieg bei der Deutschland Tour? Im Vorjahr war er ganz nah dran und gewann eine Etappe.

Gut 3,5 Millionen Menschen sahen das Rennen im Vorjahr allein in Deutschland im Fernsehen, 125.000 an der Strecke, sagen die Veranstalter. Die Stimmung in den Zielorten der ersten Tour 2018 nach einer elfjährigen Pause war gut, die Straßen gesäumt mit viel Publikum, unterwegs waren die Reihen jedoch noch etwas lichter. Die Deutschen müssen erst wieder richtig warm werden mit ihrer Landesrundfahrt, die mehrfach in ihrer Geschichte für Jahre ausfiel. Das neue Konzept der ASO ist langfristig betont Organisationschef Claude Rach: "Wir wollen wirklich eine Deutschlandtour werden, an der alle Bundesländer beteiligt sind" – also eine deutlich längere Tour. Das Rennen, das weltweit durch mehr als 40 Fernsehsender übertragen wird, setzt dabei auch auf den Mitmachfaktor. Wie im Vorjahr sollen bei Events im Rahmenprogramm mehr als 5000 Menschen selbst teilnehmen - zum Beispiel bei Kinder- und Jugendwettbewerben oder beim Jedermannrennen in Erfurt. Die Veranstalter hoffen so auf eine langfristige Bindung zwischen dem Rennen und den Deutschen.

Kristina Vogels Rückkehr aufs Rad

Radsport | Bahnrad-Weltcup in Berlin (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Lebt Lebensfreude: Kristina Vogel steigt bei der Deutschland Tour aufs Handbike

Am Rande des Rennens wird es zu einer emotionalen Szene kommen: Die ehemalige Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel wird mehr als ein Jahr nach ihrem verheerenden Trainingsunfall wieder auf ein Rad steigen. Zwar ist die 28-Jährige durch den Unfall querschnittsgelähmt, doch auf einem speziell angefertigten Handbike will sie einen Kinderwettbewerb in Erfurt begleiten. "Kristina hat bereits auf dem Handbike geübt", verriet ihr Manager Jörg Werner im Gespräch mit der DW. Vogel selbst will eine starke Botschaft aussenden: "Ich möchte den Kids zeigen: Ganz egal, welche Hindernisse es gibt, seid stark und lasst keine Ausreden zu."

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