Corona-Stresstest für Afrikas Grenzverkehr | Afrika | DW | 30.01.2021
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Afrika

Corona-Stresstest für Afrikas Grenzverkehr

Seit Beginn der Pandemie sind grenzüberschreitende Reisen in Afrika deutlich schwieriger geworden. Innovative Konzepte sollen helfen, den Grenzverkehr in Pandemiezeiten zu erleichtern. Zum Beispiel eine App aus Kenia.

Für viele afrikanische Fernfahrer begann das Jahr 2021 im Stau. Vor allem im südlichen Afrika ist der Grenzverkehr nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich: Am 12. Januar verschärfte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa die Einreisebeschränkungen. Zunächst bis Mitte Februar dürfen nur noch wichtige Güter wie Lebensmittel, Benzin oder medizinisches Material die bereits seit Monaten streng bewachten Grenzen passieren.

Vor allem auf simbabwischer und mosambikanischer Seite bilden sich deshalb lange LKW-Schlangen. Im simbabwischen Grenzübergang Beitbridge müssen Fahrer bis zu vier Tage auf die Einreise nach Südafrika warten. Die täglichen Verluste für die Wirtschaft sind immens. 

Südliches Afrika: Grenzen dicht, illegale Grenzgänger

Auch der kleine Grenzverkehr von Händlern und Tagelöhnern ist schwieriger geworden. Wer kein Dauer-Visum für Südafrika hat, kommt nicht ohne weiteres ins Land. Außerdem müssen alle Einreisewilligen negative Corona-Tests vorweisen.

Mosambik | Grenzort Ressano Garcia

Legal lässt sich die Grenze zwischen Mosambik und Südafrika kaum noch überqueren

"Viele Mosambikaner haben Gelegenheitsjobs in Südafrika, andere kaufen als Händler regelmäßig in Südafrika Produkte, die sie in Mosambik verkaufen. Diese Menschen leiden sehr unter der derzeitigen Situation", sagt der mosambikanische Journalist Milton Maluleque. Er hat sich vor einigen Tagen am Grenzübergang Lebombo zwischen Südafrika und Mosambik einen Überblick verschafft.

"An der Grenze bilden sich täglich lange Schlangen", sagt Maluleque zur DW. Nur wenige LKW würden durchgelassen, die meisten kleinen Händler und Arbeiter abgewiesen. Viele Mosambikaner versuchen deshalb illegal über die grüne Grenze nach Südafrika zu gelangen, was nicht immer gelänge. Zwischen 300 und 400 Grenzgänger würden täglich allein im Grenzgebiet zwischen Südafrika und Mosambik festgenommen und zurückgeschickt, so Maluleque.

"Wir sind besorgt über die vielen Grenzverstöße, auch an der grünen Grenze, also an Stellen, die nicht als offizielle Grenzübergänge gelten", bestätigt Tommy Makhode, Leiter des südafrikanischen Grenzübergangs in Lebombo.

Kleiner Grenzverkehr in Beitbrige an der Grenze zwischen Südafrika und Simbabwe (Archivbild)

Viele Menschen leben vom kleinen Grenzverkehr

Viele arme Mosambikaner harren tagelang im Grenzgebiet aus. "Ich habe schon zweimal versucht, die grüne Grenze zu überqueren und bin jedes Mal verhaftet worden, aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde bestimmt nicht die Hände in den Schoß legen und verhungern", sagt ein mosambikanischer Händler zur DW. Eine junge Frau mit einem Baby im Arm fügt hinzu: "Ich habe einen Reisepass, aber sie lassen mich nicht rein. Dabei bin ich auf die Einnahmen angewiesen, um Essen und Schulgebühren für meine Kinder zu bezahlen. Da mir Südafrika kein Einreisevisum gibt bleibt mir nichts anderes übrig, als illegal einzureisen."

Ostafrika: Lange Staus nerven die Trucker

Auch die Mitgliedsländer der Ostafrikanischen Gemeinschaft verlangen an den Grenzen negative Coronatests. Das führt zu langen Staus, etwa an den Übergängen zwischen Kenia und Uganda. Lieferengpässe und finanzielle Einbußen für Händler, Transportunternehmen und Kunden sind die Folge.

