Daimler mit drastischem Gewinneinbruch | Wirtschaft | DW | 06.02.2019
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Autoindustrie

Daimler mit drastischem Gewinneinbruch

Der Gewinn des Autokonzerns ist im vergangenen Jahr unter dem Strich fast um ein Drittel geschrumpft. In Zukunft solle alles besser werden, kündigt der scheidende Vorstandschef Dieter Zetsche an - aber wie?

Ist Dieter Zetsche eine lahme Ente (lame duck)? Zumindest glaubt das der Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. "Mag sein, dass er einige Probleme nicht mehr mit dem nötigen Ernst angegangen ist", sagt Schwope im Gespräch mit der DW, "aber ich denke, das wird sich deutlich ändern, wenn die Konzernführung an den bisherigen Daimler-Entwicklungschef Ola Källenius übergeben wird".

Jedenfalls hat der scheidende Daimler-Chef mit seiner letzten Jahresbilanz einen herben Gewinneinbruch präsentieren müssen. Zetsche kündigte bereits Gegenmaßnahmen in der wichtigen Pkw-Sparte an - ohne allerdings Details zu nennen.

Abschied nach 13 Jahren an der Konzernspitze

"Wir sind in der Erarbeitung dieses Programms", sagte der Manager am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Solange Umfang und einzelne Bestandteile nicht feststünden, könne er sich dazu nicht weiter äußern. Die Umsetzung liege aber in der Verantwortung des neuen Vorstandsteams, dem Zetsche nach 13 Jahren an der Konzernspitze bald nicht mehr angehören wird. Die Wahl seines Nachfolgers findet auf der Hauptversammlung im Mai statt.

Produktion bei Daimler Mercedes S-Klasse (picture-alliance/dpa)

Probleme mit den PKW: Daimler-Produktion in Sindelfingen

Das Konzernergebnis war 2018 unter anderem wegen eines schwachen Autogeschäfts um fast ein Drittel eingebrochen. Die Profitabilität der wichtigen Pkw-Sparte hatte im vergangenen Jahr auch unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China und Auslieferungsstopps bei einzelnen Dieselmodellen gelitten.

Geringere Umsatzrendite

Die Umsatzrendite in dem Geschäftsbereich, die den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz anzeigt, lag 2018 nur noch bei 7,8 Prozent (2017: 9,4 Prozent). "Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein", sagte Zetsche. In der Regel peilt der Konzern hier einen Wert von acht bis zehn Prozent an. Das sieht Daimler nun aber erst wieder 2021 im Rahmen des Möglichen. 2019 soll die Pkw-Rendite zwischen sechs und acht Prozent liegen.  

2018 brach das Ergebnis des Konzerns unterm Strich um 29 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro ein. Den Umsatz konnte Daimler vor allem dank der Lastwagensparte um zwei Prozent auf 167,36 Milliarden Euro steigern.

Wie wird der Konzern in zehn Jahren aussehen?

"Es geht jetzt darum, ob Daimler in zehn Jahren noch Bestand hat", mahnt der Fonds-Chef Bert Flossbach. Er und andere wichtige Investoren erwarten klare Sparziele vom Konzern. "Daimler muss noch mehr Anstrengungen unternehmen, um effizienter zu werden", sagt der Autoexperte der Fondsgesellschaft Union Investment, Michael Muders. "Man muss sich über die Fertigungstiefe des Konzerns unterhalten, die ist eigentlich zu groß."

Sein Kollege Stefan Bauknecht von der Fondsgesellschaft DWS mahnt ebenfalls "Kostenkontrolle als Priorität" an. Allerdings dürfte der Sparzwang auch die Aktionäre treffen, zu denen ja auch die Investoren selbst gehören: "Wir gehen davon aus, dass die Dividende gekürzt wird", so Bauknecht.

