″Citéco″: In Paris ist die Wirtschaft jetzt museumsreif | Kultur | DW | 19.08.2019
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Kunst & Wirtschaft

"Citéco": In Paris ist die Wirtschaft jetzt museumsreif

Paris hat sich ein Millionen teures Wirtschaftsmuseum geleistet. Für viele Menschen ist Ökonomie ein Buch mit sieben Siegeln, das neue "Citéco" will Wirtschaft mithilfe von Kunst verständlich machen.

Citeco - Erstes Wirtschaftsmuseum in Paris. Blick in den Tresorfsaal (picture-alliance/dpa/S. Glaubitz)

Museumsreif: Charlie Chaplin in seinem Kurzfilm "Die Bank"

"Cité de l'économie et de la monnaie" ("Stätte der Wirtschaft und des Geldes") heißt das neue Wirtschaftsmuseum mit vollem Namen. Es residiert an dem Ort, wo über Jahrzehnte Frankreichs Währungshüter ein- und ausgingen – nämlich im früheren Zentralgebäude der Banque de France. Die schlossähnliche Villa hatte der Bankier Émile Gaillard zwischen 1878 und 1882 für seine private Kunstsammlung erbauen lassen - aus Marmor, Backstein und Glas, mit reich verzierten, hohen Holzdecken und getäfelten Wänden.

Gediegener könnte die Kulisse des neuen Museums also kaum sein: Und doch flimmern im ehemaligen Banktresor heute Ausschnitte aus dem Kurzfilm "Die Bank" mit Charlie Chaplin
über den Bildschirm. Ein Kunstwerk des Franzosen Christian Champin empfängt die Besucher: Seine "Djibrila", eine Kuh-Skulptur aus Metallabfällen, soll auf das Problem der Überproduktion der Welt hinweisen. Natürlich darf auch das obligatorische Museumscafé nicht fehlen.

Blick in das neue Citeco - Paris' erstes Wirtschaftsmuseum (picture-alliance/dpa/S. Glaubitz)

Interaktiver Museumsparcours im neuen Wirtschaftsmuseum in Paris

Phantasievoller Museumsparcours

Mehr als 50 Videos, gut 20 Videospiele, Fotografien und Skulpturen bietet der Museumsparcours. Ins Auge sticht eine meterhohe Plastik aus Hunderten Federn, Perlen, Muscheln und Münzen, die irgendwann und irgendwo auf der Erde einmal als Zahlungsmittel dienten. Kein Zweifel: Man möchte das komplexe Wirtschaftsgeschehen originell und auch spielerisch vermitteln.

So fehlt es auch an Fantasievollem nicht. Auf einem nachgebildeten Flughafen-Scanner werden Objekte durchgeschoben. Dabei wird deren Zusammensetzung gezeigt, um die Wege nachzuzeichnen, die heute unsere Produkte zurücklegen - Teil der globalen Arbeitsteilung. In einem nachgebauten Konferenzsaal sind Klimagipfel nachinszeniert, bei denen die Besucher in die Rolle von Staatsvertretern schlüpfen und miteinander verhandeln können.

Mit dem neuen Citéco präsentiert sich Paris auch als internationale Wirtschaftsmetropole. Wohl deshalb gibt es sämtliche Wandtexte zur Kunst nicht nur auf Französisch, sondern auch auf Englisch und Spanisch.

Citeco - Erstes Wirtschaftsmuseum in Paris (picture-alliance/dpa/S. Glaubitz)

Im neuen Museum können Besucher sich ihre eigene Banknote entwerfen

Das immer globaler werdende Wirtschaftsgeschehen sei für einen Großteil der Franzosen "ein Buch mit sieben Siegeln", erklärte Direktor Philippe Gineste seinerzeit bei der Eröffnung. Mit seinem Konzept geht er weit über das von einem Geldmuseum oder Museen für Nationalbanken hinaus. Denn die Wirtschaftsmechanismen müssten für jeden und jedes Alter verständlich werden, findet er.

Filme im alten Tresorsaal

Pate für die "Cité de l'économie et de la monnaie" stand das "Museo Interactivo de Economía" in Mexiko-Stadt. Vor 13 Jahren eröffnete es als weltweit erstes multimediales und interaktives Wirtschaftsmuseum seine Pforten. Seither zieht es jährlich 250 000 Besucher an.

Das neue Pariser Wirtschaftsmuseum liegt im schicken 17. Arrondissement - ein schönes Gebäude im Neorenaissance-Stil. Baumeister war der Architekt Jules Février, der sich von üppigen Loire-Schlössern inspirieren ließ. Im Jahr 1919 wurde das Anwesen dann von Frankreichs Nationalbank, der Banque de France, erworben.

Blick auf das Portal der Banque de France (Fotolia)

Frankreichs Nationalbank gehört zu den Geldgebern für das neue Wirtschaftsministerium

Heute steht es unter Denkmalschutz. Sehenswert ist nicht zuletzt der "Salle de coffres", der ehemalige Tresorsaal, hinter dessen schwerer Panzertür im Untergeschoss sich noch immer rund 110 Banktresore befinden.

Auch die Zugbrücke existiert noch, die über einen Wassergraben dorthin führt. Nur werden im "Salle de coffres" keine Goldbarren oder Wertpapiere mehr aufbewahrt, sondern Chaplins amüsanter Kurzfilm gezeigt. Und wer will, kann hier eine eigene Banknote entwerfen.

Der Umbau zum Wirtschaftsmuseum hat, wie es offiziell heißt, rund 50 Millionen Euro gekostet. Hinter den Kulissen spricht man von der doppelten Summe. Finanziert wurde das Projekt von Frankreichs Nationalbank, die heute Mitglied des Europäischen Systems der Zentralbanken ist. Was das genau bedeutet? Ein Besuch der Citéco gibt kunstvoll Antwort darauf.

sd/hm (dpa/citéco)

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