"COVID hat meine Arbeit viel schwieriger gemacht", sagt etwa Fernfahrer Joseph Kimunda. Fünf Mal im Monat transportiert er Waren zwischen Kenia und Uganda. "Wenn ich nach langer Wartezeit über die Grenze nach Uganda komme, darf ich nicht mal parken, um Wasser zu kaufen. Sie verjagen mich und sagen 'Du hast Corona, geh weg!''' Das sei aber nicht mal sein größtes Problem. Um die Grenze zu überqueren, habe er einmal 10 Tage auf sein obligatorisches Corona-Testergebnis warten müssen, erzählt er der DW.

Corona-App für Trucker

Dank einer neuen App sollen Wartezeiten und Schikanen für die Fernfahrer bald der Vergangenheit angehören. "Die App vermeidet Verspätungen, die durch die ausstehenden Testergebnisse verursacht wurden", sagt Shannon Tumba, Mitarbeiterin des Projekts "Cargo Driver Tracking System" aus Kenia, das die neue App entwickelt hat.

Video ansehen 02:30

Corona-App soll LKW-Fahrern aus Ostafrika helfen

Die Fahrer müssen sich nicht mehr an der Grenze testen lassen und dort auf die Ergebnisse warten. Sie können sich auch anderswo testen lassen und bekommen das Ergebnis direkt aufs Smartphone. Diese Zertifikate werden nicht nur von Kenia, sondern auch von Uganda, Tansania und Ruanda anerkannt. An der Grenze müssen die Fernfahrer nur die QR-Codes ihrer Zertifikate vorzeigen und dürfen passieren: „Der Vorteil ist, dass die Gesundheitsbehörden nur mein Handy-Display screenen müssen und sofort das Ergebnis sehen. Wenn es rot ist, bist Du positiv, dann kommst Du in Quarantäne. Wenn es blau ist, kannst Du weiterfahren", so Joseph Kimunda. Dass seine persönlichen Daten weitergegeben und verarbeitet werden, stört ihn nicht.

Jeder seiner Schritte wird genau verfolgt. Seine Position und Daten landen in der Kommandozentrale des Projekts in Nairobi, das von Trade Mark East Africa geleitet wird. Die gemeinnützige Organisation arbeitet eng mit der Ostafrikanischen Gemeinschaft, Regierungen und dem Privatsektor zusammen. Über 50.000 Fahrer Kenia, Uganda, Ruanda und Tansania haben sich nach Angaben von Trade Mark bisher registriert. Burundi, die Demokratische Republik Kongo und der Südsudan sollen bald folgen.

"Traum von Reisefreiheit noch nicht ausgeträumt"

Auch aus anderen Regionen Afrikas berichten DW-Korrespondenten vermehrt über verschärfte Grenzkontrollen, eingeschränkte Reisefreiheit und Probleme beim Warentransport. So sei der Grenzverkehr an der Grenze zwischen dem Senegal und Guinea-Bissau wegen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stark eingeschränkt.

Tschads Präsident Idriss Deby und Ruandas Präsident Paul Kagame stellen den neuen Reisepass vor (Archivbild)

Mit einem einheitlichen Reisepass wollte die Afrikanische Union Reisen in Afrika erleichtern

Reisen, Niederlassungsfreiheit und freier Handel über alle Grenzen hinweg – ein lang gehegter Traum in Afrika. Mit zwei ambitionierten Projekten will die Afrikanische Union die politische Integration auf dem Kontinent vorantreiben: Einer Freihandelszone, die den ganzen Kontinent umfasst, und einem gemeinsamen Pass. Er soll für alle 54 Staaten des Kontinents gelten und Visa unnötig machen. Doch dieser Plan erlebt derzeit – ähnlich wie in Europa – einen gewaltigen Rückschlag.

"Der Traum von der Reisefreiheit und vom uneingeschränkten Warenverkehr in ganz Afrika ist noch nicht ausgeträumt", sagt der mosambikanische Journalist aus Südafrika, Milton Maluleque. Er sei nur derzeit wegen der Pandemie und anderer Sicherheitsfaktoren zurückgestellt worden.

Mitarbeit: Mariel Müller (Nairobi)

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