Corona-Rezession trifft Frankreich und Italien hart | Wirtschaft | DW | 29.05.2020
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COVID-19-Pandemie

Corona-Rezession trifft Frankreich und Italien hart

Weltweit lässt COVID-19 die Wirtschaft einbrechen. Während Deutschland im ersten Quartal 2020 noch relativ glimpflich davon kam, schrumpft die Ökonomie in Italien und Frankreich erheblich. Und es kommt noch schlimmer.

Die Corona-Pandemie hat Frankreich und Italien einen beispiellosen Wirtschaftseinbruch beschert. Bereits im ersten Quartal 2020 brach die Wirtschaft dort im Vergleich zum Vorquartal jeweils um 5,3 Prozent ein, wie die Statistikbehörden Insee und Istat in Paris und Rom berichten. In Italien ist das der stärkste Rückgang seit dem Beginn dieser Statistik 1995. Die französische Wirtschaft sackte im Zuge der Corona-Krise nicht ganz so stark ab wie zunächst befürchtet. Der Rückgang ist aber immer noch der stärkste seit dem Frühjahr 1968, als Studentenunruhen und Generalstreiks das Land lahmlegten.

Beide Länder zählen nach Deutschland zu den größten Volkswirtschaften der Eurozone. Für Italien war zuvor ein etwas geringerer (4,7), für Frankreich indes ein etwas stärkerer (5,8) Rückgang erwartet worden. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft - die größte in Europa - war im ersten Vierteljahr binnen eines Quartals um 2,2 Prozent geschrumpft. Für die gesamte Eurozone geht die EU-Statistikbehörde Eurostat nach früheren Schätzungen von einer Größenordnung von minus 3,8 Prozent aus. Ähnlich heftig wie Frankreich und Italien hat es unter den großen Volkswirtschaften bereits im ersten Vierteljahr sonst nur die Nummer vier des Euroraums, Spanien, mit einem geschätzten Einbruch von 5,2 Prozent erwischt.

Ökonomen rechnen fest damit, dass die volkswirtschaftliche Bilanz für das zweite Quartal noch verheerender ausfallen wird, weil die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor allem in diesem Zeitraum ergriffen wurden. Erste Daten zum Bruttoinlandsprodukt für die Monate April bis Juni werden Ende Juli erwartet.

Düstere Prognosen

Dass Italien und Frankreich besonders hart von den Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen werden, spiegelt sich auch in den Prognosen für das Gesamtjahr 2020. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten beispielsweise, dass Italiens Wirtschaftsleistung um neun Prozent hinter das Jahr 2019 zurückfällt, für Frankreich wird ein Minus von 7,5 Prozent vorausgesagt.

Italien gehört zu den am schwersten von der Pandemie getroffenen Ländern weltweit, weshalb die Regierung strenge Schutzmaßnahmen angeordnet hat. Sie erwartet für das laufende Jahr einen Wirtschaftseinbruch von etwa acht Prozent. Regierungschef Giuseppe Conte kündigte im Parlament an, die Finanzhilfen wegen der Krise um rund 40 Milliarden Euro auszuweiten. Etwa 25 Milliarden Euro sollen Beschäftigten und Selbstständigen zugutekommen, der Rest Unternehmen. Der Tourismussektor werde die Folgen der Eindämmungsmaßnahmen wegen der Pandemie wohl noch für "mehrere Monate" spüren.

Im laufenden zweiten Quartal droht der französischen Wirtschaft wegen der Corona-Krise ein historischer Konjunktureinbruch. Es zeichne sich ein Minus von 20 Prozent ab, sagte das Statistikamt Insee voraus. Für das Gesamtjahr rechnet es mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von acht Prozent.

Der Inflation geht die Luft aus

Als teils indirekte Folge der Corona-Pandemie schwächt sich auch die Inflation im gesamten Euroraum weiter deutlich ab. Wie Eurostat mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im Mai nur noch 0,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die niedrigste Inflationsrate seit Juni 2016. Entscheidend für die schwache Inflation sind vor allem die Energiepreise. Sie lagen 12,0 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt auf mittlere Sicht ein Preissteigerungsniveau von knapp zwei Prozent an. Dieses Ziel ist derzeit außer Reichweite. Fachleute rechnen nicht damit, dass sich daran schnell etwas ändert. Die Corona-Krise dürfte die Lohnentwicklung und die Konsumnachfrage dämpfen, lautet ein Argument.

720 Milliarden Euro Kapital benötigt

In der Corona-Krise werden europäische Unternehmen nach Schätzung der EU-Kommission allein dieses Jahr Finanz- und Kapitalspritzen im Umfang von 720 Milliarden Euro benötigen. Die Zahl nannte Vizepräsidentin Margrethe Vestager in Brüssel. Falls Ausgangsbeschränkungen länger dauern oder eine zweite Pandemiewelle eintreten sollte, könnte der Betrag noch höher ausfallen. Ein neues Instrument zur Zahlungsfähigkeit bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) solle helfen, den Bedarf auch in Staaten zu decken, die selbst wenig finanziellen Spielraum hätten, sagte Vestager. Mit Hilfe einer EU-Garantie soll die EIB Direktfinanzierungen zur Verfügung stellen oder in Beteiligungsfonds oder ähnliches investieren, um private Investitionen zu sichern.

Mit einem Budget von 31 Milliarden Euro sollen nach Vorstellungen der EU-Kommission 300 Milliarden an Liquiditätshilfen mobilisiert werden. Das Kriseninstrument soll noch dieses Jahr zur Verfügung stehen, im Spätsommer oder Frühherbst, wie Vestager erklärte.

kle/ww (dpa, rtr)

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