Corona: Nachweis von Antikörpern schwierig | Wissen & Umwelt | DW | 22.06.2020
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COVID-19

Corona: Nachweis von Antikörpern schwierig

Antikörper im Blut gelten als sicherer Nachweis dafür, dass der Körper eine Infektion durchgemacht und Immunität entwickelt hat. Bei COVID-19 scheint das nicht ganz so einfach zu sein.

Da waren doch dieses Kratzen im Hals und dann der Husten und auch ein bisschen Fieber? Jeder möchte gerne wissen, ob er sich mit Corona infiziert hat, egal ob mit Symptomen oder ohne.

Schließlich ist mittlerweile bekannt, dass eine Infektion nicht unbedingt mit COVID-19-spezifischen Beschwerden einhergehen muss. Auf jeden Fall aber sind die Viren im Blut nachweisbar.

Davon sind die Wissenschaftler zumindest ausgegangen. Das hieße auch, dass jemand, der Corona hinter sich hat, sich nicht erneut infizieren kann, also immun ist und auch keine anderen Menschen mehr anstecken würde.

Ein ausgeklügeltes System

Antikörper bildet unser Immunsystem, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Sie können nach durchgemachter Krankheit im Blut nachgewiesen werden. Der Patient entwickelt eine Immunität gegen den Krankheitserreger.

Mehr dazu: Das Immunsystem im Kampf gegen Corona

Darauf setzen Wissenschaftler auch bei COVID-19. Könnten Antikörper zuverlässig bei Menschen nachgewiesen werden, die an der Infektion erkrankt waren und wieder gesund sind, würde das weitere Erkenntnisse zu COVID-19 bringen.

Start der Studie Corona-Monitoring lokal (picture-alliance/dpa/M. Murat)

Es kann mehrere Wochen dauern, bis Antikörper nachweisbar sind

Immun oder nicht?

Um festzustellen, wie viele Menschen sich tatsächlich mit dem Corona-Virus infiziert haben, ist ein Antikörpertest zurzeit das Mittel der Wahl. Immun oder nicht? Infektiös oder nicht? Mit diesen Fragestellungen hat sich eine Studie aus Lübeck unter anderem beschäftigt.

Die meisten Teilnehmer der Studie hatten leichte oder mittelschwere Infektionen durchgemacht. Bei etwa jedem vierten Patienten konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Antikörper finden, obwohl sie nachweislich Symptome gehabt hatten.

Mehr dazu: Wie sinnvoll sind Corona-Antikörpertests?

Im Gegensatz dazu waren bei zwei von zehn Patienten mit asymptomatischem Verlauf hohe Antikörperspiegel nachgewiesen worden. Das wirft neben der Frage nach der Immunität auch die Frage auf, wie sich die Dunkelziffer ermitteln lässt.

Wie zuverlässig sind Antikörpertests?

Bislang gilt ein Zeitraum von etwa vier Wochen als ausreichend, um zuverlässige Ergebnisse von Antikörpertests zu bekommen. Antikörper brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich nachweisen lassen. Wie lange genau, das ist von Person zu Person unterschiedlich.

Manch einer zeigt schon nach kurzer Zeit Antikörper, andere wiederum erst nach mehreren Wochen und wieder andere scheinen gar keine Antikörper zu bilden, obwohl sie nachweislich an COVID-19 erkrankt waren. Es ist also eine undurchsichtige Situation.

Tuebinger Unternehmen CeGaT entwickelt Corona-Antikoerpertest (picture-alliance/Ulmer)

Auch Antikörpertests "To Go" gibt es

Mehr dazu: Coronavirus: Was steckt hinter den Fachausdrücken?

Regelmäßige Tests

Bei der Studie der Uni Lübeck hatten die Wissenschaftler die Antikörper im Blut von Patienten im Abstand von mehreren Wochen immer wieder gemessen. Das Bild, das dabei entstand, scheint differenzierter als etwa einmalige, großflächige Screenings.

Aber jede Art von Antikörper-Tests könnten auch zu gefährlichen Fehleinschätzungen führen, warnen Hannes Blankenfeld und Michael Kochen von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, sowie die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, in einer Stellungnahme.

Mehr dazu: Coronavirus: Was ist die Reproduktionszahl R?

Werden viele Antikörpertests durchgeführt, ließen sich daraus wichtige statistische Erkenntnisse ableiten. Bei einzelnen Personen aber kann es sogar gefährlich werden. Dann nämlich, wenn die Tests falsche Ergebnisse liefern, und die Menschen, die positiv auf Antikörper getestet wurden, glauben, dass sie vor einer erneuten Ansteckung gefeit und auch nicht infektiös seien.

Derartige falsch positive Ergebnisse können trügerisch sein und zu einem zu unbeschwerten Umgang mit COVID-19 führen.

Studie aus China

Auch in China läuft die Forschung an Antikörpertests auf Hochtouren. Dort hatten Wissenschaftler im Fachmagazin Nature eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie lange eine körpereigene Immunität wirksam sein könnte - ein Leben lang? Oder wird sie im Laufe der Zeit schwächer?

Deutschland Medizin Forschung Immunsystem (bzga)

Fresszellen des Immunsystems bekämpfen schädliche Bakterien und Viren

Die chinesischen Forscher untersuchten Corona-Infizierte ohne Symptome und Infizierte, die Symptome gezeigt hatten und verglichen die beiden Gruppen miteinander. Das Ergebnis: Das Immunsystem von Personen ohne Symptome hatte weniger stark auf das Virus reagiert als das von Menschen mit Symptomen. Sie zeigten eine stärkere Reaktion.

Kaum mehr nachweisbar

Ein weiteres Ergebnis der Studie aus China: Nach einem Zeitraum von etwa drei Monaten war der Antikörperspiegel bei den Menschen, die keine Symptome gezeigt hatten, kaum noch nachweisbar. Ob Patienten die Erkrankung durchgemacht haben und vielleicht sogar immun sind, bleibt vorerst unklar.

Die Frage nach der Immunität ist noch nicht gelöst. Auch, wie viele Antikörper im Blut nachweisbar sein müssen, damit eine Person sich und andere nicht wieder anstecken kann, ist nach wie vor ein Rätsel.

 

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