Corona-Crash: Wie tief geht es an der Börse noch? | Wirtschaft | DW | 17.03.2020
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Aktienmärkte

Corona-Crash: Wie tief geht es an der Börse noch?

An den Aktienmärkten herrscht die blanke Panik. Anleger und Experten fragen sich, wann der Spuk ein Ende hat. Der Dienstag ging zumindest in Frankfurt mit einem Hoffnungsschimmer zu Ende.

Ein wenig Hoffnung herrschte am Dienstagmorgen, als der Aktienmarkt mit deutlich positivem Vorzeichen in den gestartet war. Passend zum Wochentag - denn im Börsenjargon gibt es den Begriff Turnaround Tuesday - den Wende-Dienstag. "Normalerweise ist der Montag oder der Dienstag ein klassischer Wendepunkt. Das war 1929 und 1987 auch so", sagt Robert Rethfeld vom Börsenbrief Wellenreiter-Invest. Die beiden Jahreszahlen markieren Börsencrashs, die in die Geschichte eingingen. Was in diesen Tagen an den Börsen geschehen ist, steht dem in nichts nach. "Es gibt hierfür keinen Präzedenzfall. Solche Abstürze in so kurzer Zeit – das ist schon brutal."

Am Montag hatte die Wall Street den schwärzesten Tag seit 1987 erlebt. Innerhalb weniger Tage musste zum dritten Mal der Handel kurz ausgesetzt werden, weil die Kursverluste das vorgesehene Limit sprengten. Der Dax hat in den vergangenen zwei Wochen rund ein Drittel seines Wertes verloren. Auch in Asien fliehen Anleger in Scharen aus den Aktienmärkten. "Die Situation ist historisch so noch nie dagewesen", sagt er Aktienstratege der Deka Bank, Joachim Schallmayer. "Quasi das gesamte Wirtschaftsleben kommt in sehr großen Teilen einfach zum Erliegen."

Wirtschaft kommt teilweise zum Erliegen

In einer ersten Welle schien die Krise auf China begrenzt. Peking reagierte entschieden, verhängte im ganzen Land Ausgangssperren und ließ die Menschen maximal von zu Hause aus arbeiten. Das wirkte sich in anderen Teilen der Welt aus, da vielerorts die Produktion stillstehen musste, weil Lieferketten aus China unterbrochen wurden. Deutlicher abwärts ging es dann an den europäischen und amerikanischen Börsen in einer zweiten Welle, als das Virus nach Italien und Europa kam.

Nicht mehr zum Hinsehen: Händler an der Frankfurter Börse

Nicht mehr zum Hinsehen: Händler an der Frankfurter Börse

Die drastischen Maßnahmen legen nun auch in Europa weite Teile der Wirtschaft still - Volkswagen und PSA beispielsweise halten ihre Autowerke an. "Nun hat man nur die Befürchtung, dass wir erst am Anfang stehen. Europa hat es nun voll erwischt. In Amerika beginnt das Ganze erst. Das heißt: Wir fallen in eine tiefe globale Rezession. Und genau das ist es, was die Märkte so verunsichert", meint Joachim Schallmayer.

Wann geht es wieder aufwärts?

Wann das Tal an den Aktienmärkten durchschritten ist, weiß naturgemäß niemand so genau. Allerdings könnte nach so heftigen Einbrüchen der Tiefpunkt in diesen oder den kommenden Tagen erreicht sein. Eines der Barometer, auf die Experten in solchen schwierigen Situationen blicken, ist beispielsweise der DAX-Volatilitätsindex (VDAX). Der misst die erwartete Schwankungsbreite des wichtigsten deutschen Index Dax. Der VDAX ist in den vergangenen Tagen förmlich explodiert - die erwarteten Schwankungen auf Grund der Unsicherheit sind also enorm.

"Die Situation ist völlig neu und die Extreme sind sehr heftig", sagt Robert Rethfeld. "Das ist zumindest ein Anzeichen dafür, dass wir zumindest in der Nähe eines vorläufigen Tiefpunkt stehen." Beobachter wie er gehen aber selbst im Fall eines Durchschreitens der Talsohle nicht davon aus, dass es dann einfach wieder nach oben geht mit den Aktienkursen.

Anleger werden eher versuchen, eingehenden Nachrichten zu sortieren, zu bewerten und entsprechend zu handeln. Deswegen erwarten Experten nach dem Tiefpunkt zunächst eher eine Seitwärtsbewegung - mit temporär hohen Ausschlägen nach unten oder oben.

Einen Vorgeschmack, wie das aussehen könnte, konnte man an diesem Turnaround-Tuesday beobachten. Denn die Wende schien am Morgen mit deutlichen Kursgewinnen nach den heftigen Verlusten in den vergangenen Tage greifbar zu sein. Allerdings verpufften die Gewinne wieder und der Dax fiel wieder ins Minus - konnte aber später die Verluste eingrenzen und wieder in den grünen Bereich vorrücken. Mit Hilfe der Wall Street schaffte der Dax dann sogar ein Plus von über zwei Prozent.    Nachhaltig aufhellen schließlich dürfte sich die Börsenlage erst, wenn die guten Nachrichten von der Corona-Krise die Überhand gewinnen. Das könnte sein, wenn die Zahl der Neuinfektionen in Europa zum Stillstand kommt oder sogar zurückgeht. Denn dann wird man auch wieder darüber nachdenken können, die Bewegungsfreiheit wieder auszuweiten - für Menschen, Unternehmen und Wirtschaft.

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