Dürreschäden: Ein Viertel weniger Getreide | Aktuell Deutschland | DW | 22.08.2018
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Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

Dürreschäden: Ein Viertel weniger Getreide

Erheblich weniger Getreide, teils Totalausfälle bei der Ernte - die Dürre in Deutschland hat laut Bauernverband dramatische Folgen. Hilft der Bund den Landwirten? Das will das Kabinett am Mittag bekanntgeben.

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Dürre: Schäden für die Landwirtschaft

Angesichts der Dürre in vielen Regionen Deutschlands haben die Bauern eine deutlich schlechtere Ernte eingefahren. Bei Getreide ergebe sich in diesem Jahr eine Menge von 35,6 Millionen Tonnen und damit ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, teilte der Deutsche Bauernverband in seiner Ernte-Bilanz mit. Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einer "miserablen Getreideernte". Es sei dringend geboten, dass Bund und Länder ein Hilfsprogramm mit für die betroffenen Betriebe rasch auf den Weg bringen.

Deutschland kleine Weizenähre (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

So sollte Weizen aussehen (oben) und so sieht er dieses Jahr aus (unten)

Zudem gebe es Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Anbau von Tierfutter, so der Verbandspräsident. In einigen Regionen lägen die Ernteverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen.

Schäden von "nationalem Ausmaß"?

Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF hatte Rukwied die Dürreschäden in der Landwirtschaft als "nationales Ereignis" bezeichnet.  Acht Bundesländer hätten Schäden in Höhe von drei Milliarden Euro gemeldet. Vereits in den vergangenen Wochen hatte der Bauernverband Hilfen in Höhe vor rund einer Milliarde Euro für die Bauern gefordert.

Trockenheit und Dürre in Deutschland (picture-alliance/dpa/M. Skolimowska)

Viele Maispflanzen sind vertrocknet

Ob solche Schäden von "nationalem Ausmaß" vorliegen und der Bund den Bauern erstmals seit 2003 wieder wegen einer Dürre Hilfen leistet, will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Mittag nach der aktuellen Kabinettssitzung bekannt geben.  Eigentlich sind für Hilfsmaßnahmen bei Extremwetterereignissen die Länder zuständig, bei Ereignissen von nationalem Ausmaß kann aber auch der Bund einspringen.

Winterfutter teils schon aufgebraucht

Der Bauernpräsident hat bereits einen Vorschlag für den Einsatz möglicher Hilfsgelder vorgelegt. Denjenigen Betrieben, die Ernteeinbußen von über 30 Prozent hätten, müsse geholfen werden, fordert Rukwied. "Wir wollen keine Hilfe mit der Gießkanne, sondern dort, wo sie notwendig ist." Es gehe um Existenzen, die gesichert werden müssten. Bei etlichen Bauern "der Geldbeutel leer", etwa weil die zweite Heuernte mangels nachwachsender Wiesen ausgefallen sei und die Landwirte deswegen nun schon das Winterfutter verfüttern müsste. Daran ändere auch nichts, dass einige Randbereiche der Landwirtschaft nicht so hart betroffen seien.

Sommerwetter in Deutschland (picture-alliance/dpa/P. Förster)

Südkalifornien? Nein, die Elbauen bei Schönebeck

Weiterhelfen könne etwa eine steuerlich begünstigte Rücklage für Landwirte, mit denen sie für schlechte Zeiten vorsorgen könnten, sagte Rukwied. Grundlegend höhere Preise für landwirtschaftliche Güter aufgrund der Ernteprobleme erwarte er aber nicht: "Die Preise werden stabil bleiben", sagte Rukwied.

Göring- Eckardt: Agrarwende, jetzt!

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warnte im Vorfeld der Kabinettsentscheidung davor, den Bauern "pauschal einfach nur mal wieder Geld herüberzureichen". Gezielte Finanzspritzen für die aktuell am heftigsten betroffen Bauern sollte es zwar geben, diese bewirkten aber keine nachhaltige Lösung, sagte Göring-Eckardt der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Notwendig sei deshalb darüber hinaus, die dringend notwendige Agrarwende jetzt einzuleiten, forderte sie. EU-Gelder dürften künftig nicht länger nach Fläche, Größe oder Produktionsmasse der Betriebe vergeben werden, sondern müssten gezielt in den ökologischen Umbau der Landwirtschaft fließen. "In Zukunft muss gelten: Wer nachhaltig Landbau betreibt, der wird unterstützt", sagte Göring-Eckardt. Die gegenwärtigen Ernteeinbußen seien teilweise auch selbstgemacht. "Zu wenig Humus und zu viele Pestizide, die Leben töten, haben die Böden erosionsanfällig gemacht", sagte die Grünen-Politikerin.

cw/kle (afp, dpa, rtr)

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