Cristiano Ronaldo vorerst nicht in der Nationalelf | Sport | DW | 04.10.2018
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Vergewaltigungs-Vorwurf

Cristiano Ronaldo vorerst nicht in der Nationalelf

Wirken sich die Sex-Vorwürfe gegen Cristiano Ronaldo jetzt auch auf seine Karriere aus? Portugals Nationaltrainer streicht seinen Superstar für die nächsten beiden Partien aus dem Kader. Angeblich nach Absprache.

Cristiano Ronaldo wird für die kommenden Länderspiele von Portugals Fußball-Nationalmannschaft gegen Polen (11.10. und 20.11.), Schottland (14.10.) und Italien (17.11.) nicht berücksichtigt. Das teilte Nationaltrainer Fernando Santos an diesem Donnerstag mit. Der fünfmalige Weltfußballer hatte bereits in den beiden letzten Partien der Portugiesen gegen Italien und Kroatien im September gefehlt. Nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM in Russland hatte er eine einvernehmliche Pause eingelegt, um sich den Einstieg bei seinem neuen Verein Juventus Turin zu erleichtern.

Ob die Verlängerung dieser Pause etwas mit den Vergewaltigungs-Vorwürfen aus den USA zu tun hat, ist nicht bekannt. Die Strafverfolgungsbehörden in Las Vegas haben diesbezügliche Untersuchungen aus dem Jahr 2009 am vergangenen Montag wieder aufgenommen. Klägerin Kathryn Mayorga hatte damals Anzeige erstattet, weil sie in einem Hotel in Las Vegas von Ronaldo vergewaltigt worden sei.

"Es gab ein Gespräch mit mir, dem Spieler und dem Verbandschef (Fernando Gomes), und wir haben zusammen vereinbart, dass der Spieler bei dieser und auch bei der nächsten Nominierung nicht zur Verfügung stehen wird", erklärte Santos am Donnerstag. Auf Fragen sagte der Coach des Europameisters von 2016, er sei davon überzeugt, dass der Kapitän irgendwann wieder für die Nationalelf spielen werde. Die Frage, ob er wisse, wie Ronaldo sich angesichts der Beschuldigungen einer US-Amerikanerin derzeit fühle, wollte Santos nicht beantworten. Wenig später erklärte er aber auch: "Ich kenne Cristiano sehr gut und glaube voll und ganz, dass das, was er sagt, wahr ist."

Trainer und Verbandschef glauben Ronaldo

Die Nachrichtenagentur Lusa zitierte den Verbandspräsidenten Gomes unterdessen mit folgender Stellungnahme: "In meinem Namen und im Namen des portugiesischen Fußball-Verbandes spreche ich Cristiano Ronaldo in einer Zeit, in der sein Name und sein Ruf in Zweifel gezogen werden, meine volle Solidarität aus." Er glaube den Unschuldsbeteuerungen des Profis. Es gelte nicht nur das Prinzip der Unschuldsvermutung. "Ich kenne Ronaldo auch seit vielen Jahren und kann seinen guten Charakter bezeugen", erklärte Gomes.

Cristiano Ronaldo hat unterdessen den Vorwurf zurückgewiesen. "Ich bestreite mit aller Entschiedenheit die Anschuldigungen gegen mich", schrieb der 33-Jährige am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Eine Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen, das in Widerspruch zu allem steht, was ich bin und woran ich glaube."

#MeToo ermutigt Klägerin

Er habe ein "reines Gewissen" und könne daher die Ergebnisse welcher Untersuchungen auch immer in Ruhe abwarten, schrieb Ronaldo, der seit dieser Saison für den italienischen Rekordmeister Juventus Turin spielt. Er wolle das "Medienspektakel" um seine Person nicht weiter befeuern.

Mayorgas Anwalt Leslie Stovall sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Las Vegas, die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe habe seine Mandantin ermutigt, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Die MeToo-Bewegung und die Frauen, die aufgestanden sind und sexuelle Angriffe offengelegt haben, haben Kathryn viel Mut gegeben." Mayorgas wolle nicht nur "Gerechtigkeit", sondern auch verhindern, dass andere Frauen dasselbe Schicksal erleiden wie sie.

Zivilklage auf Schadenersatz

Mayorga war seinerzeit ärztlich untersucht worden. Die Ermittlungen liefen aber ins Leere. Laut Polizei wurden sie nicht weiter verfolgt, weil Mayorga damals nicht den Namen des Beschuldigten haben nennen wollen. Anwalt Stovall sagt hingegen, sie habe "Cristiano Ronaldo während eines Gesprächs mit einem Polizeiinspektor in Las Vegas zwei Wochen nach dem Übergriff identifiziert". Mayorga habe schließlich im Gegenzug für 375.000 Dollar einem Verzicht auf rechtliche Schritte und einer Schweigevereinbarung zugestimmt. 

Am 27. September dieses Jahres reichte sie aber eine Zivilklage ein. Die damalige Vereinbarung ist in den Augen ihrer Anwälte hinfällig, weil sie damals psychologische Schäden erlitten habe und unter Druck gesetzt worden sei. Mayorga fordert jetzt mindestens 200.000 Dollar Schadenersatz.

 

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