CSD in Köln - gemeinsam gegen Queerfeindlichkeit
Veröffentlicht 5. Juli 2026Zuletzt aktualisiert 5. Juli 2026
An der Parade zum Christopher Street Day in Köln beteiligten sich in diesem Jahr rund 250 Gruppen mit etwa 60.000 Teilnehmenden. Rund 1,5 Millionen Besucher feierten nach Angaben der Veranstalter mit.
Viele Beteiligte berichteten von einem zunehmend rauen Wind, der der LGBTQ+-Community inzwischen im Alltag ins Gesicht wehe. Das betonte auch der Innenminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, der zum ersten Mal in Köln dabei war.
Die englische Abkürzung LGBTQ+ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer. Queer ist laut Duden eine Person, die keine heterosexuelle oder binäre Orientierung hat. Das Pluszeichen ist ein Platzhalter, der für alle Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen steht, die in der eigentlichen Abkürzung nicht explizit genannt werden.
"Ich bin dabei, weil ich mir zunehmend Sorgen mache", sagte Reul der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben zunehmend Menschen, die den Anspruch erheben, zu bestimmen, wie man leben muss."
"Kreativität und Fröhlichkeit"
Dies sei ein Irrtum, fügte der Politiker von der konservativen CDU hinzu. Er wolle zeigen: "Der Teil des Staates, für den ich stehe, die Polizei, der schützt alle." Dies sei unabhängig von der Lebensform, die man gewählt habe. Es sei eindrucksvoll, welche Kreativität die Menschen beim CSD entfalteten und mit welcher Fröhlichkeit sie dies täten. "Und eine Million Menschen, die an den Straßenrändern stehen und damit ein Statement abgeben - auch nicht schlecht."
Die ehemalige Kultur-Staatsministerin Claudia Roth von den Grünen forderte, es müsse verteidigt werden, was mühsam aufgebaut worden sei. "Wir sind heute auch hier in Köln als die größte Demonstration für die Demokratie in unserem Land, und dieses Signal schicken wir nach Erfurt zu den Demokratiefeinden", sagte sie mit Blick auf den dort stattfindenden Parteitag der AfD.
"CSD so wichtig wie noch nie"
Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte, so wichtig wie derzeit sei der CSD noch nie gewesen, weil die Rechte queerer Menschen zunehmend unter Druck stünden. "Wenn Rechte abgeschafft werden und die Leute, die es betrifft, sind nicht zu sehen, dann werden wir untergehen", so Lauterbach. Köln zeige, dass das zum Glück nicht der Fall sei.
Jens Pielhau vom Verein Cologne Pride, der den CSD mit organisierte, betonte im Gespräch mit dem Westdeutschen Rundfunk die Bedeutung der Veranstaltung: "Queere Menschen weltweit werden verfolgt - Homosexualität steht in ganz vielen Staaten unter Strafe - werden sogar mit dem Tod bedroht", sagte er.
Auch hierzulande gebe es immer noch Probleme: "Zwei Mütter in Deutschland, die ein Kind bekommen, sind nicht gleichzeitig Mutter nach dem (Bürgerlichen Gesetzbuch) BGB", so Pielhau. "Wir werden auf der Straße angespuckt, geschlagen, nur weil wir mit dem Freund Händchen haltend durch die Straße gehen." Daher hätte Queere immer noch nicht die gleichen Rechte wie alle anderen - "und dafür ist der Pride eben noch da".
Die Strecke der CSD-Parade schlängelte sich über sechs Kilometer durch die Kölner Innenstadt. An vielen bekannten Plätzen wie Heumarkt und Neumarkt feierten die Menschen ausgelassen Vielfalt, Diversität und Toleranz, viele davon mit CSD-Symbolen, Regenbogenflaggen oder bunten Accessoires.
Mit dem CSD wird vielerorts an Ereignisse im Jahr 1969 in New York erinnert. Polizisten stürmten damals die Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und beendeten einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen.
gri/se (dpa, wdr, afp)
Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert