Corona schafft Nähe im Nahen Osten | Nahost | DW | 13.04.2020
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COVID-19

Corona schafft Nähe im Nahen Osten

Der Nahe Osten ist für andauernde Spannungen bekannt. Doch im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit haben die Menschen dort nun einen gemeinsamen Gegner und helfen sich gegenseitig.

Von der steigenden Zahl der Todesopfer in den USA und Italien bis hin zu hilflos anmutenden Versuchen, Antworten auf die globale Corona-Krise zu finden - an Tragödien mangelt es derzeit nicht auf der Welt. Doch selbst in trüben Zeiten gibt es ermutigende menschliche Taten und Gesten.

Im Nahen Osten haben Menschen in der ganzen Region persönliche Initiativen gestartet, um dazu beizutragen, mit den Folgen der Corona-Krise fertig zu werden. Wo unzureichend gerüstete Staaten kaum weiter kommen, stellen sich so unterschiedliche Gruppen wie Flüchtlinge, Modedesigner und Unternehmer der Herausforderung und tragen etwa zur Produktion von lebensnotwendigen medizinischen Gütern und Schutzausrüstungen bei. So wollen sie ihr jeweiliges Umfeld unterstützen.

Mehr Sicherheit dank Mode

In Ägypten ist der gemeinsame Kampf gegen das Coronavirus auch Thema in der Modewelt: Mohanad Kojak ist Designer und hat ein eigenes Label in Kairo. Den Ägyptern ist er bekannt als Teilnehmer des Fernsehwettbewerbs "Project Runway Middle East". Kojak will nun 100 Prozent des Gewinns aus dem Verkauf einiger seiner Bestseller an ein Krankenhaus in Kairo spenden. So könnten die Mediziner die nötige Ausrüstung kaufen, um COVID-19 sicher zu bekämpfen. "Aufgrund der andauernden globalen Pandemie erkennen wir bei Kojak unsere Pflicht gegenüber unserer Nation und der Menschheit an", heißt es bei dem Label.

Mittlerer Osten Gaza Menschen mit Mundschutz (picture-alliance/dpa/M. Ajjour)

Corona-Schutz im Gazastreifen: Kleidungsfabriken umgerüstet

Lamia Rady ist ebenfalls eine aufstrebende ägyptische Modedesignerin und war bereits zweimal Teilnehmerin der Pariser Modewoche. Nun näht sie Atemmasken für Mitarbeiter des Gesundheitswesens, denn sie wolle "auf jede erdenkliche Weise helfen", sagte sie der Internetzeitung "Egyptian Streets". "Unsere sind wiederverwendbar und halten länger als normale Masken", so Rady. Außerdem könne man die Filter austauschen, "was gut für die Umwelt ist".

"Mein Haus ist dein Haus"

Auch in anderen Regionen engagieren sich die Menschen im Kampf gegen das Virus. Der Libanon etwa war lange Zeit durch den konfessionell strukturierten Staatsaufbau politisch und gesellschaftlich geteilt. Nun aber ergreifen die Menschen Initiativen, um sich zusammenzuschließen und durch das Virus besonders gefährdete Gruppen oder medizinisches Personal zu unterstützen.

"Baytna Baytak", "Mein Haus ist dein Haus", heißt eine der Initiativen. Sie will Ärzten und Krankenschwestern Privatunterkünfte in der Nähe ihres jeweiligen Einsatzortes vermitteln. Auf diese Weise will die Initiative den Druck auf dem Beiruter Wohnungsmarkt lindern, sodass sich die Mediziner sich ungestört ihrer Arbeit zuwenden können.

Masken im Flüchtlingslager

Auch Jihad Muhammad, palästinensischer Investor und Gründer des Elektroautoherstellers Evelectra, hilft im Kampf gegen das Virus. Er finanziert eine provisorische Fabrik zur Herstellung von Masken, die wie die berühmten palästinensischen Kufijaschals gemustert sind - was durchaus als politisches Statement zu verstehen ist. Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" zufolge unterliegen die Palästinenser in einigen Gemeinden im Libanon härteren Beschränkungen als Libanesen oder andere im Libanon lebende Ausländer.

Herstellung von Mundschutzmasken in Beirut (Getty Images/AFP/J. Eid)

Maskenproduktion in Beirut: Politisches Statement

Die Masken mit Kufijamuster werden in einem der größten palästinensischen Flüchtlingslager in Beirut hergestellt - speziell für die dortige Bevölkerung. Es sei gelungen, innerhalb der ersten fünf Tage 50.000 Masken herzustellen, sagte der Chef der Fabrik der Internetzeitung "Middle East Eye". "Muhammad will den Menschen in den Flüchtlingslagern helfen", so der Fabrikleiter. Aus eigener Kraft könnten sie das kaum schaffen.

Freundliche Geste aus Gaza

Auch im Gazastreifen reagiert man auf die Pandemie. Fabriken, die bislang Kleidung herstellten, wurden umgerüstet, um fortan medizinische Schutzkleidung und Schutzmasken herzustellen. Nachdem hinreichende Mengen für die Küstenenklave selbst produziert sind, exportiert man nun - im Sinne freundlicher Nachbarschaft - ins Westjordanland und sogar nach Israel.