Coronavirus: Kulturschaffende vor existenziellen Sorgen | Kultur | DW | 12.03.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Coronavirus

Coronavirus: Kulturschaffende vor existenziellen Sorgen

Das Coronavirus breitet sich aus, auch Schauspieler Tom Hanks ist erkrankt. Kulturschaffende bangen um ihre Existenz. Die gute Nachricht: Der Pianist Igor Levit streamt ein Hauskonzert - für uns alle.

Vor uns liegt ein Wochenende, das für viele anders laufen wird als geplant. Keine Lesung im Rahmen des internationalen Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln. Keine Signierstunde, kein Glas Wein in der Veranstaltungspause, kein angeregtes Gespräch mit der Begleitung. Kein Besuch in der Fußballarena, weil ein Zuschauerverbot erlassen wurde. Kein Jubel in der Fankurve, kein Stadionbier. Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Noch steht das öffentliche Leben in Deutschland zwar nicht komplett still, aber die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wurden im Laufe der Woche unweigerlich spürbar.

Für Kultur- und Sport-Fans ist die Absage einer Veranstaltung verkraftbar – zumal der Grund auf der Hand liegt: Die Gesundheit geht vor. Epidemiologen warnen eindringlich davor, im Kampf gegen die exponentielle Verbreitung des Coronavirus Zeit zu verlieren. Immer mehr Menschen weltweit infizieren sich, darunter auch prominente Sportler, Politiker und Künstler. Am Donnerstag gab Hollywood-Schauspieler Tom Hanks (63) bekannt, dass seine Frau und er an Covid-19 erkrankt seien. Ihr Zustand sei stabil, heißt es, beide befänden sich in stationärer Behandlung.

Coronavirus schürt existenzielle Ängste

Für viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler sind Veranstaltungsabsagen mitunter existenzbedrohend. Sie habe noch nie so große existenzielle Ängste in ihrer Selbstständigkeit gehabt, schreibt die Berliner Autorin Kathrin Weßling auf Twitter. "Ich finde die Absagen natürlich komplett richtig", erklärt sie in einem mehrteiligen Thread. Jedoch habe sie keine Hoffnung, dass selbstständige Künstlerinnen und Künstler mit Geldern aus öffentlichen Töpfen gerettet würden.

Eine Sorge, die Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, versucht aufzufangen. Er fordert von der Politik, einen Notfallfond einzurichten. Für Freitag (13.3.) sei ein Treffen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und den Kultusministern der Länder geplant, um zeitnah Entscheidungen zu treffen. Die finanziellen Mittel sollten dann an freischaffende Künstlerinnen und Künstler und kleinere Kulturinstitutionen ausgezahlt werden, wenn diese nachweisen könnten, dass sie aufgrund der Veranstaltungsabsagen Einbußen erlitten haben.

Bleibt uns die Kultur erhalten?

"Je stärker die Krise ist, umso wichtiger ist den Menschen die Kultur", glaubt Zimmerman. "Bei allen notwendigen Maßnahmen, die wir jetzt in Deutschland, in Europa und außerhalb Europas treffen, müssen wir dafür sorgen, dass uns die Kultur erhalten bleibt." In Deutschland gebe es eine große Vielfalt an Kultureinrichtungen und Förderprogrammen. Die vielen Theater, Museen, Bibliotheken und soziokulturellen Zentren würden nicht in Frage gestellt. "Ich bin mir sicher, dass auch der Staat darum kämpfen wird, dass diese Einrichtungen nicht in dieser Krise untergehen werden", so Zimmermann.

Italien Coronavirus Mailand Menschenleer (Reuters/F. Lo Scalzo)

Shutdown: In Italien ist eingetreten, wovor sich hierzulande viele fürchten: Das öffentliche Leben steht komplett still

In China, wo die Corona-Krise ihren Anfang nahm, sei die Situation eine ganz andere, erklärt Tienchi Martin-Liao, Präsidentin des Internationalen PEN-Instituts, gegenüber der DW. "Es gibt zwei Gruppen von Künstlerinnen und Künstlern, die einen werden von der Regierung akzeptiert, sie brauchen keinen finanziellen Schaden zu fürchten, da sie gefördert werden und ohnehin in erster Linie für TV-Shows auftreten. Die andere Gruppe konnte sich auch vorher schon nur sehr eingeschränkt und unter großem Risiko, verhaftet zu werden, öffentlich äußern." Das Coronavirus habe diese Situation nur noch verschärft.

Igor Levit streamt Hauskonzert auf Twitter

Während die Corona-Krise auch in Europa immer mehr an Fahrt aufnimmt, bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen greifen und die Situation nicht außer Kontrolle gerät. Wer am 12.3. zuhause bleibt, dem sei das spontane Hauskonzert des Pianisten Igor Levit ans Herz gelegt, ab 19 Uhr MEZ via Livestream auf Twitter.

Die Redaktion empfiehlt