Stelleabbau ist nicht geplant

Ein Stellenabbau sei jedenfalls nicht geplant, sagte ein Daimler-Sprecher am Rande der Bilanzvorlage. Für die Stammbelegschaft in Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Leiden könnten allerdings die Leiharbeiter, die von Konzernen in der Regel eingesetzt werden, um flexibler produzieren zu können.  

Schon 2017 hatte Daimler angekündigt, wegen hoher Entwicklungsinvestitionen in der Pkw-Sparte bis 2021 vier Milliarden Euro an Kosten sparen zu wollen. Hintergrund sind unter anderem die hohen Investitionen in die neuen Elektro-Modelle. In diesem Jahr kommt das erste Auto der neuen Marke EQC auf den Markt. Nach derzeitigem Stand sei die Nachfrage so hoch, dass Daimler diese 2019 und auch 2020 nicht bedienen könne, sagte Dieter Zetsche.  

Neben der anhaltenden Debatte um Diesel und saubere Luft rechnet der 65jährige auch weiter mit Belastungen aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China. "Wir bereiten uns auf unterschiedliche Szenarien vor", sagte er. Auch ein harter Brexit bliebe nicht ohne Folgen. Großbritannien ist Daimlers viertgrößter Autoabsatzmarkt.  

Konkurrenz durch Google und Co

Und dann machen ja auch noch die großen Tech-Konzerne aus den USA Druck. "In Feldern wie Vernetzung und Software haben wir nicht genügend Know-how", sagt Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht.

Geteilte Mobilität gewinne immer mehr an Fahrt, Anbieter wie Uber oder Lyft zeigten mit ihren Plattformen bereits heute, was sie leisten könnten. "Die Google-Tochter Waymo kann 40 Milliarden Euro für die Entwicklung neuer Systeme ausgeben. Im Vergleich dazu sind unsere Finanzmittel eher klein", so Brecht.

USA Washington Daimler Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche (Reuters/K. Lamarque)

Problemgespräche: Daimler-Chef Zetsche im Dezember in Washington

Kooperation zur Kostensenkung

Der Daimler-Betriebsrat befürwortet eine von Experten schon längst geforderte Entwicklungskooperation zur Kostenteilung der deutschen Autobauer und der großen Zulieferer wie Bosch oder Continental, eine Bündelung der Kräfte für eine gemeinsame Digital-Strategie.

"Eine gute Idee, sofern es denn überhaupt von den EU-Wettbewerbsbehörden genehmigt wird", sagt Autoanalyst Frank Schwope. Schließlich müsse man den US-amerikanischen und demnächst wohl auch den chinesischen Tech-Konzernen etwas entgegensetzen.

Staatliche Maßnahmen in diesem Zusammenhang, wie gerade von Wirtschaftsminister Peter Altmaier ins Spiel gebracht, steht Daimler-Chef Zetsche skeptisch gegenüber. Der Staat solle sich vor allem um gute Rahmenbedingungen im Hinblick auf Infrastruktur und Bildung kümmern. "Industriepolitik sollte aus meiner Sicht nicht im Vordergrund stehen."

Greifen die Chinesen nach Daimler?

Phantasien um größere Investitionen bei Daimler aus China kann Auto-Analyst Schwope allerdings schon gewisse Reize abgewinnen. Li Shufu, der Eigner des chinesischen Autobauers Geely, sei ja bereits mit einem Anteil von fast zehn Prozent Großaktionär bei den Stuttgartern. 

"Sofern keine Übernahmebeschränkung von deutscher Seite käme, könnte es ja sein, dass Daimler in absehbarer Zeit noch enger mit Geely aneinander rücken würde", so Schwope. Für den Daimler-Vorstand wäre das sicherlich unangenehm, aber für den Konzern und vielleicht auch für die Mitarbeiter könnte eine weitere Verschmelzung durchaus interessant sein. "Wenn man halb chinesisch ist, hat man sicherlich auch einen besseren Zugang zum chinesischen Automarkt, dem wichtigsten Markt der Welt."

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